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24.06.2009

Experten: Nur leichter Rückgang der Arbeitslosigkeit

Experten: Nur leichter Rückgang der Arbeitslosigkeit
Bild: DPA

Nürnberg (dpa) - Die Wirtschaftskrise wirkt sich immer spürbarer auf den deutschen Arbeitsmarkt aus: Nach dem schwachen Frühjahrsaufschwung im Mai erwarten Experten für Juni einen ungewöhnlich geringen Rückgang der Arbeitslosenzahlen.

Rund 50 000 Menschen weniger als im Vormonat seien auf Arbeitssuche gewesen, berichteten Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa. Im Durchschnitt der vergangenen drei Boomjahre war die Zahl der Arbeitslosen im Juni um rund 130 000 gesunken. Die offiziellen Zahlen will die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag (30. Juni) in Nürnberg bekanntgeben.

"Der Frühjahrsaufschwung hat sich verlagert, ist aber deutlich schwächer als in früheren Jahren", erläuterte DZ-Bank-Analyst Philipp Jaeger die Entwicklung. Allerdings fielen die Berechnungen der Analysten sehr unterschiedlich aus. Während Deutsche Bank und DZ- Bank immerhin von einem Rückgang um 75 000 beziehungsweise 70 000 ausgehen, erwarten HypoVereinsbank und Allianz ein Minus von nur etwa 30 000. Im Vergleich zum Mai 2008 sind bereits 175 000 Arbeitsplätze verloren gegangen.

Einig sind sich die Experten darin, dass das dicke Ende auf dem Arbeitsmarkt noch bevorsteht - spätestens im Herbst soll sich die Wirtschaftskrise deutlich bemerkbar machen. Auch Eckart Tuchtfeld, Arbeitsmarktexperte der Commerzbank, mag keine Entwarnung geben. "Die Konjunktur-Indikatoren zeigen erstmal nur an, dass sich die Fallgeschwindigkeit verringert. Die deutsche Wirtschaft war ja bislang im freien Fall - jetzt scheinen wir in den Landeanflug überzugehen." Ein kräftiger Aufschwung sei aber nicht in Sicht. Dieser ist jedoch aus Sicht der Fachleute nötig, damit nach der Krise wieder neue Stellen geschaffen werden.

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Dass die Arbeitslosenzahlen derzeit noch sinken, ist den Volkswirten zufolge vor allem der massenhaften Kurzarbeit zu verdanken. "Die Kurzarbeit dürfte weiter abfedernd wirken, aber wenn die Unternehmen keine dauerhafte Perspektive sehen und etwa die Auftragseingänge nicht steigen, dann werden Entlassungen sehr schnell folgen", warnte Jaeger.

Um Sonderfaktoren bereinigt erwarten die Experten im Juni einen Anstieg der Arbeitslosenzahl um rund 30 000 - mit Ausnahme der Allianz, die ein Plus von 70 000 für möglich hält. Einfluss auf die saisonbereinigte Zahl hat auch die im Mai eingeführte Änderung der Zählweise, die monatlich gut zehntausend Jobsuchende aus der Statistik der BA verschwinden lässt. Die Bundesregierung hatte sich darauf verständigt, Jobsucher, die von privaten Vermittlern betreut werden, in Zukunft nicht mehr als arbeitslos einzustufen.

Im Mai war unter anderem deshalb die Zahl der Arbeitslosen um 127 000 auf 3 458 000 zurückgegangen, die Quote nahm um 0,4 Punkte auf 8,2 Prozent ab. Auf Grundlage der alten Datenbasis aber waren rund 3,470 Millionen Menschen statt der offiziell genannten 3,458 Millionen arbeitslos.

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