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Dämmung

14.04.2013

„Energetische Sanierung lohnt sich“

Bild: Armin Weigel

Das Handwerk profitiert davon, dass viele Hausbesitzer in Dämmung, bessere Fenster oder ein neues Dach investieren. Das rechnet sich, sagt Hauptgeschäftsführer Ulrich Wagner.

Die Wärmedämmung ist in Verruf geraten. Zumindest, seit eine Studie des Prognos-Instituts im Auftrag der staatlichen Förderbank KfW kürzlich zu dem Schluss kam, dass sich energetisches Sanieren gar nicht lohne. Danach übersteigen die Kosten für Investitionen die Energie-Einsparungen um mehr als das Doppelte. Nicht wenige Bauherren sind seither verunsichert. Wir sprachen mit Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer (HWK) für Schwaben.

Energetisches Sanieren rechnet sich nicht. Mit diesem Studienergebnis hat das Prognos-Institut vor kurzem für Überraschung gesorgt. Nun sagen die Forscher, es lohnt sich doch. Was stimmt denn nun?

Wagner: Es lohnt sich! Die Studie hatte das Ziel, den volkswirtschaftlichen Nutzen der Energiewende zu beleuchten. Allerdings wurde nur ein Teilaspekt herausgegriffen. Wenn ein Gebäude komplett saniert wird, fallen nicht nur Kosten für die energetische Sanierung an, sondern auch für den „normalen“ Werterhalt. Das muss man auseinanderhalten. Grundsätzlich ist es unstrittig, dass sich durch energetische Sanierung Kosten sparen lassen. Wer sich eine neue Heizung oder neue Fenster einbaut, kann sich vom Handwerksbetrieb ausrechnen lassen, wie schnell sich diese Investition lohnt.

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Wie schnell sollte sich eine energetische Sanierung amortisieren?

Wagner: Die typische energetische Sanierung gibt es nicht. Für private Wohnungen nennen Experten eine Spanne zwischen fünf und 15 Jahren. Im Fall von Gewerbebauten sollten sich die Investitionen bereits innerhalb von fünf bis acht Jahren rechnen.

Mancher Hausbesitzer ist unsicher, ob sich neue Fenster, eine Dämmung oder ein neues Dach lohnen. Wer kann beurteilen, was wirtschaftlich ist?

Wagner: Dafür gibt es spezielle Energieberater, die auch die Handwerkskammer vermittelt. Das sind Fachleute, die ein Haus ganzheitlich beurteilen. Je nach Alter, Ausstattung und Zustand empfehlen sie, welche Maßnahmen wie dringend sind und welchen Nutzen bringen. Dann lässt sich entscheiden, ob es sich lohnt, die Heizung zu erneuern oder im Zuge einer Komplettsanierung auch an Außendämmung, Dacherneuerung oder neue Fenster zu denken. Ich rate, sich einen professionellen Energieberater zu holen und das Ganze durchrechnen zu lassen. Die Kosten dafür sind überschaubar (siehe Infokasten).

Geschätzte zwei Drittel der rund 18 Millionen Wohngebäude in Deutschland sind unzureichend gedämmt. Wie viele Gebäude sind es in Schwaben?

Wagner: Verlässliche Zahlen gibt es nicht. Unstrittig ist aber: Es muss sehr viel saniert werden. Für den einzelnen Hausbesitzer ist das aber auch eine Frage der Finanzierbarkeit. Wer heute etwa ein Einfamilienhaus aus den 50er-Jahren energetisch auf den neuesten Stand bringt, kann bis zu 100 000 Euro ausgeben.

Aber die Bürger sind doch bereit zu investieren und nehmen die Fördermittel in Anspruch ...

Wagner: Stimmt. Aber wer investiert, braucht Verlässlichkeit über längere Zeiträume, um kalkulieren zu können. Beispiel Photovoltaik: Der Umfang der Investition hängt oft stark vom Fördersatz ab. Wird dieser über Nacht verändert, ist die Planung obsolet. Das geht nicht. Der Hausbesitzer, der Planungen macht, der Handwerker und der Hersteller müssen sich darauf verlassen können, dass eine Förderkulisse über einen gewissen Zeitraum Bestand hat. Der Gesetzgeber fährt einen Zick-Zack-Kurs. So werden Chancen einfach vertan und Unternehmen geraten ins Schlingern.

Die Politik tut also viel zu wenig, damit die Energiewende gelingt?

Wagner: Jeder tut an jeder Ecke irgendwas, aber es ist nicht abgestimmt. Das ist das größte Manko. Es fehlt ein Masterplan und der muss Chefsache sein. Die Energiewende ist zwar politisch gewollt, aber sie verliert sich zwischen den verschiedenen Ebenen. Der Bürger soll energetisch sanieren – und ist damit vor eine Aufgabe gestellt, die ihm die Politik aufgezwungen hat.

Alle reden vom Sanieren. Braucht es nicht auch neue Technologien, damit die Energiewende gelingt?

Wagner: Sicher. Wir haben Betriebe, die Systeme anbieten, mit denen man seine Energie zu 80 Prozent selbst erzeugt. Das geht über Kraft-Wärme-Kopplung, ein kleines Windrad und Photovoltaik. Dazu kommt ein Batteriespeicher. Der Verbraucher muss sich dann nicht mehr um Gas und Öl kümmern und ist unabhängig von steigenden Strompreisen. Dies fördert aber auch die Energiewende, wenn man Strom nicht zentral erzeugen und über Leitungen, die bislang fehlen, durch das ganze Land schicken muss. Die Chance, die das Handwerk mit marktreifen Technologien bietet, wird noch nicht wahrgenommen.

Ihre Branche profitiert zugleich deutlich von der Förderung. Nach der Studie hängen bundesweit bis zu 300 000 Arbeitsplätze im Handwerk davon ab. Wie viele sind es in der Region?

Wagner: Etwa 50 Prozent unserer 28 000 Betriebe sind im Bau- und Ausbaubereich tätig. Ein erheblicher Teil davon ist hauptsächlich oder zumindest in Teilen mit dem Thema Gebäudesanierung beschäftigt. Natürlich profitieren wir davon, dass jeder versucht, zu sanieren.

Einen Handwerker zu bekommen, ist im Moment nicht einfach ...

Wagner: Kein Handwerker vertröstet gern seine Kunden. Klar ist aber auch: Unsere Branche lebt nicht nur von der energetischen Gebäudesanierung. Aber wir sind der Partner dafür. Insgesamt haben die Bau- und Ausbauhandwerke Konjunktur. 85 Prozent dieser Betriebe sind derzeit gut bis sehr gut ausgelastet. Wer sein Haus heute vom Keller bis zum Dach sanieren lassen will, sollte – je nach Umfang – ein halbes bis dreiviertel Jahr Vorlauf einrechnen. Interview: Sonja Krel

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