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IHK Schwaben

09.01.2019

Hartmut Wurster kämpft für billigeren Strom

"Die Deutschen wollen in der Energiefrage Musterschüler sein", sagt Hartmut Wurster. "Manchmal sägen wir aber an dem Ast, auf dem wir sitzen."
Bild: Ulrich Wagner

Der Augsburger Unternehmer Hartmut Wurster warnt, dass Deutschland Wohlstand verspielen könnte, wenn Energie zu teuer wird.

Im Augsburger Raum kennen viele Hartmut Wurster als den Mann, der lange Zeit an der Spitze der UPM-Papierfabriken stand. Angefangen hatte er, als das Augsburger Werk noch der Familie Haindl gehörte. Ganze 26 Jahre lang hat Wurster die Geschicke der Papier-Welt gelenkt, bis ins Jahr 2014 führte er die deutschen Standorte des finnischen Papierkonzerns UPM, im Konzernvorstand in Helsinki war er zunächst für das weltweite Zeitungsdruckpapiergeschäft verantwortlich, dann Entwicklungsvorstand.

Das Schicksal der Industrie treibt den 63-Jährigen auch danach um. Ein Thema beschäftigt ihn besonders: die Energie. Denn Hartmut Wurster befürchtet, dass vieles in der Energiewende falsch läuft.

Hartmut Wurster: "Höherer Energiepreis durch den Kohleausstieg"

Der langjährige Firmenlenker ist bekannt für seine eigene, unverkennbare Position in Energiefragen. Statt Euphorie steht er für Realismus: „Wir müssen aufpassen, dass wir durch die Art, wie Deutschland auf erneuerbare Energien umstellt, die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft nicht massiv belasten“, warnt Hartmut Wurster. „Mit dem Kohleausstieg werden Energiepreise nochmals massiv nach oben gehen.“

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Unterhält man sich mit ihm, trifft man einen Mann, der die Bedürfnisse der Industrie gut kennt und für sie eintreten will. Er befürchtet, dass die Wirtschaft ungewollt unter die Räder kommen könnte. „Deutschland verdankt seinen Wohlstand und seine Beschäftigung einer wohllaufenden Wirtschaft“, ist er überzeugt. Deshalb tritt er für realistische, pragmatische Lösungen ein. Traumtänzerei ist seine Sache nicht. In seiner ehrenamtlichen Arbeit bei der Industrie- und Handelskammer Schwaben hat sich Hartmut Wurster in 14 Jahren einen Ruf als konstruktiver Mahner erarbeitet.

„Rund um die Energiewende und den Systemwechsel der Energieerzeugung sind viele Emotionen im Spiel. Mit mehr Realismus käme man häufig besser ans Ziel“, kritisiert Wurster. „Ich hätte mir mehr Gedanken über den Tellerrand hinaus in Richtung Technologie-Offenheit gewünscht.“ Als stellvertretender Präsident der Industrie- und Handelskammer Schwaben will Wurster bei der anstehenden Neubesetzung des IHK-Präsidiums zwar nicht mehr antreten. Seine Sorgen um die Wirtschaft treiben ihn aber weiter um.

Sägen wir am Ast, auf dem wir sitzen?

Wurster kämpfte dafür, dass auf dem Weg zu einer grünen Stromversorgung die Elektrizität bezahlbar bleibt und die Versorgungssicherheit gewährleistet ist. „Die Deutschen wollen in der Energiefrage mit nationalen Alleingängen Musterschüler sein. Manchmal sägen wir aber an dem Ast, auf dem wir sitzen“, mahnt er und nennt zwei Punkte, an denen die Energiewende in seinen Augen derzeit krankt.

Ein Punkt ist der Ausstieg aus Kernkraft und Kohle – mit all den Folgen: „Was passiert, wenn das Kernkraftwerk Gundremmingen Ende 2021 abgeschaltet wird?“, fragt er und liefert die für ihn besorgniserregende Antwort gleich mit: „Dann müssen wir uns in Schwaben auf den Stromimport über große, noch nicht fertiggestellte Leitungen verlassen, weil es in der Produktionsregion keine grundlastfähige Kapazität mehr gibt.“

Hartmut Wurster fordert Energiespeicher für die Dunkelflaute

Und noch einen wunden Punkt sieht Wurster: „Wir können so viel Photovoltaikanlagen und Windräder bauen wie wir wollen, das alles hilft uns nicht in Zeiten der Dunkelflaute, wenn kein Wind weht und die Sonne nicht scheint.“ Dringend müssten Technologien zur Energiespeicherung gefördert werden. Denn: „Wenn man aussteigt, muss man anderswo einsteigen.“

Für den Familienvater ist die Energiewende kein Selbstzweck: „Alles, was wir tun, muss dem Klima etwas bringen“, lautet seine Überzeugung. Durch hohe Strompreise die energieintensiven Grundstoffindustrien wie die Papierindustrie aus Deutschland zu vertreiben, wäre für ihn deshalb fatal: „Die heimischen Werke gehören zu den effizientesten weltweit, ob es um Stahl, Aluminium, Glas oder Zement geht. Fände die Produktion im Ausland statt, wären die Emissionen viel höher.“

Auch wenn Wurster sein Engagement bei der IHK beendet, ein Geschäftsmann wird er bleiben. Er arbeitet als Unternehmensberater und Aufsichtsrat. Daneben ist er geschäftsführender Gesellschafter des Augsburger Start-ups CattleData, das sich mit der Digitalisierung in der Landwirtschaft beschäftigt.

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09.01.2019

Schön, dass die Augsburger Allgemeine Stimmen der Vernunft so viel Raum gibt. Ein besonders leuchtendes Beispiel dafür ist das Gespräch mit Herrn Wurster.
Er weiß aus langjähriger Erfahrung, wovon er spricht. Und er warnt deshalb nicht von ungefähr vor einer fatalen Entwicklung: Auch noch so gut gemeinte Maßnahmen zum Beispiel im Energiebereich können die im Vergleich mit anderen Ländern umwelteffiziente Produktion in Deutschland in einem Ausmaß verteuern, dass diese ins Ausland mit höheren Emissionen verlagert werden muss. Das würde zu weniger Wohlstand und Beschäftigung in Deutschland führen, obwohl dem Weltklima damit möglicherweise gar nicht gedient wäre. Im Extremfall ein „CO2-Paradoxon“!

Machen wir uns nichts vor: Deutschland ist klimapolitisch eher ein „Zwerg“. Unser Anteil an den weltweiten CO2-Emissionen beträgt lediglich gut 2 %. Demgegenüber lauten die Werte für die USA 16 % und für China sogar 28 %.
Auf diese „CO2-Großmächte“ kommt es an! Tatsächlich aber scheint es fast, als würde es ihnen um anderes mehr gehen als um das Weltklima: den USA um Gegenwartskonsum und China um das Ziel, zur stärksten Wirtschafts-, Technologie- und - am Ende wohl auch - Militärmacht der Welt aufzusteigen.
Aber worum geht es uns? Warum sollten wir unsere Industrie aufs Spiel setzen? Wir brauchen mehr Stimmen der Vernunft!

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