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Die Wirtschaft wächst langsamer – aber kein Grund zur Panik

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Kommentar Von Christina Heller
30.01.2019

Vor einem Jahr sah es so aus, als würde der Boom niemals enden. Nun klingt er doch ab. Ist das schlimm? Nein, es gibt genug Gründe, entspannt zu bleiben.

Nun stimmt auch die Bundesregierung in den Konjunkturprognosen-Chor ein. Um ein Prozent wird das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr wachsen. Das ist also die offizielle Sicht auf die wirtschaftliche Lage des Landes. Schon bevor der Bericht überhaupt veröffentlicht war, hatte er für Schnappatmung gesorgt. Nur ein Prozent Wirtschaftswachstum! Vor gar nicht allzu langer Zeit war die Regierung doch noch von 1,8 Prozent ausgegangen. Was ist da los? Marschieren wir auf eine Krise zu?

Wirtschaft wächst um ein Prozent: Alarmismus ist fehl am Platz

Im Grunde besteht der Konjunkturchor aus nur zwei Stimmen. Auf der einen Seite jene, die mahnen: Es droht eine Rezession. Schon im dritten Quartal 2018 ist die deutsche Wirtschaft geschrumpft – zum ersten Mal seit Jahren. Sollten die offiziellen Zahlen zeigen, dass es auch im vierten Quartal schlecht gelaufen ist, stecken wir theoretisch schon mittendrin in der Rezession. Denn Wirtschaftswissenschaftler definieren sie so: eine sinkende Wirtschaftsleistung in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen. Zack, Krise. Oder?

Nein!, sagt zumindest die zweite Stimme im Konjunktursängerkreis. Ihr gehören die Entspannten an – zu denen neben dem Wirtschaftsministerium auch die Vertreter der regionalen Wirtschaft zählen. Sie betonen, dass die Wirtschaft das zehnte Jahr in Folge wächst. Darüber kann man sich freuen, statt gleich die nächste Krise herbeizureden. Die Gelassenen warnen vor Alarmismus, raten davon ab, die Konjunktur schlechtzureden. Und sie haben recht. Der Wirtschaft geht es nach wie vor gut.

Das heißt nicht, dass es keine Gefahren gibt. Einerseits sind da all die Dinge, auf die Deutschland nicht unmittelbar Einfluss nehmen kann: der Brexit, von dem immer noch niemand genau weiß, wie er jemals gelingen soll. Auch, wie der EU-Austritt Großbritanniens ohne Schmerzen und Verluste für die Wirtschaft ablaufen soll, bleibt unklar. Dann ist da noch Donald Trump, der unkontrollierbare US-Präsident. Sein Handelsstreit mit China hat die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ganz schön ins Wanken gebracht. Dort ist das Wachstum eingebrochen – freilich nicht nur wegen Trump, sondern auch durch hausgemachte Probleme. Die chinesische Schwäche hat gleich die Prognose für das weltweite Wirtschaftswachstum nach unten gezogen. Auch die EU-Länder sind immer noch nicht sicher vor Trumps Zöllen. Natürlich wirkt sich das alles negativ auf die Exportnation Deutschland aus. Die Industrie verzeichnet schon jetzt einen schwächeren Auftragseingang – auch aus dem Ausland.

Die Kauflaune der Verbraucher ist ungebremst hoch

Auf der anderen Seite sind die Probleme, die sehr wohl im Land bekämpft werden können, der Fachkräftemangel etwa. Alleine in Bayern waren im Jahresschnitt 2018 rund 130.000 Stellen offen – so viele wie noch nie. Und die Nachfrage scheint ungebrochen hoch zu sein. Denn viele Betriebe suchen weiterhin dringend geeignetes Personal, solche aus der Baubranche zum Beispiel. Auch der Bauboom geht ja ungebremst weiter. Dass die Unternehmen suchen, zeigt ja schon: Sie befürchten keinen tiefen Einschnitt. Wer glaubt, dass eine Krise droht, stellt nicht massenhaft Leute ein.

Ein weiteres Indiz, dass es sich lohnt, die Ruhe zu bewahren: Konjunkturtreiber Nummer eins ist in Deutschland seit Jahren der private Konsum. Er trägt mehr als die Hälfte zum Bruttoinlandsprodukt bei. Und die Verbraucher blicken derart gut gelaunt in die Zukunft – weil das Einkommen sicher ist und sogar steigt, die Jobs nicht gefährdet –, dass sie fleißig weiter Geld ausgeben wollen.

Also, liebe Skeptiker, entspannen Sie sich. Sonst reden Sie noch das herbei, was Sie fürchten. Die Wirtschaft wächst. Halt langsamer.

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