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Landtechnik

17.02.2021

Fendt fährt trotz Corona auf Rekordkurs

Über 20000 Traktoren sollen dieses Jahr bei Fendt vom Band rollen – dies wäre ein Rekord. Auf dem Werksgelände in Marktoberdorf warten fertige Traktoren auf die Auslieferung.
Bild: Andreas Filke

Der Allgäuer Traktorenhersteller Fendt will dieses Jahr die Schallmauer von 20.000 produzierten Schleppern durchbrechen und den globalen Absatz ankurbeln.

Es war zweifellos ein außergewöhnliches erstes Jahr für den neuen Fendt-Chef Christoph Gröblinghoff. Wenige Wochen nach seinem Start in Marktoberdorf nahm die Corona-Pandemie Fahrt auf. Lieferketten rissen. Für das Unternehmen hieß das im vergangenen März: fünf Wochen Produktionsstopp. Doch allen Widrigkeiten zum Trotz legte der Landmaschinenhersteller AGCO/Fendt mit 18650 verkauften Traktoren das zweitbeste Jahr seiner Geschichte hin. Und die Aussichten für 2021 sind nicht weniger positiv: Fendt fährt auf Rekordkurs.

„Wir sehen die Märkte leicht positiv gestimmt“, sagt Gröblinghoff, Vorsitzender der Geschäftsführung von AGCO/Fendt. Dies gelte für Europa, aber auch für Nord- und Südamerika sowie die Region Asien/Pazifik. Eine weltweite positive Grundstimmung ist für die Fendt-Strategie wichtiger denn je. Der Traktorenhersteller will den Weltmarkt beackern und global wachsen. Und so positioniert sich das Unternehmen innerhalb des amerikanischen AGCO-Konzerns als globale Technologie- und Innovationsmarke. Folgerichtig sind es die Themen Digitalisierung, Elektronik und autonomes Fahren, auf die Fendt für die Zukunft setzt.

Corona hat Fendt richtig Geld gekostet

Der laut Gröblinghoff „wichtigste, größte und zukunftsweisende Markt“ außerhalb Europas ist für Fendt Nordamerika. Mehr als 1400 Traktoren will der Hersteller dort in diesem Jahr verkaufen – 2020 waren es unter 1000. Gröblinghoff sieht nun die „Riesenchance“ gekommen, sich mit „Technologie aus Marktoberdorf“ auf dem US-Markt zu etablieren. Im vergangenen Jahr machte der Absatz in Nordamerika einen Anteil von 4,6 Prozent aus. Ganz anders sieht es in Europa aus; über 90 Prozent seiner Produkte verkauft Fendt in Mittel- und Zentraleuropa (mit GUS Staaten). In Europa steigerte Fendt seinen Marktanteil auf 10,6 Prozent (plus 0,6). In Deutschland gelang es, den Marktanteil auf 21,3 Prozent auszubauen.

Aus dieser Position der Stärke heraus, sind die Ziele für 2021 ambitioniert gesteckt. Die vom langjährigen AGCO-Chef Martin Richenhagen noch kurz vor seinem Ruhestand bei der Jahresbilanz im Oktober ausgerufene Stückzahl von „21.000 plus“, sehen die Verantwortlichen zwar nicht unbedingt als erreichbar an. Aber Fendt-Chef Gröblinghoff spricht von „20000 Traktoren plus“, die dieses Jahr in Marktoberdorf vom Band rollen sollen. Ein Rekord, sollte es gelingen. Die Stückzahl von 20.000 zu übertreffen, ist ein lange angepeiltes Ziel in der Firmen-Zentrale. Gröblinghoff sieht die Zeit gekommen. „Die Zahl rückt immer näher und wird greifbarer.“

AGCO/Fendt-Chef Christoph Gröblinghoff sagt: "Wir sehen die Märkte leicht positiv gestimmt."
Bild: Andreas Mohr, AGCO/Fendt

