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12.11.2019

Geplante Übernahme durch AMS: Zieht sich Osram ganz aus Augsburg zurück?

Osram-Chef Olaf Berlien gibt sich trotz eines riesigen Verlusts optimistisch. Er öffnet seine Arme für eine Übernahme aus Österreich.
Bild: Marcus Merk

Plus Das Unternehmen legt schlechte Zahlen vor und öffnet sich einem Übernahmeangebot aus Österreich. Jetzt wackeln die letzten Jobs am Lech.

Musiker haben einiges zu ertragen, schließlich sind sie oft erstaunt, wer sich alles ihres Liedgutes bemächtigt. So waren die Mitglieder der Band „Die Toten Hosen“ befremdet, als CDU-Politiker ihren Sieg bei der Bundestagswahl im Jahr 2013 mit dem Stück „Tage wie diese“ feiern zu glauben mussten. Daher darf man sich fragen, was der österreichische Künstler Wolfgang Ambros denken würde, wenn er wüsste, dass sein Titel „Langsam wochs’ ma z’amm“ am Dienstag vor der Präsentation der jüngsten Osram-Geschäftszahlen lief. Konzern-Chef Olaf Berlien, 57, glaubt jedenfalls, der Ambros-Song passe gut zur Zusammenschluss-Vereinbarung.

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Das Münchner Unternehmen hat schließlich kundgetan, jetzt nach anfänglichem Widerstand doch gerne von der viel kleineren österreichischen Firma AMS übernommen werden zu wollen – und das auch noch in hohem Maße fremdfinanziert, also auf Pump.

Osram-Chef Berlien hat Zusicherungen von AMS erhalten  

Das Sensortechnik-Unternehmen aus Premstätten bei Graz bietet nun 41 Euro je Osram-Papier, während es beim ersten Liebesgruß zunächst 38,50 Euro waren. Doch dass die Österreicher noch einmal einige Zuckerl für die Börsianer draufgepackt haben, ist nicht allein der Auslöser, der den Osram-Verantwortlichen in München ein Licht aufgehen ließ und sie zum Sinneswandel animierte.

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Die Bereitschaft zum „Z’ammwochsn“ im Ambros’schen Sinne ist vielmehr allerlei Zusicherungen der Steiermärker an die Verantwortlichen des einst zu Siemens gehörenden Licht-Spezialisten geschuldet: Mitarbeiter sollen bis Ende 2022 vor fusionsbedingten Kündigungen geschützt sein. München würde demnach die Co-Konzernzentrale und etwa die Hälfte wichtiger Führungsfunktionen abbekommen.

Und Berlien freut sich, Ex-Siemens-Personalchefin Brigitte Ederer, eine 63-jährige Österreicherin, als „neutrale Schiedsrichterin“ gewonnen zu haben. Die Managerin soll darüber wachen, ob sich ihre Landsfrauen und -männer von AMS an die Verabredungen halten. Darunter, „dass die starke Marke Osram im Unternehmensnamen des neuen Konzerns reflektiert werden soll“, was immer das heißen mag.

Trotz der düsteren Aussagen führender Gewerkschafter bleibt Osram-Chef Berlien zuversichtlich.
Bild: Marcus Merk

Hoher Verlust, keine Dividende bei Osram

Die gute Laune Berliens wirkt trotz des Übernahmekriegs, eines sehr hohen Verlustes für 2019 von 467 Millionen Euro und des Streichens der Dividende intakt. Die ungebrochene Zuversicht des Osram-Chefs steht im krassen Gegensatz zu düsteren Aussagen führender Gewerkschafter. IG-Metall-Experten versuchen so schnell wie möglich das „Z’ammwochsn“ zu torpedieren. Folglich geht der Osram-Konzernbetriebsrat juristisch gegen die – wie es Berlien nennt – „Fusion fast unter Gleichen“ vor. Die Arbeitnehmervertreter legen Beschwerde bei der deutschen Finanzaufsicht BaFin ein. Rechtskundige bezweifeln indes, dass die Betriebsräte damit Erfolg haben und verhindern können, dass die Österreicher noch vor Weihnachten sich Osram als hart und teuer erkämpftes Geschenk unter den hell leuchtenden Christbaum in Premstätten legen.

Doch die Gewerkschafter „kämpfen und zittern nicht“, wie Klaus Abel, der bei der IG Metall für Osram zuständig ist, unserer Redaktion sagt. Dabei wirft er der Unternehmensspitze vor, ehe die Übernahme wohl im April 2020 alle Hürden überwunden haben soll, schon jetzt die Zukunft von Osram zu verspielen. Denn nach seinem Kenntnisstand plant das Unternehmen, in Deutschland von den noch 5600 Arbeitsplätzen 800 abzubauen – eine Zahl, die Berlien nicht bestätigt. Abel ist empört: „Wir wenden uns genauso entschieden gegen die Übernahme durch AMS wie gegen dieses Kaputtsparen.“

Sparprogramm: 60 Jobs in Augsburg gefährdet, auch Schwabmünchen vor Einschnitten

Nach Recherchen dieser Redaktion sind auch bayerische Standorte, die in der Vergangenheit schon heftig bluten mussten, von dem Osram-Sparprogramm betroffen. Einige der noch rund 60 Arbeitsplätze – also der Rest von Osram in Augsburg – könnten abgebaut und am Ende die übrig gebliebenen Stellen in das Schwabmünchner Werk wandern. Dort arbeiten noch rund 300 Kräfte. Aber auch für Schwabmünchen besteht die Gefahr, dass trotz der Aufwertung des Werkes zur Hightech-Fabrik einige Arbeitsplätze wegfallen. Am meisten zittern müssen die noch 130 Beschäftigten des Eichstätter Osram-Stützpunktes. Der Standort für Kino-Lampen könnte unter AMS-Regie – so die Befürchtungen – verkauft oder geschlossen werden.

Das „Z’ammwochsn“ ist also mit allerlei Schmerzen verbunden. Tage wie diese tun vielen ohnehin leidgeprüften Osram-Beschäftigten weh.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Der Osram-Chef hat sich verspekuliert

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