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Stromausfall in Südamerika

17.06.2019

Experten: Mega-Blackout könnte auch Deutschland lahmlegen

Das Stromnetz in Deutschland gilt als eines der sichersten weltweit. Trotzdem gab es auch hier schon bundesweite Stromausfälle.
Bild: Martin Schutt, dpa

Plus 47 Millionen Menschen waren in Südamerika stundenlang ohne Strom. Ist so ein Blackout in Deutschland undenkbar? Von wegen.

Dass ein Stromausfall wie am Wochenende in Argentinien und Uruguay das ganze Land und dazu noch Teile der Nachbarnationen lahmlegt, scheint in Deutschland undenkbar. Immerhin gehört unser Stromnetz zu den sichersten der Welt - im Schnitt ist jeder Anschluss im Jahr nur etwa 13 Minuten nicht von Energie versorgt, wie eine Auswertung der Bundesnetzagentur für das Jahr 2016 zeigt. In den USA liegt derselbe Wert bei mehr als vier Stunden. Und trotzdem ist es nicht ausgeschlossen, dass ein großflächiger Stromausfall auch in Deutschland und Europa Realität werden könnte.

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In Deutschland gab es 2006 den letzten flächendeckenden Stromausfall

Das sagt zumindest Andreas Preuß, Sprecher des Übertragunsnetzbetreibers Amprion. Eines von vier Unternehmen in Deutschland, die das Höchstspannungsnetz, umgangssprachlich oft als Stromautobahnen bezeichnet, betreuen und für die Stabilität des bundesweiten Stromnetzes sorgen.

Preuß erinnert an einen Vorfall aus dem Jahr 2006, als die Überführung des Kreuzfahrtschiffs "Norwegian Pearl" einen Zwischenfall auslöste, der für einen Blackout in weiten Teilen Deutschlands, Frankreichs, Spaniens, Norditaliens, der Schweiz und sogar in Marokko verantwortlich war. Wegen des Transports des Schiffs über die Ems wurde eine 380-Kilovolt-Stromleitung abgeschaltet - allerdings etwas früher als geplant. "Die unmittelbare Schwankung im Netz löste einen Domino-Effekt aus", erklärt Preuß. Nach rund 30 Minuten waren die meisten Haushalte wieder mit Strom versorgt.

Diese Stromausfälle gab es in den letzten Monaten:

Einen derartigen Stromausfall habe es seitdem nicht mehr gegeben, sagt der Amprion-Sprecher. Auch, weil der Vorfall dazu geführt habe, dass sich die Netzbetreiber enger miteinander abstimmen. In Bayern hält neben Amprion die Gesellschaft Tennet mit Sitz in Bayreuth weite Teile des Höchstpannungsnetzes.

Dass es in Deutschland so selten zu flächendeckenden Stromausfällen kommt, liege an den strikten Sicherheitsvorkehrungen, sagt Tennet-Sprecher Markus Lieberknecht. Die Netze in Deutschland seien immer so aufgebaut, dass mindestens ein Knotenpunkt ausfallen könne, ohne dass es zusammenbricht. In größeren Städten könne meist sogar ein Ausfall von zwei oder drei solcher Knotenpunkte aufgefangen werden, weil diese zusätzlich abgesichert sind.

Bei Stromausfällen könnten ganze Regionen vom Netz genommen werden

Um europaweiten Stromausfällen vorzubeugen und kurzfristige Schwankungen ausgleichen zu können, gebe es laut Lieberknecht die sogenannte Regelleistung - eine bestimmte Menge an Energie, die von den Netzbetreibern bei Bedarf ins System eingespeist oder herausgenommen werden kann, um es stabil zu halten. "Wenn zwei Kraftwerke mit einer Leistung wie der des AKW Gundremmingen ausfallen, wäre das kein Problem", sagt Lieberknecht. Komme es im angrenzenden Ausland zu Störfällen, könne man die Netze abkoppeln, um eine Übertragung zu vermeiden.

Für die Netzbetreiber werde die steigende Zahl an wetterabhängigen Energiequellen dabei immer mehr zur Herausforderung. Mit möglichst genauen Prognosen versuchen die Unternehmen wie Amprion und Tennet, die Menge an Solarstrom und Windenergie im Voraus zu schätzen, die im Laufe des Tages in die Stromnetze fließen wird. "Kommt es dann aber unvorhergesehen zu dichtem Nebel, würde es Probleme geben, wenn wir die Schwankung nicht ausgleichen könnten ", sagt Amprion-Sprecher Preuß. Weil keine großen Mengen Strom innerhalb des Netzes gespeichert werden können, müssen sich die eingespeiste und entnommene Energiemenge immer ungefähr entsprechen.

Trotzdem seien die Vorkehrungen keine Garantie gegen Stromausfälle, sagt Preuß. "Wie sich 2006 gezeigt hat, funktionieren sie nicht immer." Ursachen für einen großen Blackout könnten menschliches Versagen oder eine Verkettung mehrerer technischer Fehler sein, meint der Amprion-Sprecher.

Sollte es in den regionalen Stromnetzen zu Zwischenfällen kommen, seien die großen Netzbetreiber berechtigt, einzelne Netze abzuschalten um überregionale Blackouts zu verhindern, bestätigt LEW-Sprecher Ingo Butters. Sprich: Einzelne Regionen könnten im Notfall vom Netz genommen werden. Umgekehrt könne der regionale Netzbetreiber sich auch von größeren Stromerzeugern abnabeln, wenn die Menge an Energie im Netz zu groß sei. Auch wenn es eine großflächige Abschaltung des LEW-Verteilnetzes bisher nicht gegeben habe, untersuche man mit einem Projekt, wie erneuerbare Energien im Falle eines großflächigen Stromausfalls für die Notversorgung von Krankenhäusern genutzt werden können.

Lesen Sie dazu auch: Blackout in Südamerika: So rüstet man sich für einen langen Stromausfall

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