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Die Schwäche der Großbanken ist gefährlich

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Kommentar Von Stefan Stahl
06.09.2018

Die beiden Frankfurter Institute werden durch die Digitalisierung aufgerüttelt. Ihre eklatante Schwäche geht auch auf hausgemachte Fehler zurück.

Deutsche Bank und Commerzbank stecken im Teufelskreis des Bedeutungsverlustes fest. Die beiden großen privaten Geld-Institute befinden sich spätestens seit der Finanzmarktkrise im Jahr 2008 im Dauer-Krisenmodus. Krise fühlt sich mies an. Sie riecht nach Umbau, Unruhe und Unzufriedenheit. Krise macht irgendwann müde und mutlos.

So wird die Deutsche Bank Ende September aus der 50 Aktien umfassenden ersten Börsenliga der Euro-Zone rausgeschmissen. Das wäre so, als ob der FC Bayern sich nicht für die Champions League qualifiziert hätte und zu allem Überfluss auch keinen Platz in der Europa League fände. In einem derartigen Fall müsste der Trainer das Weite suchen.

Deutsche Konzerne brauchen kräftige Finanzpartner

Das Schicksal bleibt Deutsche-Bank-Chef Sewing aber zunächst erspart. Ihm kommt die Gnade später Vorstandschaft zugute, steht er doch erst seit April 2018 an der Spitze des Hauses. Daher wird ihm auch nicht angelastet, dass der auf Bezahlvorgänge im Internet spezialisierte Finanz-Emporkömmling Wirecard an der Börse mehr wert als die Deutsche Bank ist. Ein peinliches Schicksal, das auch die Commerzbank teilt. So hat Wirecard die Frankfurter Nummer zwei aus dem Dax verdrängt.

Insofern mutet es befremdlich an, wenn Commerzbank-Chef Zielke all das herunterzuspielen versucht. Denn die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Schwäche der beiden Großbanken sind immens. Schließlich brauchen deutsche Konzerne und Mittelständler kräftige Finanzpartner, die sie weltweit unterstützen. Ein starkes Bankensystem ist eben ein Schmiermittel für den Wohlstand einer Nation.

Der Abstieg des Dax-Gründungsmitglieds Commerzbank scheint kaum noch abwendbar.
Bild: Frank Rumpenhorst, dpa (Symbolbild)

Die Digitalisierung hat noch nicht ihren Höhepunkt erreicht

Doch die Finanzbranche ist, wie der frühere Deutsche-Bank-Vorstand Ulrich Cartellieri gesagt hat, „die Stahlindustrie der 90er Jahre“. Der Manager täuschte sich nur, was die Länge des Umwälzungsprozesses betrifft. Die Digitalisierung der Finanzgeschäfte hat noch nicht ihren Höhepunkt erreicht. Dabei bekommen es die schwerfälligen deutschen Riesen mit immer neuen, rotzfrechen Wettbewerbern zu tun, die gerade bei jüngeren Leuten ankommen. N26 ist etwa kein neuer Fernsehsender, sondern hat seit der Markteinführung im Jahr 2015 nach eigener Darstellung mehr als eine Million Kunden in 17 europäischen Ländern für sich gewonnen – und das mit heute nur 430 Mitarbeitern. Hinter dem Start-up stecken zwei Gründer aus Wien.

Auch bei den Jungen Wilden, die mit einfachen Direktbank-Modellen gegen das „Bullshit-Banking“ etablierter Adressen ätzen, sind bis zu 100.000 Euro durch die nationale Einlagensicherung geschützt. Das Beispiel zeigt, wie die unbeweglicheren Großen von vielen kleinen Meistern digitaler Nadelstiche angegriffen werden.

Eine Fusion könnte die Probleme potenzieren

Hinzu gesellt sich eine fatale Orientierungslosigkeit: Der Deutschen Bank ist mit Kopper an der Spitze schon in den 90er Jahren der moralische Kompass abhandengekommen. Unter seinen Nachfolgern Breuer und Ackermann wurde der Werteverfall überdeutlich. Zügellose Renditegier und eine Vergötterung des Investment-Bankings traten an die Stelle der Prinzipien eines ehrbaren Kaufmanns.

Zugespitzt, aber im Kern berechtigt, kritisierte Linkspartei-Chef Riexinger als gelernter Bankkaufmann: „Es gibt kaum ein Wirtschaftsverbrechen, an dem die Deutsche Bank nicht beteiligt war.“ Milliardenstrafen sind die Folge. Was nicht minder schwer wiegt: Dem Konzern fehlt bis heute eine klare Strategie. Was steht im Mittelpunkt: Unternehmensfinanzierung, Privatkundengeschäft oder doch das zum Niedergang beigetragene Investment-Banking? Der Konzern schlängelt sich durchs Leben. Eine Fusion mit der Commerzbank löst diese Misere nicht. Die Probleme könnten sich sogar potenzieren.

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