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Einzelhandel

05.11.2017

Empörung über mögliches Sonntags-Shopping an Heiligabend

Bestimmte Geschäfte könnten an Weihnachten theoretisch für drei Stunden öffnen. Einheitliche Regelungen gibt es aber nicht.
Bild: Daniel Bockwoldt, dpa

In diesem Jahr fällt der 24. Dezember auf einen Sonntag. Nach dem Ladenschlussgesetz können an dem Tag etwa Lebensmittelgeschäfte öffnen. Das empört nicht nur Katholiken.

In diesem Jahr fällt Heiligabend auf einen Sonntag. Das eröffnet bestimmten Geschäften theoretisch die Möglichkeit, für maximal drei Stunden bis 14 Uhr aufzumachen. So gilt in Bayern das Ladenschlussgesetz des Bundes, nach dem der Sonntagsverkauf am 24. Dezember in begrenzter Weise zulässig ist.

Verdi ruft zu Einkaufsverzicht auf

Auch wenn noch nicht bekannt ist, ob und wie viele Geschäfte von der Möglichkeit Gebrauch machen wollen, ist die Empörung über diese Sonntags-Lücke im Ladenschluss-Recht bereits groß. Die Gewerkschaft Verdi rief Verbraucher zu einem Einkaufsverzicht an Heiligabend auf. Die Begründung der Arbeitnehmer-Organisation: "Die Einzelhandelsbeschäftigten wollen sich wie jeder andere auf das Weihnachtsfest vorbereiten und gemeinsam mit ihren Familien feiern."

Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger sagte: "Wenn Heiligabend dieses Jahr ein Sonntag ist, ist die Überlegung, gerade an diesem Tag die Sonntagöffnungszeiten anwenden zu wollen, unglaublich zynisch." Und der zuständige Tarifkoordinator Einzelhandel bei Verdi, Orhan Akman, ergänzte: Verbraucher sollten zu Zeiten einkaufen, zu denen es für die Beschäftigten im Handel auch human sei. Der Gewerkschafter empfiehlt: "Ich würde den Kunden davon abraten, am 24. Dezember einkaufen zu gehen." Der einzelne Beschäftigte habe dagegen keine Chance, sich gegen Arbeit an Heiligabend zu wehren.

Einheitliche Regelungen gibt es nicht

Die Regelung der Ladenschlusszeiten ist Ländersache. Eine zeitlich befristete Öffnung an Heiligabend ist in einzelnen Bundesländern zulässig, sofern vor allem Lebens- und Genussmittel im Angebot sind. Und wie verhalten sich Deutschlands große Handelsketten?

Der Discounter Aldi will seine Filialen zum Finale der umsatzstarken Weihnachtswoche am 24.12. bundesweit geschlossen halten. "Am Heiligabend denken wir hier vor allem an unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nach einer langen, intensiven Woche in Ruhe das Weihnachtsfest begehen sollen", begründete der Handelskonzern die Entscheidung.

Bei Rewe hieß es, von den zusammen mehr als 5000 Supermärkten der Ketten Rewe und Penny blieben lediglich die sogenannten Filialmärkte komplett geschlossen. Die rund 1200 selbstständigen Kaufleute im Rewe-Netz könnten dagegen in Eigenregie entscheiden. "Es gibt einige, die aufmachen wollen", sagte ein Rewe-Sprecher. Er nannte nicht die Adressen der Filialen. Edeka betonte, die Mehrzahl der Märkte werde von selbstständigen Kaufleuten geführt. Diese würden eigenständig über ihre Öffnungszeiten entscheiden. Der Discounter Lidl konnte zunächst noch keine Auskunft zum Vorgehen geben.

Sonntagsöffnungen im vergangenen Jahr waren oft gesetzeswidrig

Doch auch wenn wahrscheinlich nur vereinzelt Geschäfte an Heiligabend aufmachen werden, müssen die Laden-Inhaber mit Kritik leben. So hieß es bereits von Seiten der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB): "Eigentlich sollte es für Sonntage grundsätzlich keine Ausnahmen geben, außer es ist wirklich ein gesellschaftlicher Notstand eingetreten", sagte der Münchner KAB-Experte für Sonntagsschutz, Hannes Kreller. Es sei "immer wichtig, dass unser Sonntag nicht dem Konsum geopfert wird". Der Experte fügte hinzu: "Es geht darum, einen Tag in der Woche zu haben, an dem man seine Feste feiern kann, wie zum Beispiel auch Weihnachten. Wo es nicht notwendig ist zu begründen, warum man an diesem Tag nicht arbeitet."

Kreller gab zu bedenken: "Wer bis zum 23. Dezember seine Geschenke nicht auf die Reihe gebracht hat, der muss sich überlegen, wie er sein Leben strukturiert." Der Experte verwies auch auf über 100 Prozesse im vergangenen Jahr, bei denen in 90 Prozent der Fälle geplante verkaufsoffene Sonntage als gesetzeswidrig erklärt worden seien. Die Richter hatten geurteilt, dass für die Sonntagsöffnungen der vorgeschriebene Anlassbezug fehle. Sie müssen von einer besonderen Veranstaltung flankiert werden, die mehr Menschen anzieht als die Ladenöffnung an sich. dpa/kna/AZ

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