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Ökostrom

16.11.2011

Energiewende lässt Preise doch stark steigen

Chancen für Geldanleger gibt es nicht nur in der Windkraft - auch in Solarenergie oder Erdwärme lässt sich beispielsweise investieren. (Bild: dpa)
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Chancen für Geldanleger gibt es nicht nur in der Windkraft - auch in Solarenergie oder Erdwärme lässt sich beispielsweise investieren. (Bild: dpa)

Der Traum vom grünen Strom könnte die Kosten für die Ökoförderung laut einer Prognose bis 2013 stark steigen lassen. Zudem droht der Bundesregierung ein Milliardenloch bei ihrem Energiefonds.

Die Kosten für immer mehr Wind- und Solarparks werden die deutschen Verbraucher in den nächsten Jahren bei der Stromrechnung deutlich zu spüren bekommen. Zwar wird die über den Strompreis zu zahlende Umlage im kommenden Jahr mit 3,59 Cent pro Kilowattstunde etwa auf dem jetzigen Niveau bleiben, für 2013 erwarten die großen Stromnetzbetreiber jedoch zwischen 3,6 und 4,7 Cent. Das geht aus der am Dienstag in Berlin veröffentlichten Mittelfristprognose hervor. Dies könnte für einen Durchschnittshaushalt Mehrausgaben von 40 Euro pro Jahr bedeuten und die Kosten für die Ökoförderung auf knapp 190 Euro steigen lassen.

Ein Versprechen, das nie gehalten werden konnte

Die Regierung muss zudem fürchten, dass ihr einige Milliarden weniger für ihren Energiefonds zur Verfügung stehen, als geplant. Grund ist der Einbruch bei den Preisen für CO2-Verschmutzungsrechte, die Stahl- und Energieunternehmen haben müssen, um Kohlendioxid in die Luft blasen zu dürfen. Alle Einnahmen aus dem Emissionshandel will die Regierung künftig in einen Energie- und Klimafonds stecken, um so Maßnahmen zum Ausbau des Ökoenergie-Anteils zu finanzieren.

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Weil der Zertifikatepreis pro ausgestoßener Tonne CO2 derzeit nur noch rund 10 Euro beträgt, könnten die geplanten Einnahmen von 10,5 Milliarden Euro bis 2015 klar verfehlt werden. Die Bundesregierung hatte mit einem Tonnenpreis von 17 Euro kalkuliert - aus dem Fonds sollen unter anderem Mittel für energetische Gebäudesanierungen bezahlt werden. Die Grünen fordern, dass die Zahl der CO2-Zertifikate verknappt werden müsse. Denn es waren auch viele kostenlose Zertifikate verteilt worden, um die Industrie nicht über Gebühr zu belasten. "Zudem sollte auch in Deutschland endlich ein CO2-Mindestpreis eingeführt werden, wie es ihn in Großbritannien schon gibt", forderte Fraktionsvize Bärbel Höhn.

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Ökostrom-Umlage

Bei der von allen Stromverbrauchern zu zahlenden Ökostrom-Umlage kann der Aufschlag bei der Stromrechnung auch geringer als befürchtet ausfallen: Denn mehr Ökostrom senkt die Einkaufspreise für Strom. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte im Rahmen der Beschlüsse zur Energiewende betont, die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegte Umlage solle nicht über 3,5 Cent steigen.

Um dieses Versprechen einzuhalten, könnte der Druck steigen, etwa den Ausbau der Solarenergie zu drosseln. Der Wirtschaftsflügel der Union hatte eine Förderung zum Beispiel nur noch der ersten 1000 Megawatt an neu installierter Leistung ins Spiel gebracht, im laufenden Jahr werden 6500 Megawatt erwartet. "Die Bundesregierung ist aufgefordert, umgehend Vorschläge vorzulegen", erklärten Fraktionsvize Michael Fuchs und der Wirtschaftspolitiker Joachim Pfeiffer (beide CDU). Die Grünen kritisieren, der Umlageanstieg hänge vor allem mit immer mehr Ausnahmen für die Industrie zusammen, die Umlagekosten würden sich daher auf weniger Schultern verteilen.

Bisher 65 Milliarden Euro an Vergütungen

Bis zum Jahr 2015 wird nach Angaben der für die Verwaltung des Umlagekontos zuständigen Übertragungsnetzbetreiber eine installierte Leistung von 86 000 Megawatt (MW) aus erneuerbaren Energiequellen erwartet. Derzeit sind knapp 65 000 MW an Ökoenergie-Anlagen (Wasserkraft, Geothermie, Biomasse, Wind, Photovoltaik) installiert - der Anteil an der Stromerzeugung betrug zuletzt erstmals 20 Prozent.

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Bild: dpa, dapd

Die Betreiber von Biogasanlagen, Wind- oder Solarparks bekommen Vergütungen, die deutlich über dem Marktpreis für Strom liegen. Diesen Zuschlag zahlen alle Stromverbraucher über die Umlage. Die Vergütungssätze werden regelmäßig angepasst, um die Kosten für die Verbraucher im Griff zu halten. Seit dem Jahr 2000 wurden rund 65 Milliarden Euro an Vergütungen gezahlt. dpa

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