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05.05.2020

Günstig tanken: Wo jetzt ein Liter Diesel weniger als einen Euro kostet

In vielen deutschen Städten ist der Preis für Diesel zum Wochenstart unter einen Euro pro Liter gefallen.
Bild: Stefan Puchner, dpa

Der Verfall des Ölpreises in der Coronakrise zeigt sich an den Tankstellen. Ein Liter Diesel kostet teilweise weniger als einen Euro – und es könnte so bleiben.

Kaum zwei Wochen ist es her, als der Ölpreis tief in den Keller rauschte. So tief gar, dass Verkäufer Geld zahlen mussten, um das schwarze Gold loszubekommen – einmalig in der Geschichte des Ölhandels. Fürs Tanken wurden die Autofahrer – analog dazu – bislang zwar nicht bezahlt, das Chaos am Ölmarkt ist nun aber an den Zapfsäulen angekommen.

Zum Wochenstart kostet ein Liter Diesel an vielen Tankstellen nicht mal mehr einen Euro. Auch Benzin ist aktuell so günstig wie lange nicht. Können sich Autofahrer in den schwierigen Zeiten der Corona-Krise nun zumindest langfristig über sagenhafte Spritpreise freuen?

Günstiger Sprit: Preise könnten weiter niedrig bleiben

Hoffnung macht jedenfalls der Blick auf den aktuellen Trend. So war der Sprit im April im Schnitt um über acht Cent günstiger als noch im März. Zu diesem Ergebnis kommt die monatliche Marktauswertung des ADAC. Benzin sei im Monatsmittel sogar so billig wie zuletzt vor elf Jahren. Ein Liter Super E10 kostete im Bundesmittel 1,17 Euro und damit über elf Cent weniger als im Vormonat. Bei Diesel war der Rückgang dem ADAC zufolge mit 7,2 Cent auf 1,08 Euro je Liter etwas moderater.

Sprecherin Katharina Lucà erklärt diesen Umstand wie folgt: "Der Dieselpreis ist nicht ganz so stark gefallen wie der Benzinpreis, da derzeit ungewöhnlich viel Heizöl gekauft wird." Denn der Preissturz beim Rohöl schlägt sich auch auf den Wert des Heizöls nieder. So kosteten 100 Liter zeitweise im Schnitt nur noch knapp 50 Euro – der niedrigste Stand seit 2017. Zu Beginn des Jahres waren es noch rund 70 Euro gewesen.

Und das Rohöl wird nach wie vor in kaum für möglich gehaltenen Sphären gehandelt. Ein Fass der Sorte Brent kostet derzeit gut 26 Dollar – zwei Drittel weniger als im Januar. Davon profitieren nun auch die Autofahrer. Gerade zu Monatsbeginn sei der Sprit aktuell besonders günstig, berichtet die ADAC-Sprecherin.

So war der teuerste Tanktag bei Super E10 der 1. April mit 1,21 Euro pro Liter. Am günstigsten wiederum war Benzin am vergangenen Donnerstag, dem 30. April, mit 1,13 Euro je Liter. Der Benzinpreis fiel demnach im Monatsverlauf um 8,5 Cent für Super E10 – und um 8,1 Cent bei Diesel.

Augsburgs Tankstellen bieten kein Diesel unter einem Euro pro Liter an

In Augsburg bot am Montag dennoch keine der gemeldeten Tankstellen den Treibstoff für weniger als einen Euro an. In der Region konnten Sparfüchse allerdings durchaus fündig werden. Zum Beispiel an der „Starkstelle“ in Wertingen. Hier kostete ein Liter Diesel den ganzen Tag über 97 Cent. Für einen Liter Super E10 verlangte die Tankstelle 1,02 Euro.

Erfreut ist Stefan Wagner, der Geschäftsführende Gesellschafter, darüber nicht: „Der Realpreis ohne Steuern wäre für einen Liter Benzin gerade mal 25 Cent – da kostet sogar das Wasser im Supermarkt mehr.“ Denn auf Diesel fallen netto 47,34 Cent und auf Benzin 65,72 Cent Steuer an – dazu kommt noch die Mehrwertsteuer. Wagner: „Ich denke, man kann die Lage schon als dramatisch bezeichnen – sie ist auf jeden Fall anders als sonst um diese Zeit.“

Den außergewöhnlich niedrigen Spritpreis erklärt Wagner anhand mehrerer Faktoren. Wegen der Corona-Krise sei die Nachfrage nach Öl aktuell sehr gering, der Luftverkehr und die Wirtschaft stünden still und wegen der Ausgangsbeschränkungen seien sehr viel weniger Autos unterwegs, sagt der Tankstellenleiter: „Die Öllager sind voll und die Raffinerien haben mit der Produktionsumstellung von Kerosin auf Benzin und Diesel zu kämpfen.“

Tankstellen-Betreiber erwartet auch in den kommenden Monaten günstige Sprit-Preise

Die „Starkstelle“ in Wertingen liegt an einer Umgehungsstraße, deshalb würden dort zumindest viele Pendler vorbeikommen. In den vergangenen Tagen sei auch schon wieder etwas mehr getankt worden und die Situation sei nun nicht mehr so akut wie noch zu Beginn der Ausgangsbeschränkungen. „Aber bei uns ist schon immer noch deutlich weniger los“, berichtet Wagner.

Was den Spritpreis angeht, wagt er einen Blick in die Glaskugel: „Meine persönliche Einschätzung ist, dass wir auch das gesamte zweite Quartal über günstige Spritpreise sehen werden.“ Es könne natürlich moderate Schwankungen geben, sagt Wagner: „Aber ich denke, im Großen und Ganzen werden die Preise vorerst stabil bleiben.“ Das hänge längerfristig aber auch davon ab, ob und wie die Wirtschaft wieder hochgefahren wird: „Man darf da auch nicht nur den kleinen deutschen Markt betrachten, sondern muss den weltweiten Markt im Blick behalten.“

Lesen Sie dazu auch: Öl-Kartell Opec: Öl-Förderung wird im Mai und Juni gedrosselt

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