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Lehrstellenoffensive

08.05.2020

Dieser Beruf sorgt für den Umweltschutz unter der Erde

Bei der Lehrstellenoffensive stellen wir verschiedene Ausbildungsberufe vor.
Bild: Martin Schutt, dpa

Als Azubi für Rohr-, Kanal- und Industrieservice hat Jonas Schaffelhofer einen Job, den nur wenige ausüben. An seinem Berufsalltag schätzt er die Abwechslung.

Jonas Schaffelhofer hat einen ungewöhnlichen Job. Den Großteil seiner Arbeitszeit verbring der Azubi unter der Erde. Dort überprüft und repariert er Rohr- und Kanalsysteme. Der 16-Jährige gehört damit zu einer Handvoll Azubis in ganz Deutschland, die Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice werden wollen.

Über seinen Vater, der selbst seit vielen Jahren als Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice arbeitet, hatte Schaffelhofer seine Begeisterung für den Beruf im vergangenen Jahr entdeckt. Eklig findet der Augsburger seine alltäglichen Aufgaben rund um die Abwasserwirtschaft nicht. Kanalinspektion, Untersuchungen unter der Erde, Wartungen und Reinigung von Rohrsystemen sind für ihn ganz normale Tätigkeiten. „Jeder Tag ist anders und der Job ist unglaublich abwechslungsreich“, erklärt der junge, aufgeweckte Mann.

Nach seinem Mittelschulabschluss stand für den 16-Jährigen fest, dass er in die Fußstapfen seines Vaters treten möchte, der seit zehn Jahren beim Entsorgungsunternehmen Fischer und Hohner in Gersthofen bei Augsburg angestellt ist. Der in zweiter Generation geführte Familienbetrieb hat sich vom Abfalltransporteur seit der Gründung 1990 zu einem Experten für Umwelt und Entsorgung weiterentwickelt und betreut Kunden von Ulm bis München und Nürnberg. Neben den auf den jeweiligen Kunden abgestimmten Dienstleistungen begeistert den Azubi, dass er aktiv zum Umweltschutz beitragen kann.

Rohre spülen, Dichtungen prüfen

Seit er seine Ausbildung im September des vergangenen Jahres begonnen hat, gibt es für Schaffelhofer viel Neues zu lernen. An einem gewöhnlichen Arbeitstag kommt der 16-Jährige morgens in den Betrieb und erfährt dort, wo seine nächste Aufgabe auf ihn wartet. „Meist werden wir zu Verstopfungen gerufen, müssen Rohre spülen oder Dichtungsprüfungen durchführen“, erklärt der Azubi. Dass er bei seiner Ausbildung in die verschiedensten Bereiche hineinschnuppern kann, weiß Schaffelhofer zu schätzen. Er sagt: „Bisher gefällt mir die Sanierung von Innenrohren am besten.“ Schadstellen im Rohr, so der Augsburger, könnten inzwischen über Harzmatten abgedichtet werden. Das ist nicht nur eine enorme Geld-, sondern auch Zeitersparnis, weiß Ausbildungsleiter und Vater Karl-Heinz Schaffelhofer. Vor einigen Jahren habe bei defekten Innenrohren noch alles aufgegraben werden müssen, betont er. Reparaturarbeiten waren mit viel Dreck, Einschränkungen und Aufwand verbunden. Das geht nun wesentlich einfacher.

Azubi Jonas Schaffelhofer arbeitet gemeinsam mit seinem Vater und Ausbildungsleiter Karl-Heinz Schaffelhofer.
Bild: Özer

Wenn Jonas Schaffelhofer arbeitet, trägt er seine persönliche Schutzausrüstung. Dazu gehören unter anderem Sicherheitshose und -schuhe, eine Warnweste, Helm, und Handschuhe. Besonders wichtig, sagt der Azubi, sei das Gaswarngerät. „Alleine darf keiner von uns in einen Schacht steigen – ein anderer Mitarbeiter muss das absichern“, erklärt er. An seinen ersten Einsatz in den Tiefen der Kanalisation kann sich der 16-Jährige noch gut erinnern. Er verrät: „Es war irgendwie schon ein beklemmendes Gefühl, einen engen Schacht hinunterzusteigen.“ Licht gebe es dort unten keines. Nur aus der Öffnung oben im Boden komme ein klein wenig Tageslicht. Doch inzwischen hat sich Schaffelhofer an die Arbeit unter der Erde gewöhnt: „Es wird alles zur Routine“, sagt er.

Arbeit am Joystick mit einer Hightechkamera

Wenn der Azubi seine Zeit nicht in Gersthofen im Betrieb oder auf der Baustelle verbringt, dann geht er in die Berufsschule. Jeweils zwölf Wochen im Jahr lernt er in der Donaustadt Lauingen die theoretischen Inhalte seines Ausbildungsberufs kennen. Neben Schulfächern wie Deutsch und Mathe büffelt Schaffelhofer auch Chemie und Physik. Die naturwissenschaftlichen Grundlagen, erklärt sein Vater, sind für viele eine Herausforderung. Weil es auf der Mittelschule beispielsweise diese Fächer nicht gebe, müssten die Azubis bei null anfangen und alles von Beginn an lernen. „Wer sich da von Anfang an dahinterklemmt, der packt das schon.“

Dass es nicht einfach ist, einen Azubi zu finden, weiß auch Karl-Heinz Schaffelhofer. Er sagt: „Wir hatten Glück, weil sich mein Sohn für den Beruf begeistern konnte.“ Bisher ist es der erste Azubi, der in Gersthofen bei Fischer und Hohner ausgebildet wird. Doch in Zukunft plant der Betrieb, das Programm fortzusetzen. Wer sich für den Beruf interessiert, weiß der Ausbildungsleiter, sollte handwerkliches Geschick mitbringen. Durchhaltevermögen an der Kamera bei Rohruntersuchungen sei besonders wichtig. Bevor über eine Art Joystick mit einer Hightechkamera ein 360-Grad-Bild erstellt wird, muss die Rohrleitung mit Hochdruck gereinigt werden. „Das hilft uns, Schäden schnell zu erkennen“, sagt der Ausbilder. Neben einem gewissen Fingerspitzengefühl erfordere die Kamerabefahrung auch die Analyse des Schadenfalls und die Dokumentation für den Kunden im Nachgang.

Ein Vorteil an der Arbeit als Rohrtechniker sei der abwechslungsreiche Alltag: „Wer sich nicht vor Abwasser ekelt, kann hier vieles für den Umweltschutz tun.“ Damit das Grundwasser geschützt und sauber bleibt, sorgen die Fachkräfte, so Schaffelhofer, dafür, dass Abwasserrohre dicht sind. Es dürfe kein Abwasser im Erdreich versinken und womöglich ins Grundwasser gelangen. Stattdessen müsse es zurück in die Kläranlage, wo es gereinigt werden kann.

Lesen Sie auch: So klappt die Lehrstellensuche in Corona-Zeiten

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