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Interview

05.02.2020

Claudia Kemfert kritisiert Siemens: "Konzern verliert seine Glaubwürdigkeit"

„Wir können bis 2030 aus der Kohle raus sein“, ist Energieexpertin Claudia Kemfert überzeugt. Siemens kritisiert sie scharf.
Bild: Bernd Wüstneck, dpa

Energie-Expertin Claudia Kemfert erklärt vor der Hauptversammlung am Mittwoch, was falsch läuft in der Politik von Siemens-Chef Joe Kaeser.

Wie schnell kann Deutschland aus der Kohle-Energie aussteigen?

Prof. Claudia Kemfert: Je schneller wir die erneuerbaren Energien ausbauen, desto eher können wir aus der Kohle raus. Wir könnten bis 2030 aus der Kohle raus sein, wenn man das Ausbautempo erneuerbarer Energien mindestens verdreifacht. Derzeit bremst die Politik den Ausbau sowohl von Wind- als auch Solarenergie aus. Wir laufen sehenden Auges in eine Versorgungslücke, wenn wir nicht schnell gegensteuern.

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Kemfert: Nein, sie sind realistisch. Wenn wir die Klimaziele von Paris erreichen wollen, müssten wir sogar noch schneller aus der Kohle aussteigen, und nicht in Gas, sondern in eine Vollversorgung mit erneuerbaren Energien einsteigen.

Lässt sich die Bundesregierung dann zu viel Zeit beim Kohleausstieg?

Kemfert: Eindeutig ja. Wir haben schon über ein Jahrzehnt mit Untätigkeit verloren, uns läuft die Zeit davon. Jetzt gilt es schnell umzusteuern.

Wie muss sich der Siemens-Konzern beim Kohleausstieg aufstellen?

Kemfert: Siemens hat die besten Ausgangsvoraussetzungen, die komplette Bandbreite der Energiewende und Klimaschutz-Technologien anzubieten, angefangen von erneuerbaren Energien, Energieeffizienz, klimaschonenden Technologien für den Verkehrsbereich, Stromherstellung- oder Gebäudeenergie bis hin zur vollen Digitalisierung. Dadurch ergeben sich riesige Marktchancen, die durch mehr Konsequenz viel besser genutzt werden könnten.

Hat Siemens-Chef Joe Kaeser einen Fehler begangen, in dem er an der Zulieferung für das australische Minen-Projekt festhält?

Kemfert: Absolut. Siemens sollte sehr viel stärker die Risiken fossiler Energien in jegliche Unternehmensentscheidungen einbeziehen, dies ist bisher in unzureichendem Maße passiert. Der Konzern verliert seine Glaubwürdigkeit, wenn er einerseits ankündigt sich für den Klimaschutz einzusetzen und andererseits fossile Projekte unterstützt. Der Imageschaden für den Konzern ist nun besonders hoch und hätte vermieden werden können. Siemens sollte daraus lernen und zukünftig die wahren Kosten der Klima- und Umweltschäden jegliche Unternehmensentscheidungen und Kalkulationen einbeziehen.

Zur Person Prof. Claudia Kemfert, 51, leitet die Abteilung Energie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin.

Lesen Sie dazu auch: Wie geht es für Siemens-Chef Joe Kaeser weiter?

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