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Daimler in der Krise: Källenius braucht dringend eine Vision

Daimler in der Krise: Källenius braucht dringend eine Vision
Kommentar Von Stefan Stahl
11.02.2020

Daimler-Chef Ola Källenius muss an der E-Auto-Offensive von Volkswagen Maß nehmen. Und ein wenig Tesla-Geist täte den zu träge gewordenen Schwaben auch gut.

Wenn Daimler-Chef Ola Källenius die Dividende von 3,25 auf nur noch 0,90 Euro und auch die Prämie für Mitarbeiter massiv zusammenstreicht, ist eines klar: Der Konzern steckt in der Krise. Da verlieren vor allem die Anteilseigner rasch die Geduld und setzen das Management unter Druck, zumal wenn der Börsenkurs wie bei der Marke mit dem Stern unbefriedigend ist.

In solchen Momenten muss ein Top-Manager zeigen, was er kann. Nun beginnt die Zeit für Visionen, zumindest für eine klare Strategie. Was Visionen betrifft, ist Daimler ein gebranntes Kind, hatte der Konzern doch einst einen Mega-Träumer zum Chef, der ein Giga-Desaster anrichtete. Ein gewisser Jürgen E. Schrempp war von der Angst getrieben, Daimler könne Opfer einer Übernahme-Attacke werden. Deswegen trat er eine abenteuerliche Flucht nach vorne an und versuchte vor allem mit dem US-Autobauer Chrysler eine pfundige „Ehe im Himmel“ zu schließen, die beide Partner vor Attacken Dritter absichern sollte. In dem Fall hätte Schrempp besser die Erkenntnis von Ex-Kanzler Helmut Schmidt beherzigt, dass Visionäre zum Arzt gehen sollten.

Daimler-Mitarbeiter und Aktionäre dürfen eine klare Strategie von Källenius erwarten

Vom heutigen Daimler-Chef Källenius darf man zumindest eine klare Strategie erwarten, die Mitarbeitern und Aktionären eine Perspektive bietet: Beschäftigte kommen nämlich nur zur Ruhe und können Höchstleistung bringen, wenn sie nicht mit immer neuen Meldungen über einen Personalabbau verunsichert werden.

Dieter Zetsche und sein Nachfolger Ola Källenius.
Bild: Kay Nietfeld, dpa (Archiv)

Anteilseigner wiederum haben ein Recht auf einen klaren Plan, wie Källenius die Herausforderungen bewältigen will. Hier fallen die Antworten des Daimler-Chefs noch zu zögerlich und abstrakt aus. Er darf es nicht bei Ankündigungen belassen, der Konzern setze auf CO2-neutrale Mobilität und Digitalisierung. Diese Ziele müssen schließlich alle Auto-Manager verfolgen, wenn ihre Unternehmen nicht unter die Räder kommen sollen.

Bei E-Mobilität und Digitalisierung kann Daimler von Volkswagen lernen

Um strategische Power zu tanken, genügt für Källenius ein Blick nach Wolfsburg. Dort kann er lernen, wie eine zeitgemäße und konsequente Strategie aussieht: VW-Chef Herbert Diess setzt voll auf E-Mobilität und baut den Konzern zu einem Software-Riesen um. Das kann Daimler auch: Der Konzern ist stark genug, um sich neu als führende Premium-Marke der Welt zu erfinden. Dazu steht Källenius aber vor der Mega-Aufgabe, zunächst einmal das moralisch kontaminierte Erbe seines Vorgängers Dieter Zetsche abzuschütteln, in dem er offen mit dem hauseigenen Diesel-Skandal umgeht. Wie das funktioniert, lässt sich ebenfalls bei Volkswagen studieren.

Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender von Daimler.
Bild: Boris Roessler, dpa

Am Ende täte den zu träge gewordenen Daimler-Managern ein wenig der visionären Kraft von Tesla-Chef Elon Musk gut. Denn Träume stehen am Anfang großer Entwicklungen. Wer Visionen zulässt, sie kritisch hinterfragt und nur das Machbare beherzt umsetzt, muss nicht zum Arzt. Es ist Zeit für Daimler, das Schrempp-Trauma zu überwinden.

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