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Coronavirus
30.01.2020

DIW fürchtet Schaden durch Coronavirus

Ikea schließt wegen des Coronavirus die Hälfte seiner Möbelhäuser in China.
Foto: Jens Kalaene, dpa

Exklusiv Die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten steigt und mit ihr auch die Folgen für die Unternehmen. Was ein Experte des DIW dazu sagt.

Tausende Kilometer liegen zwischen dem chinesischen Wuhan und dem oberbayerischen Stockdorf. Auch sonst trennen die Millionenstadt und den Ortsteil mit seinen 4000 Einwohnern Welten. Und doch sind beide aufs Engste miteinander verknüpft: Vier Mitarbeiter des Autozulieferers Webasto sind am Coronavirus erkrankt, der seinen Ursprung in Wuhan hat. Das Unternehmen hat inzwischen seine Konzernzentrale geschlossen.

Die neuartige Lungenkrankheit lässt damit nicht nur die Sorge um die medizinische Entwicklung wachsen, sondern auch die Furcht vor wirtschaftlichen Auswirkungen. Denn sollte Chinas Konjunktur einbrechen, wird das auch Folgen für den Rest der Welt haben. Die chinesische Wirtschaft ist unter anderem durch den Handelskonflikt mit den USA bereits angeschlagen. Der erzwungene Stillstand könnte dem Land einen zusätzlichen Schlag versetzen. Zugleich ist der chinesische Markt für deutsche Unternehmen von enormer Bedeutung. Deutschland ist mit Abstand Chinas größter europäischer Handelspartner. Trotzdem gibt man sich im Bundeswirtschaftsministerium betont gelassen. „Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft sind mir noch nicht bekannt“, sagt eine Sprecherin des Ministeriums in Berlin.

DIW-Experte Fratzscher: Auch Deutschland wird die Folgen spüren

Weniger locker ist man im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. „Sollte sich der Coronavirus, vor allem in China, deutlich ausbreiten, dürften die wirtschaftlichen Auswirkungen auch in Deutschland spürbar werden“, sagt DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Die Nachfrage von Konsumenten dürfte sinken, vor allem für Konsumgüter und für Reisen. „Alleine die vier großen deutschen Autobauer Audi, VW, Daimler und BMW erzielen mehr als ein Drittel ihrer Gewinne in China.“ Tatsächlich macht sich das Coronavirus bereits jetzt bemerkbar.

Die Lufthansa streicht alle Flüge von und nach China.
Foto: Silas Stein, dpa

Die Lungenkrankheit wird von Marktbeobachtern als Risiko für die Luftfahrt- und Tourismusindustrie eingestuft. „Wir verzeichnen ein leicht zurückgehendes Buchungsverhalten bei Flügen von und nach China“, bestätigt ein Sprecher der Lufthansa. Am Nachmittag schließlich die Entscheidung: Alle Lufthansa-Flüge von und nach China werden gestrichen.

Im Allgäu fürchtet man Rückgang bei Touristen wegen des Coronavirus

Auch andere Konzerne spüren die Folgen: Der schwedische Möbelkonzern Ikea schließt vorübergehend rund die Hälfte seiner rund 30 Warenhäuser in China. Auch Apple hat seinen Store in China dichtgemacht. Einige Zuliefererbetriebe befänden sich zudem in der besonders betroffenen Region rund um die Stadt Wuhan, sagte Konzernchef Tim Cook. Deutsche Hoteliers bangen um den Tourismus aus China. „Viele Hotels klagen über Stornierungen und werden massive wirtschaftliche Auswirkungen spüren – vor allem die Häuser, die sich auf Gruppenreisen aus dem asiatischen Raum spezialisiert haben“, sagt der Füssener Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier. Neuschwanstein gilt bei chinesischen Touristen als eines der beliebtesten deutschen Reiseziele.

Coronavirus-Pandemie erreicht Höhepunkt wohl erst

Die Ausbreitung des Coronavirus lässt Erinnerungen wach werden an das Sars-Virus. Das ging vor 17 Jahren um die Welt, die Pandemie nahm damals ebenfalls in China ihren Ausgang. Damals wurden rund 8000 Infektionen registriert – von denen 800 tödlich verliefen. Die Experten Jong-Wha Lee und Warwick McKibbin schätzten damals den weltweiten wirtschaftlichen Verlust auf 40 Milliarden Dollar.

Entscheidend für die Kosten des Coronavirus wird dessen weiterer Verlauf sein. Die Epidemie wird nach Einschätzung eines führenden chinesischen Lungenexperten erst in sieben bis zehn Tagen einen Höhepunkt erreichen.

Lesen Sie dazu auch: Erster Fall in Deutschland: Wie ansteckend ist das neue Coronavirus?

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