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Finanzkrise 2008

15.09.2018

Früherer IG-Metall-Chef Huber warnt vor neuer Finanzkrise

Der Ulmer Berthold Huber war von 2007 bis 2013 Chef der IG Metall.
Bild: Arne Dedert, dpa (Archiv)

Exklusiv Politik und Wirtschaft hätten kaum Konsequenzen aus Zusammenbruch vor zehn Jahren gezogen und so den Populismus gestärkt - Wirtschaftshistoriker Adam Tooze sieht europäische Banken als Risiko für Weltfinanzsystem.

Der frühere IG-Metall-Chef Berthold Huber sieht auch zehn Jahre nach dem Zusammenbruch der Lehmann-Bank die Gefahr einer neuen Finanzmarktkrise nicht gebannt. „Es ist nicht auszuschließen, dass es wieder zu einer Krise wie 2008 kommt, denn die tieferen Ursachen für die Risiken sind nicht behoben worden“, sagte der Gewerkschafter gegenüber unserer Redaktion. Huber gehörte in der Zeit nach der Lehman-Pleite zum engen Krisen-Team um Kanzlerin Angela Merkel.

Zusammenhang zwischen Finanzkrise und Brexit

Huber mahnte, dass die politisch Verantwortlichen nicht in ausreichendem Umfang Lehren aus der Krise gezogen hätten: „Die Einführung einer Finanzmarkt-Transaktionssteuer blieb bei uns bis heute aus“, kritisierte er. Die mangelnden Konsequenzen hätten zum Erstarken des Populismus geführt. „Bei vielen Bürgern hat sich leider der Eindruck festgesetzt: „Den Banken hilft man, uns aber nicht“, sagte Huber. Es gebe „eine besorgniserregende Verbindungslinie von den Folgen der Lehman-Pleite hin zu Trump und zum Brexit“.

Auch die Wirtschaft habe keine Konsequenzen aus der Krise gezogen: „„Der Kapitalismus hat sich leider wenig verändert. Immer noch wird nach den Prinzipien des Shareholder Value gewirtschaftet, also die Steigerung des Aktienwertes eines Unternehmens um jeden Preis.“ Nach wie vor herrsche der Geist vor, möglichst schnell möglichst viel Rendite zu erzielen. Im Übrigen warnte er: „Die nächste Krise kommt bestimmt. Wenn wir Glück haben, nicht zu früh, aber irgendwann kommt sie.“

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Britischer Wirtschaftshistoriker hat Zweifel an Deutscher Bank

Auch der derzeit mit seinem Buch „Crashed“ für Furore sorgende britische Wirtschaftshistoriker Adam Tooze macht sich große Sorgen um die europäischen Banken. Im Interview mit unserer Redaktion sagte er: „Die europäischen Großbanken sind nach wie vor Risiko-Verstärker im Weltfinanzsystem. Darunter fällt die Deutsche Bank, die Credit Suisse und die in London sitzende HSBC.“ Die Deutsche Bank sei nach wie vor unterkapitalisiert. Und der Professor für Zeitgeschichte und Direktor des European Institute an der Columbia University in New York meinte zudem zur Deutschen Bank: „Sie verfügt vor allem über kein Geschäftsmodell, mit dem sich auf sichere Art Gewinne erzielen lassen. Bei der Deutschen Bank hat man stets den Eindruck, dass sie dem Gewinn nachjagen muss und deshalb schwerwiegende Risiken eingeht.“   Der einzige Vorteil sei: „Seit der Finanzmarktkrise und dank der Krise sind wir etwas besser informiert.

Die Beiträge zu unserem Wochenend-Spezial zur Finanzkrise 2008:

Als die Finanzwelt bebte: Die Bankenkrise und ihre Folgen

Wirtschaftshistoriker: „Die Krise kann sich wiederholen“

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