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Umbruch im Dax

02.09.2018

Commerzbank vor dem Abstieg in die zweite Börsenliga

Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main.
Bild: Frank Rumpenhorst (dpa)

Deutlicher kann der Wandel in der Finanzbranche nicht werden: Ein Fintech verdrängt aller Voraussicht nach das Traditionshaus Commerzbank aus dem Dax. Die Führung des Frankfurter Instituts wertet das sogar als Bestätigung ihrer Strategie.

Die Tage der Commerzbank im Dax sind wohl gezählt. Aller Voraussicht nach muss die teilverstaatlichte Frankfurter Großbank ihren Platz im deutschen Leitindex für den aufstrebenden Münchner Zahlungsabwickler Wirecard räumen.

Die Entscheidung fällt am Mittwoch (5.9.), wenn sich der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse wie alle drei Monate über die aktuellen Zahlen beugt.

Maßgeblich für die Zugehörigkeit zur Top-Gruppe der 30 Konzerne im Deutschen Aktienindex sind Börsenumsatz (Handelsvolumen) und Börsenwert (Marktkapitalisierung) der Unternehmen. Änderungen in den Indizes, die erst am späten Mittwochabend lange nach Börsenschluss verkündet werden, gelten dann ab dem 24. September.

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Beim Börsenwert hatte Wirecard in den vergangenen Monaten nicht nur die Commerzbank weit hinter sich gelassen, sondern auch die Deutsche Bank überflügelt. Das 1999 gegründete Unternehmen aus dem Münchner Vorort Aschheim verdient sein Geld mit Dienstleistungen rund um die Abwicklung von Zahlungen im Internet, aber auch auf sonstigen elektronischen Wegen.

Im ersten Halbjahr 2018 konnte das TecDax-Schwergewicht die abgewickelten Zahlungen auf der eigenen Plattform um fast die Hälfte auf ein Volumen von 56,2 Milliarden Euro steigern - das spült Wirecard Gebühreneinnahmen in die Kasse. Bei Umsatz und Überschuss legte das Unternehmen im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Vorjahres um mehr als 40 Prozent zu - und Wirecard setzt sich noch ehrgeizigere Ziele: 2020 soll der Umsatz auf mehr als 3 Milliarden Euro klettern. Im vergangenen Jahr waren es 1,5 Milliarden Euro. Solche Wachstumsaussichten beflügeln die Fantasie der Anleger.

Commerzbank-Chef Martin Zielke zeigte sich in Erwartung des drohenden Dax-Abstieges betont gelassen - auch wenn er der erste Commerzbank-Chef wäre, in dessen Amtszeit der Konzern nicht in der ersten Börsenliga spielt. Schön fände er das zwar nicht, sagte Zielke Mitte August in Frankfurt. Aber: "Für unsere Kunden, für unser Geschäft ändert sich damit überhaupt nichts. Für die Bedeutung der Bank für die deutsche Volkswirtschaft ändert sich überhaupt nichts."

Doch dass aller Voraussicht nach ausgerechnet ein Fintech das Traditionshaus und Dax-Gründungsmitglied Commerzbank verdrängen wird - zumal noch im Jahr des 30. Dax-Jubiläums -, ist ein herber Schlag für die etablierten Banken in Deutschland. "Die Glaubwürdigkeit der Herausforderung durch Fintechs hat massiv zugenommen", sagt Holger Sachse, Bankenexperte bei der Boston Consulting Group (BCG). "Es ist klar geworden, dass da nicht einfach drei Jungs sind, die irgendwas in der Garage zusammenschrauben, sondern dass daraus tatsächlich ernsthafte und profitable Geschäftsmodelle erwachsen können."

Zielke jedenfalls sieht sich in seinem Kurs bestätigt, "die Bank technologisch weiterzuentwickeln". Die Commerzbank setzt auf den Ausbau ihrer Kerngeschäftsfelder Privat- sowie Firmenkunden und treibt die Digitalisierung des Unternehmens voran. Das seien "die Zutaten für eine Wertsteigerung", meint Zielke. Über den Zeitpunkt für den Wiederaufstieg der Commerzbank in den Dax wollte der Manager aber lieber nicht spekulieren. (dpa)

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