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Genossenschaftsbanken

25.02.2020

Grüne Geldanlagen: Banken wollen nicht Hilfssheriffs sein

Die Bankenlandschaft ist bei den Genossenschaften in Bewegung.
Bild: Mathias Wild

Plus Der Chef der bayerischen Genossenschaften warnt vor Staatsfinanzierung durch die Hintertür. Zudem steht Schwaben wohl noch eine Bankenfusion bevor.

Nachhaltigkeit ist der Trend der Stunde. Mit etwas Verspätung sucht auch die Finanzindustrie nach Wegen, Nachhaltigkeitskriterien bei Investitionsentscheidungen sichtbar zu machen. Denn, wie die Bundesbank kürzlich in ihrem Monatsbericht geschrieben hat, es gibt eine stetig wachsende Nachfrage nach grünen Anleihen. Auch der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock sagt, Transparenz in Nachhaltigkeitsfragen entscheide immer stärker darüber, ob sich ein Unternehmen das nötige Kapital beschaffen könne oder nicht.

Aber einheitliche Kriterien, wie Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit zu definieren sind, werden gerade erst entwickelt. Ohne diese kann es aber kaum gelingen, Investitionen in Projekte zu leiten, die ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum und eine Abmilderung des Klimawandels fördern sollen. Dieses auch von der EU-Kommission ausdrücklich verfolgte Ziel bereitet dem Genossenschaftsverband Bayern Sorgen.

Jürgen Gros: Banken müssten Nachhaltigkeitsrisiken künftig stärker berücksichtigen

Verbandspräsident Jürgen Gros begründet seine Befürchtungen im Gespräch mit unserer Redaktion mit einer möglichen Gefährdung der Finanzmarktstabilität: „Es macht mir große Sorge, wenn Finanzströme durch Banken ohne tiefere Reflexion in grüne Bereiche geleitet werden sollen.“ Würden grüne Finanzprodukte unter regulatorischen Gesichtspunkten anders behandelt als herkömmliche, etwa durch andere Regelungen in Bezug auf das nachzuweisende Eigenkapital der Banken, könne das zur Entstehung einer Investitionsblase führen.

Grüne Geldanlagen: Banken wollen nicht Hilfssheriffs sein

„Neue Anforderungen in der Bankenregulierung werden dazu führen, dass Banken Nachhaltigkeitsrisiken künftig stärker berücksichtigen müssen“, so Gros. Wenig sachgerecht sei es aber, wenn Banken die Gewährung von Krediten daran knüpfen sollen, ob sich Unternehmen umweltverträglich oder -schädlich verhalten. Zielführender sei es, wenn die Politik etwa den CO2-Ausstoß entschiedener begrenze, um Unternehmen so zum Handeln zu zwingen. Die dann nötigen Investitionen würden die Unternehmen aus dem Eigenkapital stemmen oder über einen Kredit finanzieren. „Nur weil der Politik dafür vielleicht der Mut fehlt, darf sie sich mit den Banken nicht einen Hilfssheriff suchen“, sagt Gros.

Der Bund gibt noch heuer eine grüne Anleihe heraus

Auch Staaten begeben immer häufiger grüne Anleihen. Noch in der zweiten Hälfte dieses Jahres will der Bund seine erste grüne Anleihe auf den Markt bringen. Angesichts Brüsseler Überlegungen, grüne Staatsschulden nicht auf die Verschuldungskriterien des Stabilitäts- und Wachstumspakts anzurechnen, mahnt Gros zur Vorsicht bei diesem Finanzierungsinstrument: „Es darf nicht eine neue Assetklasse geschaffen werden, mit der sich der Staat gleich doppelt privilegiert: Zum einen, weil diese Anleihen nicht auf die Staatsverschuldung angerechnet werden, und zum anderen, weil dafür keine Eigenkapitalunterlegung gefordert ist. Käme es dazu, wäre das eine an Unverschämtheit nicht zu überbietende Umgehung des Stabilitäts- und Wachstumspakts.“

Wenig Hoffnung hat Gros in Bezug auf eine baldige Änderung der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank. „Die EZB ist zum zentralen politischen Akteur in Europa geworden. Sie sorgt dafür, dass Staaten nicht pleitegehen und Zinsaufwand sparen. Würden die Staaten die Zinspolitik der EZB ernst nehmen, würden sie die niedrigen Zinsen nutzen und sich entschulden.“ Opfer der Nullzinspolitik seien Sparer und die Altervorsorgesysteme. Aber Gewinner gäbe es auch: „Der Bund hat im letzten Jahrzehnt 250 Milliarden Euro an Zinsaufwand gespart. Betrachtet man alle öffentlichen Haushalte in Deutschland, dann liegt die Ersparnis bei 436 Milliarden Euro.“

Gros rechnet für 2020 mit elf Bankenfusionen in Bayern

Auch auf einem anderen Feld können sich die Genossenschaftsbanken nicht den Entwicklungen in der Branche entziehen. Für das Jahr 2020 rechnet Gros in seinem Verband mit elf Fusionen in Bayern. Zwei davon treffen Schwaben. Der Zusammenschluss der Bayerischen Bodenseebank Raiffeisen in Lindau mit der Volksbank Lindenberg ist schon beschlossen. Doch es steht wohl noch eine zweite Fusion an, die Gros aber noch nichts kommetieren will. Von den aktuell 41 Genossenschaftsbanken würden nach beiden Fusionen noch 39 bestehen bleiben. Auch die Filialstruktur würde sich weiter konsolidieren. „Ich will nicht ausschließen, dass der ein oder andere Bankdirektor darüber nachdenkt, sein Filialnetz zu straffen“, so Gros.

Auch Regionalbanken bräuchten heute mehr Spezialisten, um die hohe Beratungskompetenz anzubieten, die der Kunde erwarte. In der Summe führe das dazu, dass die Zahl der Beschäftigten in Bayern bis zur Mitte der 2020er Jahre von aktuell knapp 32.000 auf deutlich unter 30.000 sinken werde. Von derzeit 227 Volks- und Raiffeisenbanken dürften dann rund 180 übrig sein.

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