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Fleischindustrie
09.12.2016

Skandal im Schlachthof: Auch in Augsburg?

Auch in bayerischen Schlachthöfen gab es in den Jahren 2014 und 2015 Probleme mit der Betäubung von Tieren. Nicht alle davon wurden inzwischen gelöst, obwohl die Betriebe unter der Beobachtung der Behörden standen.
Foto: Arno Burgi, dpa

Die Probleme sind bekannt, doch noch immer sterben in bayerischen Einrichtungen Tiere anscheinend ohne ausreichende Betäubung. Auffällig war auch ein Betrieb in Augsburg.

Amtstierärztin Felicitas Allmann zufolge habe das Augsburger Veterinäramt bereits vor der Kontrolle des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit 2014 festgestellt, dass es immer wieder Probleme bei der Betäubungstiefe von Schlachtschweinen gab, berichtet die Stadt. Danach seien „alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen worden, um die Ursache des Mangels zu finden und abzustellen“. Dazu wurden zum Beispiel die Betäubungsgeräte ausgetauscht, die Technik überprüft und das Betäubungspersonal erneut geschult. Warum es zu den Problemen bei der Betäubung kam, sei trotz intensiver Ursachenforschung nicht zu ermitteln gewesen.

Ein Problem: Zentralisierung der Fleischindustrie

Auch „das Schlachttier selbst, dessen Herkunft, Verhalten, Verfassung und Genetik“ spiele „eine entscheidende Rolle für den Betäubungserfolg“. Um sicherzugehen, dass kein Schwein Schmerzen beim Töten erleiden muss, werde bei Bedarf sofort nachbetäubt. „Wache“ Tiere, die zum Beispiel versuchen, sich aufzurichten – wie in TV-Beiträgen gezeigt – habe es in Augsburg nicht gegeben. „Wir wissen, dass bei unseren Kontrollen kein Tier bei Bewusstsein in die Brühmaschine gelangt ist oder gelangt“, teilte die Tierärztin mit. „Seit über einem Jahr hat es keine Probleme mehr dieser Art im Schlachthof gegeben.“ Die beiden Betriebe nahe Vilsbiburg und in Trostberg versicherten, Mängel seien behoben worden.

Für Katrin Wenz, Referentin für Agrarpolitik des Bundes für Umwelt- und Naturschutz in Deutschland, haben die Probleme in den Schlachthöfen vor allem einen Grund: „Wir haben eine sehr starke Zentralisierung der Fleischindustrie“, sagt sie. „Es gibt immer größere Schlachthöfe, es wird immer schneller gearbeitet, natürlich müssen dann Fehler passieren – zum Beispiel beim Betäuben der Tiere.“ Eine Ursache dafür sieht sie in den niedrigen Preisen für Fleisch.

Für Bayerns Verbraucherschutzministerin Scharf sind „Verstöße gegen den Tierschutz nicht mehr hinnehmbar“, wie sie sagte. Eine neue, bayernweit zuständige Kontrollbehörde solle nun Anfang 2018 ihre Arbeit aufnehmen und „komplexe“ Lebensmittel-Betriebe überwachen, darunter große Schlachthöfe.

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