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Autoindustrie

28.01.2020

IG Metall sorgt sich um Jobs in Schwaben und Franken

Allein bei Zulieferern stehen in Bayern bis zu 55.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel.
Foto: Jan Woitas/zb, dpa (Symbolfoto)

Plus Für Bayerns IG-Metall-Chef Johann Horn droht in beiden Regionen der größte Beschäftigungsabbau, wenn nicht gegengesteuert wird.

Eine Umfrage der IG Metall unter Firmen hat erschreckende Ergebnisse erbracht: Demnach haben allein in Bayern die Verantwortlichen der Hälfte aller Autozuliefer-Betriebe, die zu mehr als 75 Prozent vom Verbrennungsmotor abhängen, zu der Technologie noch keine Alternative entwickelt, ja keine Ideen für die Zukunft. Dabei sehen sich die Unternehmen durch die E-Mobilität und die Digitalisierung einem heftigen Wandel ausgesetzt. In der Studie hat die Gewerkschaft 251 Betriebe aus den Reihen der Autohersteller und deren Zulieferer mit 332.000 Beschäftigten einbezogen. Dabei kam zum Vorschein, dass die Lage im Freistaat unterschiedlich ist. Bayerns IG-Metall-Chef Johann Horn hat erkannt: „Die größten Beschäftigungsrisiken bestehen in Franken und Schwaben.“ Dort drohe in der Autobranche ein größerer Beschäftigungsabbau, wenn nicht gegengesteuert werde.

Ifo-Institut: Rund 137.000 Arbeitsplätze grundsätzlich vom Technologiewandel betroffen

In dem Zusammenhang ist eine Studie des Münchner Ifo-Instituts interessant: Danach sind rund 137.000 Arbeitsplätze im Freistaat grundsätzlich vom Technologiewandel betroffen. Natürlich gelten Jobs als umso gefährdeter, je intensiver die Betriebe vom klassischen Antriebsstrang im Auto abhängen. Allein bei Zulieferern stünden in Bayern bis zu 55.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. In Schwaben sind nach der Untersuchung maximal 4900 Arbeitsplätze gefährdet.

Bayerns IG-Metall-Chef Johann Horn fordert die Politik zum Gegensteuern für die Autoindustrie auf.
Foto: Ulrich Wagner

Noch schützen aber Vereinbarungen von Betriebsräten und Geschäftsleitungen viele Arbeitsplätze in der kriselnden Branche. Auf solche Beschäftigungsgarantien ist die IG Metall im Zuge der Untersuchung bei 37 Betrieben mit 180.000 Mitarbeiter gestoßen. Die betroffenen Beschäftigten – etwa bei Audi in Ingolstadt – sind also durch die Verträge geschützt. Doch Gewerkschafter Horn verweist darauf, dass die Zahl der unter solche Regelungen fallenden Menschen über die Jahre abnehmen werde. Wie will er also gegensteuern, um deutliche Arbeitsplatzabschnitte in der Autoindustrie zu verhindern?

IG-Metall-Chef Horn sieht den Staat in der Pflicht

Der IG-Metall-Chef setzt auf „eine proaktive regionale Strukturpolitik“. Damit meint er, dass besonders vom Umbruch gebeutelte kleine und mittlere Autozulieferer finanzielle Förderungen erhalten sollen. Horn sieht den Staat in der Pflicht. Was für ihn bemerkenswert ist: „Schon melden sich viele Bürgermeister und Landräte bei den Betriebsräten vor Ort oder der IG Metall.“ Es werde also der Schulterschluss gesucht zwischen Politik und Gewerkschaften.

Ein derartiges Bündnis hat sich auf Bundesebene schon einmal bewährt, nachdem im Zuge der Finanzmarktkrise in den Jahren 2008 und 2009 rasches Handeln zur Sicherung von Arbeitsplätze gefragt war. Mit Geld allein ist aus Sicht des bayerischen Gewerkschafters indes nicht getan: „Die Beschäftigten müssen auch für neue Tätigkeiten qualifiziert werden.“ Hierbei bringt die IG Metall vor allem das Modell der Verbindung von Kurzarbeit und Qualifizierung ins Spiel. In erster Linie seien jedoch die Unternehmen selbst in der Pflicht, Beschäftigte weiterzubilden. Doch einige Firmen gehen ganz andere Wege. Was Horn hierbei besonders ärgert: „Manche Unternehmen nutzen den Umbruchprozess, um die Produktion zu verlagern.“ So will der Autozulieferer Harman sein Werk in Straubing schließen. Gleiches hat Conti für den Standort Roding bei Cham vor.

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