Newsticker
Gesundheitsminister wollen Besuchseinschränkungen in Senioren- und Pflegeheimen lockern
  1. Startseite
  2. Wirtschaft
  3. Experte: Bayern droht der Wohnungsnotstand

Immobilien

03.01.2019

Experte: Bayern droht der Wohnungsnotstand

Wohnen ist in Bayern teuer geworden. Ein Experte warnt vor einer Wohnungsnot bei künftigen Rentnern.
Bild: Ulrich Wagner (Symbol)

Die Immobilienpreise sind 2018 wieder massiv gestiegen. Das wird vor allem für künftige Ruheständler zum Problem.

Die meisten Immobilienkäufer dürften vor einigen Jahren die heutigen Preise kaum für möglich gehalten haben. Im Textilviertel in Augsburg entstehen derzeit Eigentumswohnungen. Vierzimmerwohnungen mit knapp über 100 Quadratmetern werden für rund 600.000 Euro angeboten. Neue Doppelhaushälften am Stadtrand fallen in die gleiche Preislage. Die Preise für Immobilien sind in den vergangenen Monaten weiterhin rasant gestiegen. Im Bundesschnitt kosteten Eigentumswohnungen im Herbst 2018 ganze 8,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Dies hat das Gewos-Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung in Hamburg ermittelt. Wie berichtet, ziehen auch die Mieten in Deutschland an.

Basierend auf Daten des Portals Immobilienscout24 haben die Experten von Gewos 30 Jahre alte Wohnungen mit mittlerer Ausstattung in mittlerer Wohnlage betrachtet. Besonders stark, so das Ergebnis, stiegen die Preise in den sieben größten Städten Deutschlands an – um im Schnitt elf Prozent. Eine entsprechende Wohnung kostet derzeit in Stuttgart 4200 Euro pro Quadratmeter, in München seien es 6400 pro Quadratmeter, berichtet Gewos-Mitarbeiter Sebastian Wunsch. „Für Neubauten in München liegt man bereits deutlich über 7000 Euro“, sagt er. Eine hundert Quadratmeter große Neubauwohnung käme also auf über 700.000 Euro. Zahlen zu weiteren Städten wie Augsburg will Gewos im Februar vorlegen. Eines zeichnet sich aber ab: Die Preisexplosion könnte vor allem für künftige Ruheständler zu einem Problem werden.

Matthias Günther, Pestel-Institut: "Massives Alters-Wohnproblem"

Ab dem Jahr 2035 drohe in Deutschland eine „graue Wohnungsnot“, davor warnen Fachleute des Pestel-Instituts in Hannover, das in der Forschung und Beratung tätig ist: „Deutschland steht ein massives Alters-Wohnproblem bevor“, sagt Institutsleiter Matthias Günther. Er befürchtet einen enormen Mangel an bezahlbaren Mietwohnungen, die sich die Rentner von morgen noch leisten können. „Das betrifft Bayern – und vor allem ganz massiv auch München“, sagt Günther, dessen Institut für den Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel die Studie „Wohnen der Altersgruppe 65plus“ erstellt hat. Die Arbeit soll demnächst vorgestellt werden. Auch für den Großraum Augsburg sieht Günther die Gefahr, dass Wohnungen für Rentenbezieher zu teuer werden: „Der Großraum Augsburg hat in den letzten Jahren an Attraktivität zugelegt, neue Arbeitsplätze locken Leute an“, erklärt Günther im Gespräch mit unserer Zeitung. Und mit der hohen Nachfrage steigen die Preise für das Wohnen.

„Wer kein Wohneigentum hat, der kann sich seine Heimat vielerorts bald nicht mehr leisten“, meint Günther. Für Arbeitnehmer seien Mieten wie in München noch zu bezahlen, für viele Rentner nicht mehr. Im schlimmsten Fall müssten sie fortziehen. Einer früheren Studie des Instituts zufolge kann ein Ehepaar, beide 55 Jahre alt, drei Kinder, von dem ein Partner 2800 Euro brutto verdient und der andere in einem Minijob 450 Euro netto, im Ruhestand mit einer Rente von lediglich 1310 Euro rechnen. Kranken- und Pflegeversicherung sind dann schon abgezogen. Müssen jetzt hohe Mietkosten bezahlt werden, bleibt nicht mehr viel zum Leben.

LBS: An den Grenzen der finanziellen Belastbarkeit

Welche Lösungen kommen infrage? Zum einen fordert Günther die Schaffung von bundesweit knapp drei Millionen altersgerechten Wohnungen bis 2030 – allein 470.000 in Bayern. Zweitens fordert er, Bauherren mehr Sicherheit bei der Finanzierung zu geben: „Das Risiko, dass sich die Zinsen heute ändern, ist extrem, wenn man heute seine Finanzierung zu einem Zinssatz von 1,5 Prozent auf zehn Jahre abschließt“, sagt er. Besser wäre es, mit festen Zinsen auf 20 oder 25 Jahre planen zu können.

Bei der Landesbausparkasse LBS nimmt man an, dass sich der Trend allenfalls abschwächt: Die ungebrochen hohe Nachfrage bei einem knapp bleibenden Angebot könnte vielerorts zu einem weiteren Anstieg der Kaufpreise führen, sagte LBS-Experte Paul Fraunholz vergangenes Jahr. „Wir gehen jedoch davon aus, dass diese Preissteigerungen insgesamt moderater ausfallen, da viele Haushalte inzwischen an die Grenzen ihrer finanziellen Belastbarkeit kommen.“ Es wird einfach zu teuer. (mit dpa)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Der Immobilienmarkt gerät außer Kontrolle

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

03.01.2019

Das Wettrennen mehr Wohnungsbau gegen mehr Zuwanderung wird spannend - in Deutschland besonders spannend, weil gleichzeitig noch Flächenschutz sowie Energie- und Verkehrswende in der politischen Priorisierung steigen.

Zur Ablenkung wird nun aus der Blase einiger Metropolen das "Alters-Wohnproblem" in die Diskussion gebracht, das in weiten Teilen des Landes wohl nur ein mildes Lächeln erzeugen wird.

Permalink
04.01.2019

Genauso ist es! Seit 2015 sind ca. 2 Millionen Zuwanderer durch die offenen Grenzen ins Land geströmt.(edit/mod) Nur kommen halt immer noch jedes Jahr Migranten in der Größenordnung einer Stadt wie Augsburg zu uns. Und dies jedes Jahr!! Wo dies hinführen wird, können wir uns wohl vorstellen!

Permalink
03.01.2019

Kompliment, gute Recherche über ein Thema, das immer mehr Menschen unter den Nägeln brennt!

Wohnen ist ein Grundbedürfnis. Deshalb könnte Ungemach drohen, wenn es tatsächlich zu einem „Wohnungsnotstand“ käme. Dann könnte sich schnell die Frage nach der Verteilung der Vermögen stellen.

Man kann nur hoffen, dass sich die Politik des Themas noch intensiver annimmt und rechtzeitig die Weichen für eine nachhaltige Lösung des Problems stellt. Ansatzpunkte gäbe es ja viele – angefangen von der Verdichtung und „Aufstockung“ der Städte über eine bessere Anbindung der Peripherie an die Städte und Bauvorschriften, die die Kosten nicht unnötig in die Höhe treiben, bis hin zu innovativen Ansätzen wie Wohngemeinschaften, kleinere Wohnungen im Alter und mehr Flexibilität auf allen Seiten.

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren