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23.06.2009

Experten: Aufschwung nicht vor 2011

Experten: Aufschwung nicht vor 2011
Bild: DPA

Hamburg (dpa) - Die Rezession verdüstert zusehends die Aussichten für den deutschen Arbeitsmarkt - und verschiebt die Hoffnung auf einen Aufschwung der größten europäischen Volkswirtschaft auf das Jahr 2011.

Wirtschafts- und Konsumforscher sind einhellig davon überzeugt, dass die tiefe Wirtschaftskrise erst mit Verzögerung ab diesen Herbst auf den Arbeitsmarkt durchschlägt. Dann drohe die bislang noch positive Konsumstimmung zu kippen, prognostizierten Experten am Dienstag. Nach dem erwarteten Einbruch des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von über 6 Prozent im laufenden Jahr rechnen die Wirtschaftsforscher daher 2010 mit einem weiteren Jahr ohne nennenswertes Wirtschaftswachstum.

"Die Rezession wird sich auf dem Arbeitsmarkt ab den Sommermonaten 2009 verstärkt bemerkbar machen", sagte der Präsident des Münchner ifo Institutes, Hans-Werner Sinn. Im Jahresdurchschnitt rechnet das Institut mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahl von 3,581 Millionen in diesem Jahr auf 4,337 Millionen im kommenden Jahr.

Das werde auch auf den Konsum drücken, sagte Sinn. Bei Produktion und Nachfrage sieht er erst im Frühjahr 2010 eine Bodenbildung. Vom zweiten Halbjahr 2010 an sei dann eine ganz leichte Erholung, allerdings im nahezu "unmerklichen Bereich" in Sicht. "Im nächsten Jahr gibt es praktisch noch kein wirkliches Wirtschaftswachstum", erklärte der ifo-Chef, der für 2010 aktuell eine mit minus 0,3 Prozent nochmals rückläufige Wirtschaftsleistung erwartet.

Experten: Aufschwung nicht vor 2011

Das Essener Wirtschaftsforschungsinstitut RWI ist mit plus 0,2 Prozent für 2010 etwas optimistischer. Nach Einschätzung des Instituts scheint die Abwärtsbewegung gebremst. Einiges deute sogar auf eine Bodenbildung hin, sagte RWI-Konjunkturexperte Roland Döhrn. Bis Ende dieses Jahres rechnen die Essener Forscher jedoch ebenfalls mit einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosenzahl auf fast vier Millionen. Bis Ende 2010 werde die Zahl noch einmal bis auf 4,6 Millionen steigen, bevor wieder mit einem Rückgang gerechnet werden könne, sagte Döhrn. Vor allem der private Konsum werde im kommenden Jahr vor dem Hintergrund weitgehend ausfallender Zuwächse bei Löhnen und Renten deutlich zurückgehen.

Vorerst lassen sich die deutschen Verbraucher allerdings die Kauflaune noch nicht verderben. Nach einigen Monaten der Stagnation zeige die Verbraucherstimmung wieder einen leichten Aufwärtstrend, teilte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg mit. Ein Grund dafür sei der noch recht robuste Arbeitsmarkt. Positive Wirkung auf das Konsumklima zeigten auch die zuletzt bei null liegende Inflationsrate und die deutliche Rentenerhöhung, die zum 1. Juli ansteht. Im Juli erwarten die GfK-Forscher für das Konsumklima einen Wert von 2,9 Punkten nach 2,6 Punkten im Juni.

Ob es sich dabei bereits um den Beginn einer nachhaltigen Erholung handle, sei aber fraglich. Denn die Bewährungsprobe stehe angesichts künftig steigender Arbeitslosenzahlen noch aus. Bislang versuchten viele Unternehmen, ihre Umsatzeinbrüche mit Kurzarbeit auszugleichen. Doch diese Möglichkeit sei zeitlich begrenzt. Sollten die Firmen danach keine Anzeichen für eine spürbare konjunkturelle Erholung erkennen, dann seien sie zunehmend gezwungen, Mitarbeiter zu entlassen. "Ein spürbarer Anstieg der Arbeitslosigkeit wird auch das Konsumklima nachhaltig beeinträchtigen"", warnten die Konsumforscher.

GfK-Chef Klaus Wübbenhorst zeigte sich dennoch zuversichtlich. Die Arbeitslosigkeit werde zwar ansteigen. "Das ist eine Gefahr für die Konsumstimmung. Die Laune der Konsumenten wird dadurch beeinträchtigt, aber ich bin verhalten optimistisch, dass sie nicht abstürzen wird", sagte er. Bisher gingen die Konsumenten noch davon aus, dass der Konjunktureinbruch gestoppt werden könne, heißt es in der GfK-Studie. Die Konjunkturerwartung legte zum dritten Mal in Folge zu. Mit einem Plus von 5,7 Punkten fiel der Zuwachs dabei noch kräftiger aus als in den beiden Vormonaten.

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