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Buchloe

26.06.2017

Getränkehändler Fristo rebelliert gegen Großbrauerei

Diese Biermarken suchen Kunden beim Buchloer Getränkehändler Fristo vergeblich.
Bild: Daniel Karmann

Die Unternehmenskette Fristo aus Buchloe hat alle Produkte des Bier-Konzerns AB InBev aus dem Sortiment genommen, darunter auch Beck's und Franziskaner. Was steckt dahinter?

Kunden, die ihren Durst mit Franziskaner Weißbier, einem Hellen von Löwenbräu oder einem kühlen Corona mit Limette löschen wollen, stehen derzeit vor leeren Regalen – zumindest in Filialen der Getränkemarkt-Kette Fristo. Denn das Buchloer Unternehmen hat kürzlich alle Produkte der Großbrauerei Anheuser-Busch InBev (kurz: AB InBev) aus dem Sortiment genommen.

Eigenen Angaben zufolge ist die AB InBev die größte Brauereigruppe der Welt, vertreibt mehr als 500 Biermarken. Darunter finden sich deutsche Traditionsmarken wie Franziskaner Weißbier, Löwen- und Spatenbräu, Beck’s und Hasseröder, aber auch das US-amerikanische Budweiser oder das aus Mexiko stammende Corona.

Fristo sollte sich angeblich an niedrige Aktionspreise halten

Der Grund, warum Fristo die Produkte nicht mehr verkauft: "Wir können und wollen uns keine Preise vorschreiben lassen", sagt Geschäftsführer Andreas Brügel. Die Brauereigruppe habe von der Getränkemarkt-Kette gefordert, bestimmte – sehr niedrige – Aktionspreise einzuhalten. "Das hat zu sehr an unserer unternehmerischen Freiheit gerüttelt", erklärt Brügel. "Das konnten wir nicht mehr mitmachen."

Getränkehändler Fristo rebelliert gegen Großbrauerei

Mit Zetteln, die derzeit in den deutschlandweit mehr als 220 Filialen aushängen, informiert Fristo die Kunden: "AB InBev hat versucht, uns als mittelständisches Unternehmen unter Druck zu setzen", ist dort zu lesen. Einkaufskonditionen seien von bestimmten Preisvorgaben abhängig gemacht worden. In nachfolgenden Verhandlungen habe die Brauereigruppe die bisherigen Konditionen so verändert, dass Fristo die Produkte dem Kunden sehr teuer hätte anbieten müssen.

Großbrauerei AB InBev widerspricht

Genaue Preise, die die Getränkemarkt-Kette von den Kunden hätte verlangen müssen, will Brügel nicht nennen. Nur so viel: "Es wäre für uns unwirtschaftlich gewesen."

Oliver Bartelt, Unternehmenssprecher von AB InBev, sieht das anders: "Es ging zu keiner Zeit um Erhöhungen der Abgabepreise an den Endverbraucher. Die bestimmt ausschließlich der Handel."

Die auf den Infozetteln formulierten Aussagen seien Bartelt zufolge weder rechtlich noch inhaltlich haltbar. Die Brauereigruppe habe die Getränkemarktkette dazu aufgefordert, die Zettel umgehend zu entfernen. Dennoch sei AB InBev "sehr an einer Fortführung der Gespräche interessiert" und habe das der Getränkemarkt-Kette auch mitgeteilt.

Auch beim Bier gilt nun: Regional statt international

Für Fristo-Chef Andreas Brügel kommt das jedoch nicht in Frage: "Die Tür ist zu, die Gespräche sind endgültig gescheitert." Fristo müsse schließlich auch seinen Kunden gegenüber konsequent sein. Ein Trend komme den Getränkemärkten dabei zugute: "Der Markt hat sich stark gewandelt, heute zählt die Regionalität", sagt Brügel. "Verbraucher wollen wissen, wo Produkte herkommen." Statt Bier vom Brauerei-Multi entscheiden sie sich lieber für eine regionale Alternative.

Und was sagen die Kunden? "Die begrüßen unsere Entscheidung größtenteils", sagt Brügel. Laut Aussagen seiner Marktleiter wechseln etwa 80 Prozent der Kunden, die Franziskaner, Löwen- oder Spatenbräu wollen, einfach zu anderen Marken – darunter auch Traditionskäufer. "Wir haben mehr als 250 Biersorten im Sortiment. Ich denke, die Auswahl ist groß genug."

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