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Fairtrade

07.05.2020

Corona-Krise erfasst Weltläden und ihre Lieferanten

Für die Weltläden wird der Nachschub schwieriger.
Bild: Jonathan Mayer

Sie bieten fair gehandelte Produkte und helfen kleinen Produzenten in Entwicklungsländern. Jetzt ist alles schwieriger. Das sieht man in Dillingen an der Donau.

Der Weltladen Dillingen bietet fair gehandelte Produkte aus Afrika, Asien und Lateinamerika an. In Zeiten von Corona steht er – wie viele andere Weltläden in Deutschland – vor besonderen Problemen. „Rund 30 Ehrenamtliche übernehmen bei uns die Ladendienste, die meisten sind im Rentenalter. Viele haben wegen des Coronavirus Angst und bleiben zu Hause. Derzeit sind wir nur noch ein Dutzend Verkäufer“, sagt Elisabeth Wurm. Die regulären Öffnungszeiten wurden deswegen um täglich drei Stunden gekürzt.

Als ab März fast alle Geschäfte geschlossen blieben, durfte der Dillinger Weltladen öffnen, um Lebensmittel zu verkaufen. Kaffee, Tee, Gewürze und Schokolade gehören traditionell zu den am meisten verkauften Fair-Trade-Artikeln. „Kunsthandwerk durften wir in dieser Zeit nicht anbieten“, sagt Wurm und fügt hinzu: „Seit Beginn der Pandemie bis heute haben wir einen starken Rückgang beim Verkauf zu verzeichnen.“

Viele der 900 Weltläden hatten komplett geschlossen

Die meisten der rund 900 Weltläden in Deutschland blieben im März und April für mehrere Wochen komplett geschlossen. „Ihre Umsätze sind in der zweiten Märzhälfte um mehr als 75 Prozent gegenüber der ersten Märzhälfte gesunken“, sagt Steffen Weber, Geschäftsführer des Weltladen-Dachverbandes mit Sitz in Mainz. Er hat derzeit zwar keine Hinweise, dass Weltläden aus finanziellen Gründen vor dem Aus stehen. Anders sieht es aber bei den 82 deutschen Weltläden-Lieferanten aus. Nach einer aktuellen Umfrage sprechen 24 Prozent davon, dass sie ums Überleben kämpfen. Zwei Drittel haben für ihre Mitarbeiter Kurzarbeitergeld beantragt, 15 Prozent haben Beschäftigte entlassen.

Von Kurzarbeiter- und Arbeitslosengeld können die Hersteller von fair gehandelten Produkten nur träumen. Die Handelsorganisation El Puente aus Nordstemmen berichtet über die wirtschaftliche Lage ihrer Partner. Gospel House aus Sri Lanka vertreibt Holzspielzeug von 30 Handwerkern. Erst seit kurzem ist die Produktion wieder erlaubt. Wegen fehlender Rohstoffe kann nur eingeschränkt gefertigt werden. New Sadle aus Nepal vermarktet Filz- und Baumwollprodukte, die 100 Kunsthandwerker mit Lepraerkrankung herstellen. Seit vier Wochen sind wegen Corona alle Produzenten zu Hause, seit März kann die Nichtregierungsorganisation die Mitarbeiter nicht bezahlen. „In vielen Regionen sind die Transportwege zusammengebrochen. Probleme beim Nachschub für deutsche Weltläden sind absehbar“, sagt Weber.

Weltladentag am 9. Mai

Diese erzielten 2018 einen Umsatz von 78 Millionen Euro. Der Gesamtumsatz mit fair gehandelten Produkten lag im selben Zeitraum in Deutschland bei 1,7 Milliarden Euro – auch Discounter und Supermärkte bieten fairen Kaffee, Tee, Bananen und Süßwaren an.

Sind angesichts dieser Zahlen Weltläden nicht verzichtbar? Auf keinen Fall, ist Steffen Weber vom Dachverband überzeugt: „Gerade kleinere Produzenten haben nur in Weltläden eine Chance. Außerdem engagieren sich hier Menschen dafür, das Wirtschaftssystem gerechter zu machen. Daran hat der Lebensmittelhandel kein Interesse.“ Er weist auf den Weltladentag am 9. Mai hin – dann werben Initiativen bundesweit für ein Lieferkettengesetz, mit dem deutsche Hersteller verpflichtet werden sollen, weltweit bei der Produktion Umweltstandards und Menschenrechte einzuhalten.

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