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Drei von vier Deutschen lesen Zeitung
09.07.2009

Auflage sinkt. Reichweite steigt dank Online-Auftritten

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Foto: Fred Schöllhorn

Die Zeitungen spüren die Auswirkungen der Wirtschaftskrise: Die Auflage sinkt. Ein Lichtblick bleibt: Dank der Online-Auftritte erreichen die Unternehmen dennoch mehr Menschen. Von Rudi Wais

Berlin Auch im schwierigsten Jahr ihrer Geschichte haben die Zeitungen ihre Reichweite ausgebaut: Mit einer gedruckten Gesamtauflage von mehr als 25 Millionen Exemplaren erreichen sie 76 Prozent aller Menschen in der Bundesrepublik, die älter sind als 14 Jahre.

Außerdem besuchen 17,3 Millionen Internet-Nutzer regelmäßig die Seiten der Zeitungen im Netz. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr waren es erst 15,5 Millionen.

Obwohl die Krise die Verlage "mit voller Härte" treffe, hätten sie beste Chancen, gestärkt aus ihr hervorzugehen, betonte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, Dietmar Wolff. Anders als in den USA seien die Verlage in Deutschland mit ihrer engen Bindung an die Leser, der starken regionalen Verankerung und dem beispielhaften Zustellsystem sehr gut aufgestellt. Überdies gäben in Zeitungshäusern keine Finanzinvestoren den Ton an, sondern "Verleger mit publizistischem und unternehmerischem Anspruch".

Wie sehr die Wirtschaftskrise die Geschäfte der Zeitungen inzwischen belastet, zeigen die Zahlen aus den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres: Danach ist das Anzeigenvolumen insgesamt um gut zwölf Prozent zurückgegangen. Bei den Stellenanzeigen addierten sich die Einbußen sogar auf 41,1 Prozent.

Im Geschäftsjahr 2008 lag der Gesamtumsatz der knapp 400 Tages-, Wochen und Sonntagszeitungen mit einer um 2,1 Prozent geschrumpften Auflage nur noch bei 9,1 Milliarden Euro - und damit in etwa auf dem Niveau von 1995. Für das laufende Jahr rechnet der Verband mit weiteren Umsatzverlusten. Von der neuen Regierung erwarten die Verleger "im Interesse der Zeitungskultur" vor allem in drei Punkten gesetzgeberische Unterstützung:

Mehrwertsteuer: In Schweden, Finnland oder Belgien wird beim Verkauf von Zeitungen keine Mehrwertsteuer fällig. Eine vergleichbare Regelung fordert der BDZV nun auch für Deutschland. Wolff: "Zeitungen sind der Sauerstoff der Demokratie." Bisher gilt für sie nur der ermäßigte Satz von sieben Prozent.

Wettbewerbsrecht: In anderen Branchen müssen Unternehmen die Übernahme einer Firma erst ab einem Gesamtumsatz von 500 Millionen Euro anmelden, Zeitungen dagegen bereits bei 25 Millionen. Dieser Wert soll nach dem Willen des Verbandes nun auf mindestens 100 Millionen Euro angehoben werden. Außerdem sollten Fusionen mit benachbarten Konkurrenzblättern leichter möglich sein als bisher.

Internet: Während Musiktitel oder Filme im Netz geschützt sind, können die teuer produzierten Artikel der Zeitungen kosten- und bedenkenlos genutzt und heruntergeladen werden. Von den Seiten der Zeitungen würden Inhalte regelrecht "weggeklaut und wegkopiert", klagt der Kommunikationschef des Verbandes, Hans-Joachim Fuhrmann. "Wer kassiert, ist Google!" Um die Rechte von Verlagen und Autoren besser zu schützen, verlangt der Verband einen gesetzlichen Schutz gegen "Content-Klau."

Am deutschen Werbemarkt sind die Tageszeitungen mit einem Marktanteil von 21,5 Prozent nach wie vor die unangefochtene Nummer eins. Mit den Wochen- und Sonntagsblättern und diversen Beilagen liegt der Marktanteil der Zeitungen sogar bei 23,2 Prozent.

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