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Diesel-Skandal
04.09.2017

So dreckig sind ausländische Diesel

VW und Audi, die schwarzen Schafe in der Diesel-Affäre, verdienen diesen Ruf mittlerweile wohl nicht mehr. Eine Studie zeigt: Ausländische Diesel sind noch dreckiger.
Foto: Alexander Rüsche/Archiv (dpa)

Vor allem Volkswagen ist im Diesel-Skandal in Verruf geraten. Doch ein Vergleich zeigt: Der Konzern ist nicht mehr der größte Umweltsünder. Ganz im Gegenteil.

Der Wolfsburger Autobauer Volkswagen ist durch den Abgas-Skandal zum Symbol für die Probleme des Dieselmotors geworden. VW hatte illegale Software eingesetzt, um Abgaswerte auf den Prüfständen zu schönen. Im realen Fahrbetrieb war der Ausstoß gesundheitsschädlicher Stickoxide dann deutlich höher. Doch neue Untersuchungen zeigen, dass aktuelle VW-Diesel-Modelle nicht die größten Abgassünder sind. Im Gegenteil. Während die deutschen Hersteller – auch VW – inzwischen bei den Stickoxid-Emissionen relativ gut abschneiden, verursachen ausländische Hersteller deutlich mehr Stickoxide. Das zeigen Zahlen des ADAC und von Professor Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research der Uni Duisburg-Essen (CAR). Tatsache aber ist auch, dass alle Hersteller den Grenzwert überschreiten.

Seit 2013 hat der ADAC 188 Modelle der neuen Diesel-Generation mit Euro-6-Norm untersucht. In einer aktuellen Auswertung vergleicht der Autoklub die Stickoxid-Emissionen. Ergebnis: „Die deutschen Hersteller erreichen das niedrigste Schadstoff-Niveau im Flottenvergleich“, berichtet der ADAC. Fahrzeuge von BMW und Mini schnitten am besten ab. Danach kommen die Autos des VW-Konzerns – gefolgt von Mercedes und Opel. Anders sieht es bei vielen ausländischen Herstellern aus. Diese hätten „erhebliches Verbesserungspotenzial“.

Renault und Dacia mit besonders schlechten Werten

Auf besonders hohe Stickoxid-Ausstöße kam der Renault-Konzern mit den Marken Renault und Dacia. Auffällig war im ADAC-Test ein Renault Grand Scénic 160 dCi. Ein einziges Fahrzeug habe innerorts genauso viel Stickoxid ausgestoßen wie rund 240 Autos vom Typ BMW 520d – ganze 1674 Milligramm pro Kilometer. Das überschreitet den Grenzwert deutlich. Er beträgt 80 Milligramm pro Kilometer. Hohe Stickoxid-Emissionen ermittelte der ADAC auch für Fiat-Chrysler, Ford, die Hyundai-Gruppe mit Marken wie Hyundai und Kia, für Volvo und den französischen Autobauer PSA mit den Marken Peugeot und Citroën. Toyota ist nicht berücksichtigt, da der japanische Autobauer kaum Dieselautos in Deutschland verkauft.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine neue Studie von Ferdinand Dudenhöffer. Hier schneidet die Marke VW sogar am besten ab. Der Auto-Experte hat 138 Fahrzeuge mit Euro-6-Diesel verglichen und auf Daten des ADAC, des Kraftfahrtbundesamtes, der Deutschen Umwelthilfe und der Zeitschrift Autor, Motor und Sport zurückgegriffen. Das Ergebnis: VW überschreitet den Grenzwert von 80 Milligramm Stickoxid pro Kilometer im Schnitt „nur“ um das Doppelte. Die Marken Audi, BMW und Mini kommen auf eine 2,4-fache Grenzwertüberschreitung. Fahrzeuge von Mercedes stoßen das 4,2-Fache des Grenzwerts aus. Damit stehen die deutschen Hersteller im internationalen Vergleich gut da.

Ausländische Hersteller schneiden schlechter ab: Koreanische Marken überschreiten den Grenzwert der Dudenhöffer-Studie zufolge im Schnitt um das 7,1-Fache, japanische um das 7,5-Fache, italienische um das 8,6-Fache und französische Hersteller um das glatte 9-Fache. Besonders auffällig ist auch hier der Renault-Konzern. Dessen Dieselfahrzeuge liegen im Schnitt um das mehr als 11-Fache über dem Grenzwert. Besser macht es in Frankreich Konkurrent PSA mit den Marken Peugeot und Citroën. Dieser überschreitet die Grenzwerte lediglich um das 4,6-Fache.

Dudenhöffer: "Audi und VW sind die Lichtblicke"

„Die vermeintlich schwarzen Schafe sind eher die Harmlosen“, urteilt deshalb Dudenhöffer. „Die Importeure sind im Schnitt schlechter als die Deutschen. Und das wohl überraschendste Ergebnis: Audi und VW sind die Lichtblicke in einer Herde von vielen schwarzen Schafen“, schreibt er.

Dabei ist es möglich, den Grenzwert einzuhalten. Dies gelingt VW zum Beispiel mit einem Passat Diesel mit 2,0-Liter-Motor, wie Dudenhöffer berichtet. „Nicht nur das VW-Ergebnis zeigt, dass es keine Hexerei ist, saubere Diesel auf die Straße zu bringen“, schreibt er.

Warum schneiden die deutschen Hersteller plötzlich besser ab? „Die deutschen Autobauer haben aus Dieselgate gelernt“, sagt Dudenhöffer im Gespräch mit unserer Zeitung. Sie bauen heute eine moderne Abgasreinigung ein. Der Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft fordert nun, dass auch die Politik ihre Hausaufgaben machen muss. Seit 2010 gelten in der EU in den Städten strenge Stickoxid-Grenzwerte, die immer wieder gebrochen werden. Dudenhöffer wirft der deutschen Verkehrspolitik Versäumnisse vor: „Seit sieben Jahren ist nichts gemacht worden, stattdessen hat man dem Diesel weiter einen Steuervorteil gewährt, der durch nichts zu rechtfertigen ist.“ Der Übergang zur Elektromobilität sei „sträflich vernachlässigt“ worden. Dudenhöffer ist sich zudem sicher, dass „Dieselgate nicht passiert wäre“, wenn statt des Kraftfahrtbundesamts das Umweltbundesamt für Kontrollen zuständig wäre.

Der ADAC fordert, dass auch die Importeure ihre Autos nachbessern.

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05.09.2017
Wer wohl diese Messungen finanziert hat???
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