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Mobilität

16.02.2015

Fahren Google und Apple jetzt auf Autos ab?

Es wird manchmal mit einem fahrenden Koala verglichen: das selbstfahrende Auto von Google. Derzeit testet es der Internetkonzern auf den Straßen Kaliforniens.
Bild: dpa

Mit Handys und im Internet machten sie Milliarden. Jetzt investieren die US-Unternehmen viel Geld in die Entwicklung von Autos. Was bedeutet das für die deutschen Hersteller?

Google tüftelt schon seit längerem an einem selbstfahrenden Auto. Und jetzt möchte Apple scheinbar einen eigenen Elektro-Wagen entwickeln. Das berichteten das Wall Street Journal und der Finanzdienst Bloomberg. Müssen die deutschen Autohersteller künftig vor den Unternehmen aus dem Silicon Valley zittern?

US-Firmen: Großinvestitionen für Entwicklung von Autos

Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer rät dazu, die neue Konkurrenz ernst zu nehmen: „Sie haben im Bereich Handy und Internet gezeigt, dass sie es können, und sie haben sehr viel Geld zur Verfügung.“ In der Forbes-Liste der wertvollsten Unternehmen lag Apple 2014 mit einem Börsenwert von 483 Milliarden US-Dollar auf Platz eins. Google folgte mit 382 Milliarden US-Dollar auf Platz drei. Der beste deutsche Autobauer war VW mit 119 Milliarden US-Dollar auf Platz 54.

Dass die amerikanischen Konzerne mit viel Geld ausgestattet sind, zeigt sich bei ihren Auto-Projekten: Für Apple sollen seit ungefähr einem Jahr mehrere hundert Leute ein Elektroauto entwickeln. Projektleiter soll Apple-Spitzenmann Steve Zadesky sein. Er hatte bereits federführend an iPhone und iPad mitgearbeitet.

Nun könnte das iCar folgen. Zwar ist Apple dafür bekannt, viele Prototypen zu testen, die am Ende nicht zu fertigen Produkten werden. Das Wall Street Journal berichtet allerdings, dass Zadesky ein Team mit bis zu 1000 Leuten zusammenstellen darf. Bei dieser Größenordnung wäre das iCar ein sehr ernsthaftes Projekt. Zudem hat der Konzern in der jüngeren Vergangenheit viele Autodesigner und Spezialisten für Fahrzeugdynamik angeheuert.

Deutsche Autobauer setzen auf hundertjährige Erfahrung

Dudenhöffer meint, dass die Internet-Unternehmen in der Automobilbranche eine gute Möglichkeit sehen, ihr Geld gewinnbringend anzulegen: „Es ist ein Wachstumsmarkt. Individuelle Mobilität wird in den kommenden Jahren erheblich an Bedeutung gewinnen.“ Allerdings ist die Entwicklung eines Autos weitgehend Neuland für sie.

Was sagen die Autohersteller in Deutschland zu diesem Vorstoß? Audi-Sprecher Udo Rügheimer sagt: „Ein Auto ist komplexer als ein Handy.“ Es müsse ganz andere Temperaturen und Kräfte aushalten. Google und Apple fehle beim Fahrzeugbau die hundertjährige Erfahrung der etablierten Autobauer. Dieses fehlende Wissen ist nach Ansicht von IT-Experten Thomas Köhler jedoch kein Problem. Köhler hat das Buch „Die digitale Transformation des Automobils“ über die Veränderungen in der Branche geschrieben. Er ist der Ansicht, die amerikanischen Unternehmen könnten bei der Entwicklung ihrer Autos einfach mit einem Zulieferer zusammenarbeiten.

Dazu passt, dass sich Apple zu Gesprächen mit der österreichischen Firma Magna Steyr getroffen haben soll. Die Österreicher entwickeln und produzieren Autos im Auftrag anderer Hersteller. Mercedes lässt von ihnen beispielsweise seine G-Klasse herstellen. Köhler sagt: „Magna Steyr ist in der Lage, komplette Fahrzeuge zu entwickeln und zu bauen.

Kommt es zu einer Zusammenarbeit mit Apple, treffen hohe Kompetenz und viel Geld zusammen.“ Das sei eine brisante Kombination. Zudem gebe es neben dem österreichischen Unternehmen noch weitere Zulieferer mit großem Wissen in der Autoentwicklung. Köhler sagt: „Wenn man Geld in die Hand nimmt, kann man relativ schnell eine neue Automarke aufbauen.“

IT-Experte: Sicherheit könnte für US-Firmen zum Problem werden

Dass man als Neueinsteiger in der Branche erfolgreich sein kann, zeigt Tesla. Das amerikanische Unternehmen wurde 2003 von Paypal-Erfinder und Internetmilliardär Elon Musk gegründet und baut Elektroautos. Sein Model S gehört inzwischen zu den bestverkauften Wagen mit Batterieantrieb. Audi hat dennoch keine Angst vor der neuen Konkurrenz. Sprecher Rügheimer sagt: „Natürlich können sie Kompetenz reinholen, aber eine eigene Identität kann man nicht einkaufen.“ Zudem bringe ein gesunder Wettbewerb die gesamte Industrie voran.

Ein Problem für die Firmen aus dem Silicon Valley könnte nach Ansicht von IT-Experten Köhler das Thema Sicherheit sein: „Handys und Computer werden schnell auf den Markt geworfen und bei Problemen wird einfach nachjustiert.“ Das sei bei Autos fatal, warnt Köhler. "Hier geht es um Leib und Leben. Deshalb ist die Frage, ob ich meine Gesundheit einem Unternehmen aus einer Branche anvertraue, das nicht gerade für seine sicheren Systeme bekannt ist."

Doch nicht nur die Automobilbranche ist ins Visier des Silicon Valley geraten. Auch der Augsburger Roboterhersteller Kuka darf sich auf neue Konkurrenz einstellen. Google investiert seit gut einem Jahr massiv in die Entwicklung von Robotern. Dazu hat der Konzern bereits acht Technologiefirmen übernommen. mit dpa

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