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Fluggesellschaft Germania

05.02.2019

Germania insolvent: Bekommen Kunden ihr Geld zurück?

2017 traf es Air Berlin, 2018 Small Planet Airlines, nun Germania. Erneut muss eine Berliner Fluggesellschaft Insolvenz anmelden. Die Flieger bleiben ab sofort am Boden, die Mitarbeiter stehen vor einer ungewissen Zukunft.
Video: dpa

Die Fluggesellschaft Germania ist insolvent. Wir beantworten wichtige Fragen wie: Welche Flughäfen und Flüge sind betroffen? Und bekommen Kunden ihr Geld zurück?

Erst Air Berlin, dann Small Planet Airlines, jetzt Germania: Wieder meldet eine deutsche Fluggesellschaft Insolvenz an – und stellt den Betrieb ein. Doch was bedeutet das für Kunden? Finden die Flüge trotzdem statt? Welche Flughäfen sind überhaupt betroffen? Und bekommen Fluggäste ihr Geld für ein bereits gekauftes Ticket zurück?

Fluggesellschaft Germania insolvent: Was bedeutet das?

Die Mitteilung kam in der Nacht auf Dienstag: Die Fluggesellschaft Germania beantragte Insolvenz und gestand damit ein, dass sie zahlungsunfähig ist. Im Zuge dessen stellte Germania ihren Flugbetrieb ein. Geschäftsführer Karsten Balke begründete den Schritt damit, dass es nicht gelungen sei, Finanzierungsbemühungen zur Deckung eines kurzzeitigen Liquiditätsbedarfs erfolgreich zum Abschluss zu bringen. "Wir bedauern sehr, dass uns als Konsequenz daraus keine andere Möglichkeit als die der Insolvenzantragstellung blieb", erklärte Balke.

Nach der Germania-Insolvenz: Steigen jetzt die Ticktetpreise?

Nach der Insolvenz rechnet der Nürnberger Luftfahrtunternehmer Hans Rudolf Wöhrl mit steigenden Preisen im deutschen Flugverkehr. Vor allem auf Strecken mit Urlaubszielen sei mit höheren Kosten für Tickets zu rechnen, weil hier die Germania als Wettbewerber ausfalle, sagte Wöhrl am Dienstag. "Hier werden die Kapazitäten bei gleichem Passagieraufkommen zurückgefahren - das führt erfahrungsgemäß zu höheren Preisen."

Das Beispiel der 2017 pleitegegangenen Fluggesellschaft Air Berlin habe gezeigt, dass es extreme Preissteigerungen auf den innerdeutschen Strecken gab. Er bedauere die Einstellung des Flugbetriebes bei Germania sehr, denn das Berliner Unternehmen sei mit rund 30 Flugzeugen die letzte große, unabhängige deutsche Airline gewesen, betonte Wöhrl.

Germania-Insolvenz: Welche Flughäfen sind betroffen?

Die Fluggesellschaft bediente viele deutsche Flughäfen, darunter auch vier, die aus der Region Bayerisch-Schwaben besonders schnell zu erreichen sind:

Flughafen München: In der bayerischen Landeshauptstadt sind die Auswirkungen der Germania-Insolvenz gering. Mit neun Flügen pro Woche oder 0,3 Prozent der Flüge ab München sei ihr Angebot wenig ins Gewicht gefallen, sagte ein Flughafensprecher. Germania flog ab München regelmäßig sechs Städte an: Beirut, Erbil, Hurghada, Sulaymaaniya, Sharm el Sheik und Pristina. Außerdem bot sie Einzel- und Charterflüge an.

Flughafen Nürnberg: Am Dienstag wurden vier Flüge ab Nürnberg annulliert. Für den Flughafen ist die Insolvenz von großer Bedeutung, weil Germania ein Hauptkunde ist. Seit dem Marktaustritt von Air Berlin war die Gesellschaft besonders stark gewachsen und hatte sich in Nürnberg als größte Airline in der Touristik etabliert. In diesem Jahr flog Germania laut Flughafengesellschaft von Nürnberg aus zu 29 Zielen in 12 Ländern.

Flughafen Friedrichshafen: Mit der Insolvenz bricht dem Bodensee-Airport Friedrichshafen ein großer Teil des Angebots weg. Im vergangenen Jahr sei etwa ein Drittel aller gut 540.000 Passagiere am Bodensee mit Germania geflogen, wie der Flughafen mitteilte. Zuletzt war die Airline fünfmal pro Woche von Friedrichshafen gestartet.

Flughafen Stuttgart: Germania hatte bislang vier Mal pro Woche Hin- und Rückflüge nach Pristina im Kosovo angeboten. Die Auswirkungen für den Stuttgarter Flughafen sind damit vergleichsweise gering.

Wie kommen Germania-Kunden, die sich im Ausland befinden, nach Hause?

Mehrere deutsche Airlines boten Germania-Passagieren, die sich im Ausland befinden, verbilligte Tickets für die Rückflüge an. Die größten Überschneidungen in den Flugplänen gebe es mit der Tochter Eurowings, erklärte ein Lufthansa-Sprecher. Die Angebote richten sich insbesondere an Passagiere, die nicht mit einem Pauschalreiseveranstalter unterwegs sind.

Im Ausland gestrandete Germania-Kunden könnten für Rückflüge bis Ende Februar 2019 ab sofort auf der Eurowings-Seite Flüge buchen und erhielten im Nachhinein die Hälfte des Flugpreises erstattet. Das gleiche Verfahren bietet Tuifly an. Condor will Germania-Gäste ebenfalls für die Hälfte transportieren, sofern im Standby-Verfahren Plätze frei sind. 

Zusätzlich soll auf der Internetseite der Lufthansa in den kommenden Tagen ein Buchungsverfahren eingerichtet werden, mit dem verbilligte Tickets der Netzwerk-Airlines Lufthansa, Swiss und Austrian gebucht werden können. Hier sind pauschale Nettopreise von 50 Euro (Europa) und 200 Euro (Naher Osten) geplant.

Ticket bereits gekauft: Bekommen Kunden ihr Geld zurück?

Darauf gibt es zwei unterschiedliche Antworten - je nachdem, über welche Wege Kunden ihre Tickets bezogen haben.

Germania-Flug im Rahmen einer Pauschalreise: Wer seinen Germania-Flug im Rahmen einer Pauschalreise gebucht hat, soll sich laut Mitteilung der Fluggesellschaft direkt an seinen Reiseveranstalter wenden, um eine Ersatzbeförderung zu erhalten.

Ticket direkt bei Germania gekauft: Bei Kunden, die ihr Ticket direkt bei Germania gekauft haben, gestaltet sich die Lage problematischer: Sie gehören ab sofort zu den Gläubigern und können ihr Geld nur im Rahmen des Insolvenzverfahrens zurückbekommen. Nach Angaben von Germania hätten sie aufgrund der Gesetzeslage keinen Anspruch auf Ersatzbeförderung. (AZ/dpa/lby)

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel wird laufend für Sie aktualisiert.

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