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Primark

18.05.2018

Eröffnung in München: Alle Infos über Primark

Primark wird von vielen gehypt, obwohl das Unternehmen immer wieder international in der Kritik steht.
Bild: Henning Kaiser, dpa

Die Billig-Modekette Primark kommt nach München und wird erwartungsgemäß einen riesigen Hype auslösen. Dabei steht das Unternehmen immer wieder in der Kritik.

Wenn es bei der Eröffnung der ersten bayerischen Primark-Filiale am Donnerstag in München zu ähnlichen Szenen kommt wie in anderen Städten, dann wird Folgendes passieren: Tausende Kunden drängen sich ab dem frühen Morgen hinter Absperrgittern, den Sicherheitsleuten steht der Schweiß auf der Stirn. Sobald sich die Türen öffnen, beginnen die vornehmlich jungen Frauen hysterisch zu kreischen, bevor sie in die mehrere tausend Quadratmeter große Filiale stürmen, um sich zwischen Kleiderständern und Wühltischen mit möglichst viel möglichst billiger Mode einzudecken.

Der Hype um die Billig-Modekette Primark ist gerade bei Mädchen und jungen Frauen groß. Doch was steckt dahinter? Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Welches Konzept verfolgt Primark?

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Primark gilt als eine der aggressivsten wachsenden Modeketten Deutschlands. Seit sie im Frühjahr 2009 den deutschen Markt enterte, mischt die irische Billigmodekette die Innenstädte auf und macht Moderiesen wie H&M, Zara und Co. Konkurrenz. In meist prominenter Innenstadtlage befinden sich die großflächigen, sich über mehrere Stockwerke erstreckenden Konsumtempel. Auf engstem Raum wird dort eine maximale Menge von Textilien angeboten, ebenso wie Schuhe, Accessoires für Damen, Herren und Kinder sowie Artikel für den Wohnbedarf und Kosmetik - und das alles zu sehr, sehr niedrigen Preisen.

Warum ist Primark so günstig?

T-Shirts für zwei, Hosen für acht Euro: Um Kunden in die Filialen zu locken, setzt Primark auf Niedrigstpreise. Konsequent versucht die Billigmodekette ihre Konkurrenten von H&M oder Zara zu unterbieten und dennoch modisch auf der Trendwelle mitzuschwimmen. Das funktioniert aus mehrerlei Gründen: Zum einen nutzt Primark Mengenrabatte, indem es seine Kleidungsstücke in sehr hohen Stückzahlen und nur in gängigen Größen einkauft. Zudem hält das Unternehmen seinen Verwaltungsapparat möglichst klein. Wofür andere Unternehmen zusätzliche Mitarbeiter einstellen, organisieren die Manager bei Primark vieles selbst.

Auch auf Werbung verzichtet das Unternehmen weitestgehend - und ist dennoch in aller Munde: in sozialen Netzwerken, auf YouTube und durch Mund-Propagande verschafft sich Primark einen "coolen" Ruf, auch ohne Plakate, Werbespots und Hochglanzanzeigen.

Zudem verzichtet Primark eigenen Angaben zufolge auf teure Kleiderbügel, Preisschilder und Etiketten.

Branchenexperten gehen außerdem davon aus, dass Primark auf Gewinn verzichtet, um die Preise zu drücken: Während der Konkurrent H&M einen Rohgewinn von etwa 60 Prozent erzielt, sollen es bei Primark gerade einmal knapp 40 Prozent sein.

In welchen Ländern gibt es Primark?

Neben Irland und Großbritannien ist das 1969 gegründete Unternehmen seit knapp zehn Jahren auf Expansionskurs: In Spanien eröffnete die erste Filiale im Jahr 2006, kurz darauf in den Niederlanden (2008), Portugal, Deutschland und Belgien (2009). Die erste österreichische Filiale eröffnete 2012, in Frankreich begann der Primark-Siegeszug 2013. Seit 2015 ist das Unternehmen auch in den USA aktiv, 2016 eröffnete die erste Filiale in Italien.

