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Interview

19.03.2020

Gaststätten-Präsidentin: "Corona trifft uns ins bayerische Herz“

Ihre Hände verraten, was angesagt ist: zupacken, durchhalten. Angela Inselkammer ist die Chefin des Gaststättenverbandes.
Bild: Ulrich Wagner

Exklusiv Angela Inselkammer ist Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes. Die Unternehmerin fordert Verpächter jetzt auf, Wirten erst einmal die Miete zu stunden.

Frau Inselkammer, Sie und Ihre Familie betreiben in Aying eine Gaststätte, einen Biergarten und ein Hotel. Haben Sie überhaupt noch Gäste?

Angela Inselkammer: In unserer Wirtschaft sitzen noch vereinzelt Gäste. Aber es ist irgendwie traurig, sie müssen ja einen Mindestabstand zu anderen Gästen halten. Natürlich steht für mich als Wirtin der Schutz der Gesundheit an erster Stelle. Alles andere muss sich dem jetzt unterordnen. Aber traurig ist das alles schon. Das Coronavirus trifft uns mitten ins bayerische Herz. Die Gemütlichkeit ist weg.

Wirtschaftlich geht es für viele Wirte und Hoteliers rasant bergab. Wie dramatisch ist die Lage?

Gaststätten-Präsidentin: "Corona trifft uns ins bayerische Herz“

Inselkammer: Wir verzeichnen seit Wochen massive Umsatzeinbrüche. Durch die Zuspitzung der Krise geht es nun aber um die blanke Existenz vieler Wirte und Hoteliers. Mir tut das alles so leid. Dabei sind wir in Bayern so stolz auf unsere kleinteiligen, authentischen und von Familien geführten Restaurants und Hotels.

Unterstützt Sie die Politik nun ausreichend?

Inselkammer: Die bayerische Staatsregierung leistet eine sehr gute Arbeit. Ministerpräsident Markus Söder und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger verstehen unsere Sorgen und sind auch an Einzelschicksalen interessiert. Ich bin mit beiden Politikern intensiv in Kontakt. Entsprechende Hilfen für Gastronomen und Hoteliers sind organisiert. Es wird aber noch ein bisschen dauern, ehe die Betriebe in den Genuss der Zahlungen kommen. Sofortzahlungen für Kleinbetriebe gibt es bereits wohl ab Freitag. Ich appelliere hier an die Geduld meiner Kollegen.

Doch Mieten werden fällig. Da kann es für einzelne Betriebe eng werden.

Inselkammer: Hier appelliere ich an die Solidarität von Verpächtern, also auch Brauereien, die Pacht mal für einen Monat oder zwei zu stunden. Schließlich geht die Krise auch wieder vorbei. Verpächter können ja froh sein, wenn sie gute Pächter haben. Aber natürlich weiß ich, dass manche Verpächter selbst finanziell unter Druck stehen. Schnelle staatliche Finanzhilfe ist also unerlässlich. Generell gilt: Jetzt in der Krise müssen wir zusammenstehen. Wer jetzt großzügig ist, bekommt das nach der Krise zurückgezahlt.

Warum sind Sie so optimistisch?

Inselkammer: Weil die Menschen nach der Krise eine solche Sehnsucht haben werden, wieder in eine Wirtschaft zu gehen oder zu verreisen, dass es für die Betriebe aufwärtsgeht. Dazu müssen die Wirtschaften und Hotels überleben. Deswegen wäre es ein willkommenes Signal von Bundesfinanzminister Olaf Scholz, wenn er die Mehrwertsteuer in der Gastronomie von 19 auf sieben Prozent senken würde. Dann würden die Wirte Licht am Ende des Tunnels sehen und durchhalten. So könnten Gastronomen im Gegensatz zu heute endlich Rücklagen aufbauen, um widerstandsfähiger gegen Krisen zu werden. Mein Appell an unsere Wirte und Hoteliers lautet: Haltet durch, wir brauchen euch!

Sie haben ja bei der TV-Talksendung „Anne Will“ über das Thema mit Herrn Scholz gesprochen. Geht er auf Ihr Herzensanliegen ein?

Inselkammer: Er hat mir ohne Scheuklappen zugehört und mir noch ein Gespräch angeboten. Ich weiß nicht, wann das stattfindet. Aber eines ist klar: Vom Schicksal der Wirte und Hoteliers hängen so viele andere Betriebe ab. Wir kaufen ja regional bei Bäckereien und Metzgern ein. Es sind ja auch Handwerker aus der Region, die unsere Betriebe immer wieder erneuern.

Wie halten Sie jetzt Ihre Mitarbeiter in Aying an Bord?

Inselkammer: Wir versuchen alles, sie zu halten. Sie sind das wertvollste Kapital unseres Betriebes. Manche sind bereit, nun in Kurzarbeit zu gehen und auf Lohn zu verzichten, andere können das nicht. Hier sind wir bereit, vorübergehend auch im Einzelfall Geld zuzuschießen. Wir sind ja glücklich, ein derart gutes Team zu haben.

Wie lange können Wirte und Gastronomen die für sie brutalen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise noch durchhalten?

Inselkammer: Wir hoffen, in vier Wochen ist das Schlimmste überstanden, danach wird es wirklich dramatisch.

Über alle Entwicklungen rund um das Coronavirus informieren wir Sie in unserem Live-Blog.

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