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Todestrafe in den USA

23.09.2012

Deutscher Pharmakonzern verhindert Hinrichtungen

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In den USA müssen immer mehr Hinrichtungen zurückgestellt werden, weil die Giftcocktails ausgehen.
Bild: Paul Buck/dpa

Der Medizinkonzern Fresenius reglementiert die Lieferung des Narkosemittels Propofol in die USA. Mit dieser Entscheidung verlängert das Unternehmen unter Umständen Leben.

Der Einsatz von Propofol ist in Europa und den USA eine normale Sache. Das Mittel wird zum Beispiel häufig verwendet, um vor einer Operation die Narkose einzuleiten. Trotzdem hat das deutsche Pharmaunternehmen Fresenius jetzt beschlossen, die Lieferungen des Narkosemittels an die USA stark zur reglementieren. Der Bundesstaat Missouri hatte im Mai angekündigt, Propofol in seinen Giftspritzen für Hinrichtungen zu verwenden. Eine Überdosis des Mittels wirkt tödlich.

Keine Lieferungen an Gefängnisse oder Strafvollzugsbehörden

Konkret hat Fresenius nicht die Liefermenge, sondern die Zahl der Zwischenhändler reduziert. In den Vereinigten Staaten dürfen jetzt nur noch weniger als 15 Großhändler das Mittel vertreiben, die sich den Bedingungen des Herstellers unterwerfen. "Unsere Distributionspartner sind vertraglich verpflichtet, das Propofol ausschließlich an gesundheitliche Einrichtungen zu verkaufen, die es zu medizinischen Zwecken einsetzen", sagte Unternehmenssprecher Matthias Fink gegenüber der Augsburger Allgemeinen. Ausgeschlossen sind Gefängnisse, Bundesstaaten, Strafvollzugsbehörden und sogar Gefängniskrankenhäuser.

"Unsere Lieferverträge sind so gefasst, dass die Partner das Recht Propofol zu vertreiben verlieren, wenn sie dagegen verstoßen", erklärt Link. Dadurch würde der wirtschaftliche Schaden so hoch, dass Vertragsverletzungen unwahrscheinlich wären. Fresenius hat über seine Tochtergesellschaft Fresenius Kabi auf dem nordamerikanischen Markt gerade quasi ein Monopol auf Propofol, weil die anderen Hersteller Qualitätsprobleme haben.

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Einige Hinrichtungen könnten verschoben werden

Ganz verhindern kann Fresenius Hinrichtungen mit Gift in Missouri oder anderen US-Staaten nicht. "Aber es ist möglich, dass jetzt weitere Hinrichtungen verschoben werden", sagte Sumit Bhattacharyya von Amnesty International. Missouri stellt die Entscheidung des deutschen Konzerns auf jeden Fall vor Probleme. Es gehört zu den Bundesstaaten, in denen die Gerichte die Verwendung des alten Giftcocktail verboten haben, nachdem es damit einige Zwischenfälle gab. Diese Staaten versuchen jetzt, ihre Hinrichtungen mit Überdosen an Betäubungsmitteln durchzuführen.

Sie müssen allerdings immer häufiger Hinrichtungen verschieben, weil ihnen die Narkosemittel ausgehen. Die Pharmakonzerne wollen nicht mehr für die unethischen Tötungspraktikanten in den USA verantwortlich sein. "Es ist in Europa so, dass die Unterstützung für die Todesstrafe gesunken ist, auch bei den großen Unternehmen", sagt Bhattacharyya

Angefangen hat das amerikanische Unternehmen Hospira, das 2010 die Produktion des Narkosemittels Thiopental einstellte. Danach kauften sich die Gefängnisse das Medikament auf dem europäischen Markt, bis die EU Ende 2011 harte Exportbeschränkungen für Thiopental und andere Tötungsmittel durchsetze.

Zwei Konzerne aus der EU reglementieren Lieferungen von Narkosemitteln

Wegen der Engpässe beim Thiopental waren einige US-Behörden längst auf das Mittel Pentobarbital umgestiegen, mit dem normal Tiere eingeschläfert werden. Der dänische Hersteller Lundbeck reagierte vor einem Jahr und änderte seine Verkaufsbedingungen.

Lundbeck lieferte 2011 einen ähnliche Begründung, wie sie Matthias Link von Fresenius heute abgibt: "Wir treten dafür ein, dass unsere Medikamente nur für medizinische Zwecke verwendet wird." Patienten die sie unbedingt brauchen, sollen die Medikamente weiter bekommen, Henker nicht.

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