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Interview
06.09.2021

Münchner Messe-Chef: Wir gehen auf die Auto-Kritiker zu

Klaus Dittrich ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München.
Foto: Sven Hoppe, dpa

Messe-Chef Klaus Dittrich verspricht sich viel von Diskussionen auf der IAA Mobility in München. Er warnt Demonstranten jedoch davor, zu weit zu gehen.

Herr Dittrich, mit der IAA Mobility in München startet das Messewesen wieder so richtig.

Klaus Dittrich: Das ist die erste große Messe in Europa seit eineinhalb Jahren. Diese Nagelprobe klappt. Wir wollen ein Leuchtturm für die ganze Messebranche weltweit werden. Wir sind bestens vorbereitet, und wir in München haben schon Erfahrungen gesammelt, wie sich Messen unter Corona-Bedingungen durchführen lassen. Natürlich gelten für die Besucherinnen und Besucher die Corona-Regeln wie Abstand halten und Masken tragen, unsererseits haben wir etwa die Belüftungsanlagen für die Corona-Zeiten verbessert. Hallen und Stände werden in kürzeren Abständen gereinigt und desinfiziert. Zutritt zu der Veranstaltung hat, wer genesen, geimpft oder zumindest getestet ist. Der Besuch der IAA Mobility ist sicher.

Was bleibt München von der IAA?

Dittrich: Etwa die Erfahrungen, die wir mit der Umweltspur – also der Blue Lane – sammeln. Hier können während der Messezeit auf einer zwölf Kilometer langen Strecke zwischen Messe und Innenstadt emissionsfreie Fahrzeuge auch von Messegästen getestet werden. Auf einem 5,1 Kilometer langen Teilabschnitt je Fahrtrichtung auf der A94 richten wir zudem vorübergehend eine Umweltspur ein, die nur Elektrofahrzeuge und Fahrgemeinschaften nutzen dürfen und damit schneller vorankommen. Dazu verwenden wir die Standspur.

Bekommt München dauerhaft eine Umweltspur?

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Dittrich: Experten werden die mit der Blue Lane gesammelten Erfahrungen auswerten. Vielleicht bekommt München als Ergebnis der IAA Mobility dauerhaft eine solche Umweltspur. München bekommt als Ergebnis der IAA auf alle Fälle Deutschlands größte Elektro-Schnellladestation. München soll mit der IAA Mobility also – ähnlich wie das 1972 mit den Olympischen Spielen geschah – weiter entwickelt werden.

Mit wie vielen Zuschauerinnen und Zuschauern rechnen Sie?

Dittrich: Die Besucherzahl für die Hallen ist begrenzt. Hinzu kommen alle Besucher in der Innenstadt, auf der Blue Lane und die Zuschauer der digitalen IAA Mobility im weltweiten Live-Stream. Das werden sehr viele sein, die sich nun aber anders zusammensetzen. Wir messen die IAA Mobility deshalb nicht mit den Besucherzahlen der letzten IAA in Frankfurt. Qualität und digitale Reichweite der Veranstaltung sind uns in 2021 wichtiger als die alten Besucherzahlen. Gerade in Corona-Zeiten geht es nicht um solche Rekordzahlen. Neu ist auch, dass wir Diskussionen rund um die Mobilität auslösen wollen und mit Kritikern ins Gespräch kommen. Die IAA Mobility geht auch auf die Auto-Kritiker zu und hat sie nach München eingeladen.

Doch es drohen harte Proteste wie bei der letzten IAA in Frankfurt. Das Bündnis „No IAA“ nimmt für sich in Anspruch, die Automesse aus Frankfurt vertrieben zu haben, und will daran jetzt in München anknüpfen.

Dittrich: Dieses Bündnis hat nicht die IAA aus Frankfurt vertrieben. Der VDA hat vielmehr ein neues Konzept gesucht und München hat das Rennen gemacht. Dass die IAA nach München vergeben wurde, hängt auch damit zusammen, dass München eine der sichersten Großstädte ist. Schließlich findet hier die Sicherheitskonferenz statt. Friedliche Proteste sind völlig in Ordnung. Wir ziehen jedoch eine klare Grenze: Jeder Gesetzesbruch wird von den Behörden nicht toleriert.

Wo kann sich der Protest entladen?

Dittrich: Es wird eine große Fahrrad-Sternfahrt nach München geben. Außerdem ist München groß genug für viele Demonstrationen. Wenn die Kritiker erkennen, dass die IAA keine reine PS-Show mehr ist, sondern auch Platz für Fahrradhersteller und andere Verkehrsträger bietet, müssen sie diese neue Mobilitätsmesse gut finden.

Demnach wäre das Ziel erreicht, wenn das „No IAA“-Bündnis einen Messestand bei ihnen bucht.

Dittrich: Das wäre perfekt. So etwas ist uns schon gelungen. Greenpeace hat etwa bei der Sportartikelmesse Ispo demonstriert, weil moderne Sporttextilien nicht gerade umweltfreundlich sind. Am Ende hat Greenpeace einen Stand auf der Ispo gebucht, um in Dialog mit der Sportartikelbranche zu treten.

Befürchten Sie in München Chaos-Szenen wie beim G20-Gipfel in Hamburg im Jahr 2017?

Dittrich: Nein. Solche Szenen wollen wir in München unter keinen Umständen sehen.

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