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Manroland-Insolvenz

30.11.2011

Die Welt des Drucks sortiert sich neu

Haupteingang von Manroland in Augsburg. Foto: Joerg Koch/dapd
Bild: Joerg Koch

Die Druck-Branche muss sich neu sortieren und die digitale Revolution meistern.

Sie werden kämpfen. Sie werden pfeifen. Sie werden Transparente hochhalten und dafür eintreten, dass ihr Betrieb eine Zukunft hat. Erstmals seit der Schreckensnachricht der  Insolvenz treffen sich heute die Angestellten von Manroland – die „Manroländer“ – zu einer Kundgebung in Augsburg. Lange hielt ihre Hoffnung; am Ende kam die Nachricht der Zahlungsunfähigkeit überraschend schnell. Damit ist Manroland als erste Firma in einen Abwärtssog aus internationaler Finanzkrise und einem revolutionären Umbruch in der Medienlandschaft geraten, gegen den die gesamte deutsche Druckmaschinenindustrie ankämpft.

Der Markt für große Druckmaschinen ist eng. Drei große Hersteller sitzen in Deutschland: Manroland, die Heidelberger Druckmaschinen AG und die Firma Koenig & Bauer in Würzburg. Daneben gibt es die Firma Komori in Japan und regionale Hersteller in Indien und China, die aber auf dem Weltmarkt eine geringe Rolle spielen, wie Branchenfachleute berichten.

In Augsburg produziert Manroland große Maschinen für den Zeitungsdruck, die Papier von der Rolle bearbeiten. Die Lebensdauer der Geräte ist lang. Fachleute schätzen, dass Verlage im Schnitt nur alle zehn Jahre in neue Rotationsmaschinen investieren. Mehr als 30 bis 60 große Rotationen setzen deutsche Hersteller derzeit pro Jahr nicht ab, heißt es in Branchenkreisen – weltweit. Der Wert einer Maschine ist dann aber groß: Er reicht von vier bis fünf Millionen Euro für kleinere Geräte bis hin zu zwanzig Millionen Euro für große.

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Das Geschäft mit Rotationsmaschinen war schon immer anfällig für Schwankungen. Es gab Krisen, aber auch viele Blütejahre. Den letzten Boom erlebte die Druckmaschinenindustrie noch im Jahr 2007. Damals setzten die Hersteller Produkte im Wert von 6,1 Milliarden Euro ab, bevor das Geschäft 2009 auf 3,1 Milliarden Euro einbrach, wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) berichtet.

Noch Mitte dieses Jahres gab es Hoffnung auf Erholung. Sie währte nicht lange: Während andere Branchen der Schuldenkrise trotzen, trifft es den Druckbereich hart. „Viele Verleger finden keine Finanzierung für die Anschaffung neuer Druckmaschinen“, berichtet Professor Edgar Dörsam vom Institut für Druckmaschinen und Druckverfahren der Technischen Universität Darmstadt. Die Banken sind zurückhaltend in der Kreditvergabe, Aufträge werden storniert und zurückgestellt.

Die Krise der Druckmaschinenhersteller verschärft, dass die Zeitungsverleger ihre großen Investitionen der Vergangenheit abgeschlossen haben. Die Umstellung der Zeitungen von Schwarz-Weiß auf Farbe hatte den Herstellern einen Boom beschert. Zum anderen investierten die Verlage in schnelle Druckmaschinen, um den Redaktionsschluss weit in den Abend hinausschieben zu können und am Morgen eine hochaktuelle Zeitung auszuliefern.

Das größte Problem für die Hersteller ist die digitale Revolution. „Für die junge Generation spielt das Internet eine große Rolle bei der Informationsbeschaffung“, sagt Markus Heering, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbands Druck- und Papiertechnik. Die Zeitung wird gerne „online“ gelesen. Viele Verlage stellten ihre Printausgaben als Reaktion darauf auf kleinere Formate um. Druckereien vieler Industrieländer sind deshalb nicht ausgelastet. Besonders stark schlug der digitale Umbruch in den USA durch; die Vereinigten Staaten sind ein Hauptabsatzmarkt deutscher Hersteller. Auch in England ergaben sich nach dem Murdoch-Skandal Verschiebungen in der Zeitungslandschaft.

Fachleute sehen die Zukunftschancen anderswo: „China und Indien sind wichtige Märkte“, sagt VDMA-Fachmann Heering. Dort spielt die Zeitung nach wie vor eine große Rolle. In den Industrieländern wird sie als Medium für lokale Nachrichten, Hintergründe und Kommentare – und als Platz für hochwertige Anzeigen wichtig bleiben, sagen andere Kenner der Branche. Falls zudem die Lohnkosten steigen, gibt es einen Bedarf für noch weiter automatisierte Druckmaschinen.

Große Chancen haben die Hersteller auch an anderer Stelle: Rotationsmaschinen für Zeitungen machen nur einen Teil des Umsatzes aus. Die meisten hochwertigen Zeitschriften und Verpackungen werden auf Bogendruckmaschinen hergestellt: Das Papier wird nicht von Rollen in die Maschine eingezogen, sondern bogenweise bedruckt. „Wir erwarten im Verpackungsdruck erhebliches Wachstum“, sagt Branchenfachmann Heering. Zum einen steige die Nachfrage nach edlen Verpackungen, zum anderen werde in den Schwellenländern Indien und China abgepackt, was früher lose über den Ladentisch ging.

Zukunftsmarkt Digitaldruck

Als Zukunftsmarkt gilt auch der Digitaldruck. Mit dem Verfahren können Zeitungen oder Prospekte individuell gestaltet werden. Eine Zeitschrift kommt dann mit der persönlichen Anrede „Guten Tag, Herr Müller!“ im Briefkasten an. Bisher sind Digitalmaschinen relativ langsam und deshalb nur für kleine und kleinste Auflagen von wenigen Hundert Exemplaren attraktiv; dem Nischenmarkt werden aber zweistellige Zuwachsraten prognostiziert. Bisher haben Firmen wie Xerox, Hewlett-Packard und Canon einen Vorsprung, deutsche Hersteller möchten aber nachziehen.

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