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Wirtschaft in Schwaben

15.01.2019

Der Schwung ist raus: Betriebe in der Region sind in Sorge

Die schwäbische Industrie – über Jahre ein Motor des Aufschwungs in der Region – schätzt ihre Lage heute viel skeptischer ein.
Bild: Christian Charisius

Die deutsche Wirtschaft hat im vergangenen Jahr an Wachstum verloren. Besonders skeptisch ist die Metall- und Elektrobranche in der Region.

Jürgen Weiss macht sich Sorgen. Er ist geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Weiss in Illertissen. Der Betrieb beschäftigt dort 200 Mitarbeiter und ist ein Zulieferer der Autoindustrie. Dazu kommen 100 Mitarbeiter in Ungarn. Hergestellt werden Kunststoffteile, die im Motorraum eine wichtige Rolle spielen.

Weiss spürt, dass die Probleme, mit denen die großen deutschen Autohersteller wie Audi oder BMW zu kämpfen haben, inzwischen auch auf sein Unternehmen durchschlagen: „Wir merken, dass die Stückzahlen zurückgehen – vor allem im Diesel-Bereich“, sagt er. Bei den Investitionen werde sein Unternehmen bereits vorsichtiger und will von Quartal zu Quartal entscheiden. „Wir befürchten, dass 2019 ein schwieriges Jahr wird“, sagt Weiss. Mit dieser Einschätzung steht er nicht mehr alleine da. Gerade in Schwaben trüben sich die Erwartungen der Metall- und Elektrobetriebe ein.

Arbeitgeber: „Metall- und Elektroindustrie im Konjunkturtal“

In den vergangenen Jahren präsentierte die schwäbische Industrie stets gute Zahlen. Im Vergleich dazu fällt die neue, am Dienstag in Augsburg vorgestellte Konjunkturumfrage ungewöhnlich skeptisch aus. „Die schwäbische Metall- und Elektroindustrie steckt aktuell in einem Konjunkturtal“, berichtete der Wirtschaftsverband bayme vbm, in dem Jürgen Weiss Vorstandschef für Nordwest-Schwaben ist.

Gegenüber dem Sommer schätzen viele Firmen ihre Geschäftslage schlechter ein, für das Gesamtjahr 2019 erwarten sie nur eine geringfügige Besserung. Acht Prozent der schwäbischen Betriebe wollen die Produktion drosseln, die Investitionspläne seien regelrecht „eingebrochen“. Zwölf Prozent der Betriebe haben vergangenes Jahr wohl sogar Verluste geschrieben. Dabei ist die Metall- und Elektroindustrie ein wichtiger Arbeitgeber mit tausenden Beschäftigten in der Region.

Audi, BMW & Co: Vor allem die Autoindustrie schwächelt

Ein Grund für die Eintrübung ist der weltweite Handelskonflikt, ausgelöst durch die Politik von US-Präsident Donald Trump. Drei von zehn bayerischen Metall- und Elektrounternehmen geben an, dass sie der Handelskonflikt beeinträchtigt – teilweise „in starkem Maße“. Der zweite Grund ist die Krise in der Autoindustrie.

„Wir befürchten, dass 2019 ein schwieriges Jahr wird“, sagt Unternehmer Jürgen Weiss, Vorstandsvorsitzender des Wirtschaftsverbandes bayme vbm Nordwest-Schwaben.
Bild: Michael Kerler

„Die überhastete Einführung des neuen WLTP-Testverfahrens für Emissionen hat bei einigen Herstellern zu einem kräftigen Produktionsrückgang geführt“, berichtet Weiss. VW musste zum Beispiel 2018 viele Neuwagen am Berliner Flughafen zwischenparken, weil die Zertifizierung fehlte. Für noch gravierender hält Weiss die Diesel-Krise: „Die Verunsicherung bei den Käufern ist groß.“ Dabei werfen die aus seiner Sicht zu strengen Stickoxid-Grenzwerte für Innenstädte – ein Grund für die Diesel-Debatte – viele Fragen auf. Zudem vermisst er eine durchdachte politische Planung der Wende in der Mobilität.

Ifo-Experte Wollmershäuser: Entlassungswelle nicht zu befürchten  

Interessant ist, dass Schwabens Firmen trotz der Eintrübung weiter Mitarbeiter suchen – wenn auch etwas vorsichtiger: Die Zahl der Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie könnte 2019 in unserer Region von derzeit 135.000 auf 136.500 steigen, berichtet der Verband. Die Bundesregierung erwartet angesichts der guten Lage am Arbeitsmarkt, dass der Konsum zur Stütze der Wirtschaft wird und das Wachstum nicht zu Ende ist.

Ähnlich denkt Professor Timo Wollmershäuser vom Münchner Ifo-Institut: „Wir müssen uns zwar darauf einstellen, dass die Industrie als Impulsgeber für die deutsche Wirtschaft wegfällt“, sagte er unserer Redaktion. Der Konsum und die Baukonjunktur seien aber intakt: „Die Haushalte haben viel Geld in der Tasche, die Auftragspolster am Bau sind dick.“ Mit einem Arbeitsplatzabbau rechnet der Ifo-Experte in Zeiten des Fachkräftemangels nicht. Die Betriebe würden im Notfall wahrscheinlich lieber Instrumente wie Kurzarbeit nutzen, Neueinstellungen könnte es aber weniger geben.

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