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GdL-Chef Weselsky
18.09.2019

Lokführer-Gewerkschaft lehnt Arriva-Verkauf ab und will Schenker abstoßen

GdL-Chef Claus Weselsky ist durch viele Tarifschlachten mit der Bahn gegangen.
Foto: Kay Nietfeld, dpa (Archiv)

Exklusiv GdL-Chef Claus Weselsky meint, ein Verkauf der britischen Bahn-Tochter Arriva wäre "ein Verkauf von Tafelsilber“. Stattdessen fordert er die Trennung von der Logistik-Sparte Schenker.

Vor der Aufsichtsratssitzung der Deutschen Bahn hat die Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer (GdL) einen Verkauf der britischen Bahn-Tochter Arriva abgelehnt und stattdessen die Trennung von der Logistik-Sparte Schenker gefordert. „Der Verkauf von Arriva wäre ein Verkauf von Tafelsilber“, sagte Gewerkschaftschef Claus Weselsky gegenüber unserer Redaktion. „Arriva gehört zu den ausländischen Gesellschaften, die Gewinne erwirtschaften“, betonte Weselsky. Deshalb wäre ein Börsengang der britischen Tochter der bessere Weg für die Bahn. „Dann nimmt man Geld über den Börsengang ein, ein Teil des Gewinns bleibt später aber“, erklärte er mit Blick auf Dividenden.

Deutsche Bahn: GdL-Chef Weselsky fordert Trennung von Schenker

Weselsky forderte dagegen die Trennung von der Frachtsparte Schenker Logistik, deren Geschäftsfeld nach seiner Überzeugung nicht zum  Kerngeschäft der Deutschen Bahn gehöre. „Die Bahn ist kein weltweiter Logistiker und muss nicht auf allen Hochzeiten tanzen“, betonte er. „Schenker Logistik zu verkaufen, würden wir als Gewerkschaft nicht bekämpfen“, fügte er hinzu. „Man muss sich nicht selbst Konkurrenz machen, indem man Lkw neben den eigenen Zügen fahren lässt“, sagte er. Der GdL-Chef forderte zudem, das Schienennetz aus der Bahn AG zu lösen. Es sei ein Fehler, dass das Schienennetz Gewinn erzeugen müsse. „Die Bahn-Infrastruktur ist ganz klar ein Subventionsbereich, in den Steuermilliarden hineinfließen müssen, um das Netz zu erhalten und auszubauen“, sagte Weselsky.

Der Gewerkschaftschef kritisierte die Bahnpolitik als verfehlt. „Seit Jahren läuft vieles schief bei der Bahn“, sagt er. Der Druck eines möglichen Börsengangs habe zu Kürzungen „ohne Sinn und Eisenbahn-Sachverstand“ geführt. „Das Problem ist, dass wir in der Infrastruktur nicht einmal auf der Höhe der Zeit sind. In der Sicherungstechnik sind wir teilweise noch auf dem Stand von 1950.“ Auch der Lokführer-Gewerkschaftschef selbst leidet unter unpünktlichen Zügen: „Ich plane heute meine Dienstreisen mit einer Stunde Puffer. Denn ich kann sicher sein, dass ich den Anschlusszug nicht bekomme, wenn mein Zug Verspätung hat.“

Weselsky: „Vergabe von Beraterverträgen an ehemalige Vorstände war ein Sündenfall“

Zudem kritisiert Weselsky, bei der Bahn teure Beraterverträge an frühere Vorstandsmitglieder vergeben wurden, ohne den Aufsichtsrat zu informieren: „Die Vergabe von Beraterverträgen an ehemalige Vorstände unter Umgehung des Aufsichtsrats war ein Sündenfall“, erklärt der GdL-Chef. „Dass das Unternehmen geduldet hat, an Aufsichtsgremien vorbei solche Verträge abzuschließen, lässt erkennen, wie krank das System an der Spitze ist“, betonte er. „Es geht nicht um die Sache, wie man die Eisenbahn besser organisiert, sondern wie bei einer Söldnertruppe darum, wie viel Kohle man machen kann.“ Der Aufsichtsrat will sich am Mittwoch angeblich auch mit dem Berater-Skandal beschäftigen.

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