Hundertprozentig sicher sind sie sich in Marktoberdorf nicht, ob sie es schaffen. Bleiben die Märkte stabil? Und was macht das Virus? Corona hat das Allgäuer Unternehmen mit seinen knapp 6000 Mitarbeitern im vergangenen Jahr nicht nur auf allen Ebenen beschäftigt, sondern auch richtig Geld gekostet. 20 Millionen Euro investierte Fendt unter anderem in die Produktionsumstellung vom Einschicht- auf den Zweischichtbetrieb, die damit verbundene Einstellung neuer Mitarbeiter sowie die Umsetzung des Hygienekonzepts inklusive Schutzmaterial. Über 50 Prozent der Beschäftigten außerhalb der Produktion arbeiten derzeit vom Homeoffice aus – in Bereichen, wo dies möglich ist. Die Corona-Maßnahmen sind laut Gröblinghoff erfolgreich: „Wir sind bis jetzt gut durchgekommen. An allen sechs Standorten in Deutschland sind die Mitarbeiter weitgehend gesund geblieben.“

Halten die Lieferketten für den Allgäuer Traktorhersteller Fendt?

Coronabedingt bleibt laut Gröblinghoff auch die Situation auf der Zulieferer-Ebene angespannt. Wie berichtet, musste Fendt im vergangenen Frühjahr die Produktion stoppen. Firmen aus Norditalien, die für die Allgäuer Traktoren Felgen und Vorderachsen produzieren, hatten wegen der Pandemie schließen müssen. Und Fendt fehlten die notwendigen Teile. Nun hat sich die Lage laut Gröblinghoff nochmals verschärft. Zulieferer haben aufgrund der Corona-Krise massiv Kapazitäten und Ressourcen abgebaut, gleichzeitig stiegen die Preise für Rohstoffe.

Für Fendt ergibt sich daraus eine „sehr kritische Situation“, sagt Gröblinghoff. Statt einiger weniger Betriebe gebe es nun eine „lange Liste an Problem-Lieferanten“. Kleinigkeiten genügten bereits und diese Firmen könnten ihren Pflichten nicht nachkommen. „Für uns besteht somit weiterhin die latente Gefahr, dass wir aufgrund von Zulieferer-Problemen kurzfristig zum Stillstand kommen könnten“, sagt Gröblinghoff.

Fendt hat einen Teil seiner Traktor-Modelle überarbeitet.
Bild: Foto: Mathias Wild

An der positiven Grundstimmung der Verantwortlichen ändert dies aber nichts – weder in Marktoberdorf noch in Duluth (Georgia), am Sitz des US-Mutterkonzerns AGCO. Anfang des Jahres hat dort Eric Hansotia die Nachfolge von Martin Richenhagen angetreten. In dessen 16-jähriger Amtszeit investierte der AGCO-Konzern (Umsatz 2020: 9,1 Milliarden US-Dollar) rund zwei Milliarden Dollar in Fendt.

Am guten Verhältnis zwischen Mutterkonzern und Tochter werde sich nichts ändern, versichert Gröblinghoff. „Fendt ist und bleibt die globale Hightech-Marke im Konzern.“ Ein sichtbares Zeichen dafür ist das neue, im April bezugsfertige Bürogebäude am Stammsitz in Marktoberdorf; 120 neue Arbeitsplätze für hoch qualifizierte Ingenieure entstehen. Der Standort Marktoberdorf ist das weltweite Zentrum im AGCO-Konzern für die Entwicklung der Themen Digitalisierung und Elektronik. Die US-Mutter AGCO setzt ein Ausrufezeichen und investiert dieses Jahr 92,5 Millionen Euro in den Bereich Forschung und Entwicklung – auch das ein Rekordwert. Und so sagt Fendt-Chef Gröblinghoff: „Fendt ist nicht nur das beste, sondern auch das stabilste und schnellste Pferd im AGCO-Stall.“

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