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Dieselskandal

29.09.2020

Der Richter im Stadler-Prozess ist ein Phantom

Richter Stefan Weickert stand bisher nicht im Rampenlicht. Von dem Juristen gibt es nicht einmal ein aktuelles Foto.
Bild: Burdun, Stock Adobe (Symbolbild)

Plus Stefan Weickert ist ein unerfahrener Wirtschaftsstrafrichter. Nun sitzt er Ex-Audi-Chef Rupert Stadler und seinen hochbezahlten Anwälten gegenüber. Kann das gut gehen?

Man muss es deutlich schreiben: Im Wirtschaftsstrafrecht ist Stefan Weickert ein Neuling. Er hat zwar viel Erfahrung als Richter, doch bisher vorwiegend in Zivilkammern und zuletzt als Vorsitzender einer Strafkammer mit Schwerpunkt Drogendelikte. Wenn also am Mittwochmorgen mit dem Audi-Prozess um die Diesel-Affäre ein riesiger Wirtschaftsstrafprozess beginnt, sitzt ein unerfahrener Wirtschaftsstrafrichter einer Phalanx von hoch spezialisierten und hoch bezahlten Wirtschaftsstrafverteidigern gegenüber. Wird das gut gehen?

Außerhalb von Justizkreisen und außerhalb Münchens ist Weickert, 54, ein unbeschriebenes Blatt. In den vergangenen beiden Jahren verhandelte er am Landgericht München II vor allem gegen Dealer, ab und zu auch gegen einen Messerstecher oder Steuerhinterzieher. Erst seit Anfang des Jahres ist er Vorsitzender der großen Wirtschaftsstrafkammer. Es gibt nicht einmal ein aktuelles Foto von ihm auf dem üblichen Markt.

Ab Mittwochmorgen steht Richter Weickert im Rampenlicht

Doch das wird sich ab Mittwoch, 9.30 Uhr schlagartig ändern. Weickert rückt ins bundesweite Rampenlicht. Er führt den ersten deutschen Strafprozess im Dieselskandal. Angeklagt sind der frühere Audi-Chef Rupert Stadler, der frühere Porsche-Vorstand Wolfgang Hatz und zwei Audi-Ingenieure. Damit beginnt die strafrechtliche Aufarbeitung der größten Affäre in der hochgerühmten deutschen Automobilindustrie. Audi soll die Keimzelle gewesen sein. Dort sollen Ingenieure vor etwa 20 Jahren auf die Idee gekommen sein, mit einer Schummel-Software den Stickoxid-Ausstoß ihrer Dieselmotoren auf dem Prüfstand zu verringern. Die Ingenieure wollen nun die Schuld den Vorgesetzten in die Schuhe schieben. Rupert Stadler will von nichts gewusst haben.

Diese Konstellation macht den Prozess extrem kompliziert. Es ist damit zu rechnen, dass die Verteidiger alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel der Strafprozessordnung nutzen werden. Auch solche, die unangenehm fürs Gericht sind. Der ganze Prozess findet unter ungewöhnlichen Corona-Umständen in einem Gerichtssaal mit wenigen Plätzen in der JVA München-Stadelheim statt. Er soll mehr als zwei Jahre dauern. So viel steht jetzt schon fest: Es wird nicht nur Stefan Weickerts größter, sondern auch sein schwierigster Fall.

Der Richter im Stadler-Prozess ist ein Phantom
10 Bilder
Der Aufstieg und Fall von Rupert Stadler
Bild: Andreas Arnold, dpa

Ex-Audi-Chef Rupert Stadler will von nichts gewusst haben

Doch in Justizkreisen hört man viel Positives über den Audi-Richter. Weickert gilt als Aktenfresser, der den Prozessstoff beherrscht und akribisch vorbereitet ist. Eine wichtige Entscheidung hat er nach einem halben Jahr Einarbeitung schon getroffen: Er hat mit den beiden weiteren Richtern, die den Fall von Beginn an kennen, die Anklage zugelassen und so ein Signal gesetzt, dass er Verurteilungen für wahrscheinlicher hält als Freisprüche.

Weickert soll sehr systematisch und pragmatisch vorgehen. Emotionale Ausbrüche sind ihm fremd. Über Weickerts Privatleben ist gar nichts bekannt. Seine Verhandlungsführung wird von Anwälten als souverän und ruhig beschrieben. Wahrscheinlich sollten die Verteidiger besser nicht davon ausgehen, dass sie es mit einem überforderten Richter zu tun haben.

Hier finden Sie alle Artikel und News zum Prozess gegen Rupert Stadler.

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Die Diskussion ist geschlossen.

30.09.2020

"Über Weickerts Privatleben ist gar nichts bekannt"...? Was hätte denn sein Privatleben mit der Sache zu tun?

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30.09.2020

.
........und was Sie dann so zu dem "Porträt" des Richters
beitragen, scheint mir von dem von Ihnen angesprochenen
"üblichen Markt" (wohl Hörensagen - hört man, gilt, soll)
zu stammen, auf dem es "nicht einmal ein aktuelles Foto
gibt" (!!) Und auch das Privatleben gibt nichts her ("gar nichts
bekannt")....................
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29.09.2020

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Herr Sabinsky-Wolf,

ich (nicht " man", wie Sie schreiben) muss es deutlich schreiben:

Einen Richter vor Beginn einer Verhandlung einleitend so, wie ich es empfinde,
infrage zu stellen, ist nach meiner Meinung eine journalistische Unverschämtheit.

Verbrämen Sie dies bloß nicht mit journalistischer Freiheit o.ä. .........
.

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30.09.2020

Dem schließe ich mich an. Zudem hat das Privatleben eines Richters nichts in der Presse zu suchen.

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