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28,7 Prozent weniger

09.06.2009

Exporte stürzen ab - Optimismus bleibt

Exporte stürzen ab - Optimismus bleibt
Bild: DPA

Frankfurt/Main (dpa) - Die lange erfolgsverwöhnte deutsche Exportwirtschaft ist abgestürzt. Doch die aktuellsten Zahlen für April sind nicht so dramatisch wie sie auf den ersten Blick scheinen - das ist die gute Nachricht.

Die schlechte ist: Auch in den nächsten Monaten wird nach Einschätzung von Fachleuten die Serie der Hiobsbotschaften für Deutschlands Exporteure - allen voran die Maschinenbauer - nicht abreißen.

"Die Exporte werden bis zum Herbst noch schrumpfen, das ist klar", sagt der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. Die Gleichung ist einfach: Deutschland ist so sehr abhängig von ausländischen Märkten wie keine andere Volkswirtschaft in Europa. Mehr als 45 Prozent des hiesigen Bruttoinlandsprodukts (BIP) hängen laut Krämer an den Exporten.

In Großbritannien und Italien sind es je 28 Prozent, in Frankreich und Spanien sogar nur je 26 Prozent. Bricht die weltweite Nachfrage ein, wie in der aktuellen Rezession, bremst das den deutschen Außenhandel. Im April brachen die Exporte so stark ein wie nie in der Nachkriegszeit: Minus 28,7 Prozent zum Vorjahr, meldete das Statistische Bundesamt am Dienstag.

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Zwar sehen die Zahlen schlimmer aus, als sie sind: Der April 2008, mit dem verglichen wird, war ein Rekordmonat, zudem hatte der April in diesem Jahr wegen der Osterfeiertage zwei Arbeitstage weniger als im Vorjahr. Die UniCredit vermutet zudem, dass die von vielen Unternehmen ausgerufene Kurzarbeit sich um das Osterfest herum konzentrierte, was die Produktion und in der Folge die Exporte zusätzlich gedämpft haben dürfte.

Commerzbank-Ökonom Krämer ist überzeugt: "Der Sturzflug der deutschen Wirtschaft ist vorbei. Wir sind in den Landeanflug übergegangen." Auch der Deutschland-Chefvolkswirt der UniCredit, Andreas Rees, meint: "Das Bild wird wieder gemischter, das ist ein gutes Indiz dafür, dass wir bald eine Trendwende sehen."

Beispiel Auftragseingang in der Industrie: Nach einem Plus von 3,7 Prozent im März stagnierte das Auftragsniveau im April preis- und saisonbereinigt auf Vormonatsniveau. Beispiel Psychologie: Die Hoffnung auf ein Ende der Talfahrt wächst, so zeigt es etwa der im Mai zum zweiten Mal in Folge verbesserte ifo-Geschäftsklimaindex, der monatlich die Erwartungen von etwa 7000 Unternehmen aus Industrie, Einzel- und Großhandel sowie Bauwirtschaft abbildet. Beispiel Konjunkturpakete: Die milliardenschweren Finanzspritzen von Bund und Ländern wirken sich zu einem Großteil erst in einigen Monaten richtig aus, etwa Investitionen in Straßen und Schulen, und dürften dann zumindest in einigen Branchen für Auftrieb sorgen.

Fast schon eine Binsenweisheit ist, was der Bonner Ökonom Jürgen von Hagen wie folgt auf den Punkt bringt: "In dem Moment, in dem die Weltkonjunktur wieder anzieht, wird Deutschland zu den ersten Gewinnern zählen." UniCredit-Volkswirt Rees erklärt: "Unternehmen weltweit haben ihre Lagerbestände stark abgebaut, wenn die Nachfrage nur ein bisschen anspringt, muss wieder mehr produziert werden." Gleichwohl: Auch wenn die Wende kommt, dürften die schlechten Zahlen der ersten Monate die Bilanz des Jahres 2009 verhageln: Der Bundesverband Groß- und Außenhandel (BGA) rechnet nach seiner letzten Prognose mit einem Exporteinbruch von bis zu 15 Prozent.

Bleiben auf der anderen Seite der Medaille die Importe. Auch die Einfuhren sanken im April kräftig und blieben um 22,9 Prozent unter Vorjahresniveau. Keine dramatische Entwicklung, beschwichtigt von Hagen, schließlich führe Deutschland vor allem Konsumgüter ein - und dass diese derzeit weniger nachgefragt werden, sei "normal in einer Rezession". Ökonom Rees sieht zudem die zuletzt wieder gestiegenen Rohstoffpreise als Grund für den Rückgang bei den Importen.

Doch die sinkenden Einfuhren sind in der aktuellen Krise in gewisser Weise auch heilsam für die Gesamtbilanz, wie Volkswirte erläutern: Der Rückgang bei den Einfuhren mindert den Einbruch auf Exportseite zumindest teilweise. Ökonomen gehen deshalb davon aus, dass der Dämpfer des schwachen Außenhandels für das BIP im zweiten Quartal nicht so stark ausfallen wird wie in den ersten drei Monaten 2009.

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