Weltweit gibt es 350 Filialen mit circa 73.000 Mitarbeitern. Deutschlandweit beschäftigt das Unternehmen 6300 Mitarbeiter.

Wo gibt es Primark schon in Deutschland?

Die erste Filiale in Deutschland wurde im Mai 2009 in Bremen eröffnet. Aktuell ist Primark in Deutschland mit 25 Filialen in folgenden Städten vertreten: Berlin (zweimal), Bielefeld, Braunschweig, Bremen, Dortmund, Dresden, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main (zweimal), Gelsenkirchen, Hannover, Hamburg, Kaiserslautern, Karlsruhe, Köln, Krefeld, Leipzig, Mannheim, Münster, Saarbrücken, Stuttgart (zweimal) und Weiterstadt. Am Donnerstag eröffnet in München die erste Filiale in Bayern. Ein weiterer Standort in Ingolstadt ist für Herbst 2018 geplant.

Wie ist Primark wirtschaftlich aufgestellt?

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache und belegen den wirtschaftlichen Erfolg Primarks: Der Gewinn der irischen Billig-Modekette stieg im vergangenen Geschäftsjahr um sieben Prozent auf 735 Millionen Britische Pfund (835 Millionen Euro). Damit ist Primark zwar noch nicht in greifbarer Nähe der globalen Marktführer, macht der Konkurrenz aber zunehmend Druck. Zum Vergleich: Der Gewinn der schwedischen Modekette H&M, einer der weltweit führenden Textilhersteller, ging im vergangenen Jahr um fast 13 Prozent auf 16,2 Milliarden schwedische Kronen (rund 1,66 Milliarden Euro) zurück.

Übrigens: Die Primark-Holdinggesellschaft Associated British Foods (ABF) zeigt bereits in ihrem Namen, dass Mode eigentlich gar nicht zu ihrer Tradition gehört. Die ABF war in ihren Anfangszeiten hauptsächlich mit Brot, Tee und Zucker sowie Lebensmittelzusätzen für die Bäckereiindustrie erfolgreich. Eines der bekanntesten Produkte: das Malzgetränk Ovomaltine.

Wieso steht Primark in der Kritik?

Während Primark gerade bei jungen Frauen gehypt wird, ruft das Unternehmen gleichzeitig immer wieder Kritiker auf den Plan. Schadstoffbelastungen in den Produkten sowie die mangelnde Nachhaltigkeit der angebotenen Textilien sorgen für negative Schlagzeilen. Branchenexperten kritisieren, dass Primark durch seine niedrigen Kampfpreise Kleidung zu "Wegwerfartikeln" degradiere.

Hauptkritikpunkt sind jedoch immer wieder die katastrophalen Arbeits- und Produktionsbedingungen in Billiglohnländern wie Bangladesch, in denen Primark produzieren lässt. Vor einigen Jahren sorgten zwei schwere Unglücke in Bangladesch dafür, dass viele Billig-Textilunternehmen international in den Fokus der Kritiker rutschten. Zuerst ging Ende 2012 die Tazreen-Fabrik in Flammen auf und riss Dutzende Menschen in den Tod. Einige Monate später stürzte ein achtgeschossiges Fabrikgebäude ein. Als das Rana Plaza-Hochhaus in sich zusammen fiel, kamen mehr als 1100 Arbeiter ums Leben, viele weitere wurden teils schwer verletzt – 580 von ihnen nähten für Primark.

Im Juni 2014 häuften sich Medienberichte, wonach Primark-Kunden eingenähte Zettel mit Hilferufen asiatischer Arbeitskräfte in Kleidungsstücken entdeckt hatten. Die Arbeitskräfte beklagten unhaltbare Zustände bei der Produktion. So seien sie gezwungen, stundenlang bis zur Erschöpfung zu arbeiten. Kurze Zeit später veröffentlichte Primark das Ergebnis einer Studie, laut derer es sich bei mindestens zwei der bis dahin gefundenen drei Hilferufe um Fälschungen handle.

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