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Ölpreis

11.02.2015

Der Machtkampf ums Öl

Öl im Überfluss: So sieht die Situation auf dem Weltmarkt aus. Die weltweite Nachfrage bleibt schwach, der Ölpreis geht steil nach unten.
Bild: Epa Jurnasyanto Sukarno/dpa

Der Einbruch der Ölpreise treibt die Konjunktur an. Die Frage ist nur: Wann ziehen sie wieder an? Und welches Land geht als Sieger aus der Krise am Rohstoffmarkt hervor?

Die USA bohren sich endgültig wieder zur globalen Ölmacht. Und das, obwohl der Rohstoffmarkt in einer Krise steckt. Zu viele Kriege und Krisen, wie im Irak oder in der Ukraine, belasten den Markt des Schwarzen Golds. Die Vereinigten Staaten könnten als Wettbewerbsgewinner hervorgehen und bis 2020 ihren Ausstoß deutlich erhöhen. Das prognostiziert die Internationale Energieagentur (IEA), die Industriestaaten wie Deutschland in Energiefragen berät, mittelfristig.

Ölboom in den USA durch Fracking

Der Grund für den Ölboom in den USA liegt vor allem an den umstrittenen Fördermethoden. Beim Fracking wird mithilfe eines Gemischs aus Wasser, Sand und Chemikalien tief in der Erde liegendes Schiefergestein aufgebrochen und so Öl und Gas gewonnen. Während in den USA die Ölproduktion ein großer Wachstumstreiber ist und laut IEA trotz der jetzigen Preisdelle auch bleiben wird, sitzen die Opfer des Ölpreisrutsches in Russland und den Golfstaaten. „Russland sieht sich einem absoluten Sturm von niedrigen Preisen, Sanktionen und Währungsschwankungen ausgesetzt“, sagte IEA-Chefin Maria van der Hoeven. Der russische Rohöl-Tagesausstoß werde bis 2020 um 560 000 Barrel einbrechen.

Seit Juni vergangenen Jahres sank der Preis für das Barrel Öl (159 Liter) von fast 110 auf unter 45 Dollar. Zuletzt stand er bei etwa 53 Dollar – und hat sich damit innerhalb weniger als eines Jahres halbiert. Auch gestern sackte der Preis im Vergleich zum Vortag um 80 Cent ab. Der IEA zufolge werde sich die Talfahrt der Rohölpreise zwar bald abbremsen, doch die Höchstpreise der Jahre zuvor sollen nicht so schnell zurückkommen.

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Saudi-Arabien weigert sich die Fördermenge zu drosseln

Das liegt zum einen an der schwachen Nachfrage in China und dem verringerten Kraftstoffverbrauch in afrikanischen Ländern. Hauptgrund aber ist, dass sich Opec-Länder wie Saudi-Arabien weigern, ihre Fördermenge zu drosseln – obwohl die Nachfrage geringer ist als erwartet und deshalb die Preise sinken. Die arabischen Staaten setzen darauf, ihre Konkurrenten mit den fallenden Preisen wieder vom Markt zu verdrängen. Das geht nur, weil in den Golfstaaten große Geldpolster vorhanden sind, anders als im Opec-Land Venezuela, wo der Preisrutsch die politische und finanzielle Stabilität bedroht. Geldreserven hat das südamerikanische Land nicht, um die Durststrecke zu überbrücken.

Laut IEA wird die Strategie der Araber den Siegeszug der USA mit ihrer zwar vergleichsweise teuren, aber flexiblen Öl-Gewinnung aus Schiefergestein nicht stoppen können, höchstens verzögern. Und wenn wieder mehr Öl gebraucht werden sollte, steht mit den Vereinigten Staaten ein drittes Produktionsland bereit, das schnell auf Marktumschwünge reagieren könne, jedoch nicht der Opec angehört. Van der Hoeven bemerkte, dass das Ölkartell vor allem auf den Irak angewiesen und damit von unwägbaren politischen Faktoren abhängig sei. Auch wenn die Öl-Förderung in dem gewaltgeplagten und instabilen Land laut IEA auf einem Allzeithoch ist, sind die Sicherheitsrisiken durch Terror-Gruppen wie den Islamischen Staat hoch.

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