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Porträt

06.08.2020

Diese Oberstaatsanwältin ermittelt im Fall Wirecard

Oberstaatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl führt die Ermittlungen im Fall Wirecard.
Bild: Sigi Jantz

Ist sie eine der mächtigsten Frauen Münchens? Mit großen Fällen kennt Hildegard Bäumler-Hösl sich jedenfalls bestens aus. 

Es ist das spektakulärste Verfahren, das die Staatsanwaltschaft München I derzeit führt: der Fall Wirecard. Es geht um gewerbsmäßigen Bandenbetrug, um das Täuschen von Kunden, Partnern und Kleinanlegern, das Aufblähen von Geschäftssummen. Nicht bei irgendeinem Unternehmen, sondern bei einem deutschen Dax-Konzern, beim vormaligen Vorzeige-Fintech. Verdächtige Top-Manager sind in Untersuchungshaft. Unter ihnen der frühere Vorstandsvorsitzende Markus Braun. Die Summen, die im Spiel sind: Milliarden. Meistgesucht dabei: Jan Marsalek, der früher für das Tagesgeschäft zuständige Vorstand bei Wirecard und rechte Hand von Ex-Chef Braun. Und in der Rolle der Jägerin? Gestatten, Hildegard Bäumler-Hösl.

Die Staatsanwaltschaft München I ist auf komplexe Wirtschaftsverfahren ausgerichtet

Die Oberstaatsanwältin hat Erfahrung mit großen Fällen. Die 57-Jährige leitet die Hauptabteilung III der auf komplexe Wirtschaftsverfahren ausgerichteten Behörde, die wiederum aus insgesamt vier spezialisierten Unterabteilungen besteht. Insgesamt kümmern sich unter Bäumler-Hösls Führung 49 Staatsanwälte um Wirtschaftsstrafsachen wie Korruption, Schwarzarbeit, Steuerstrafsachen, Geldwäsche, Subventions-, Kapital- und Anlagebetrug.

Um es in der Staatsanwälten nicht selten eigenen Sachlichkeit zu sagen: Bäumler-Hösl kennt sich in ihrem Bereich sehr gut aus. Eine Boulevardzeitung hat die verheiratete Münchenerin auch schon mal als "eine der mächtigsten Frauen" der Stadt und "gefürchtetste Staatsanwältin der Republik" bezeichnet. Die Liste ihrer mit großen Namen versehenen Verfahren ist jedenfalls lang: Sie war mit dem Schmiergeld-Skandal bei Siemens befasst. Auch in Sachen schwarzer Kassen bei Airbus ermittelte sie. Ein Vorstand der BayernLB machte genauso ihre Bekanntschaft wie der frühere Formel-1-Boss Bernie Ecclestone.

Ex-Wirecard-Chef Braun hat nun mehr mit Bäumler-Hösl zu tun, als ihm lieb sein kann

Nicht alle der Herren wollten sie auch tatsächlich kennenlernen. Was sicher nicht an der als "fürsorglich" und "streng" charakterisierten Ermittlerin liegt. Nun haben Markus Braun und seine Ex-Kollegen mehr mit ihr zu tun, als ihnen lieb sein kann. Das ihr gleichfalls zugeschriebene Attribut der "Hartnäckigkeit" lässt die Juristin auf Nachfrage hin sehr höflich und ganz freundlich: unkommentiert.

 

Studiert hat sie in Passau, bei der Staatsanwaltschaft begonnen 1992. Es folgten, in Bayern üblich, Wechsel ans Gericht und von da wieder zurück zur "Sta". Zuletzt an die Spitze besagter Hauptabteilung III. Allein mit dem Wirecard-Verfahren sind sechs Staatsanwälte beschäftigt. Tendenz steigend. Die besondere Herausforderung bei Großverfahren wie diesen ist die Datenflut. Terrabytes an Daten, die sinnvoll herausgefiltert werden müssen. Im Moment, so heißt es, komme man noch "mit Bordmitteln" gut zurecht. Sollte das nicht reichen, hat das Justizministerium Unterstützung signalisiert. Die nächste Jagd hat gerade erst begonnen.

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