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Corona-Krise

14.05.2020

Ifo-Chef Fuest warnt trotz massiver Steuerausfälle vor Sparkurs

Clemens Fuest leitet das ifo-Institut.
Bild: Kay Nietfeld, dpa

Exklusiv Fuest warnt vor Abgabenerhöhungen und sagt, Deutschland werde den Schuldenberg der Corona-Krise schwerer abbauen können als nach der Finanzkrise 2009.

Ifo-Chef Clemens Fuest warnt trotz wegbrechender Staatseinnahmen und hoher Ausgaben zur Bewältigung der Corona-Krisenfolgen vor Steuererhöhungen und harten Sparmaßnahmen. „Für die nächsten Jahre müssen wir uns darauf konzentrieren, dass das Wirtschaftswachstum wieder anspringt“, sagte der Münchner Wirtschaftsprofessor der „Augsburger Allgemeinen“ (Freitagausgabe). „Wenn das geschafft ist, wird zu prüfen sein, ob Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen nötig sind“, fügte er hinzu. „Dafür ist jetzt und in naher Zukunft aber der Zeitpunkt falsch.“ Erst wenn die Wirtschaft wieder wachse, solle man sich auf die Sanierung der Staatsfinanzen konzentrieren.

Fuest: Deutschland wird sich nicht so schnell von Schuldenberg erholen

Fuest wies allerdings Hoffnungen zurück, Deutschland werde den Schuldenberg bei einem Anspringen der Konjunktur ähnlich schnell wieder abbauen können, wie nach der internationalen Finanzkrise: „Nach der Finanzkrise hat der deutsche Staat seine Schuldenquote durch Wachstum und sinkende Zinsen ohne größere Anstrengungen wie Steuererhöhungen oder Ausgabenkürzungen senken können“, sagte der Ökonom. „So leicht wird es nach der Corona-Krise nicht wieder.“

Die Schulden würden Deutschland  auf absehbare Zeit erhalten bleiben: „Es wird eher darum gehen, die Schuldenquote, also das Verhältnis aus Staatsschulden und Wirtschaftsleistung, zu stabilisieren und nicht immer weiter ansteigen zu lassen“, sagte er. „Bei niedrigen Zinsen, und sofern das Wirtschaftswachstum zurückkehrt, ist das auch gut möglich.“

Muss der Staat noch mehr Geld zur Verfügung stellen?

Bei einem großen Teil der Staatshilfen handle es sich zudem um Garantien und Kredite. „Das ist nicht Geld, das ausgegeben wird und dann nicht mehr verfügbar ist“, betonte der Chef des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts. „Ob das reicht, weiß derzeit niemand. Alles hängt davon ab, wie sich die Pandemie und die Maßnahmen zu ihrer Eindämmung entwickeln“, sagte er. „Ich vermute, „dass der Staat noch einmal, vielleicht mehrfach, nachlegen und die Hilfen ausweiten muss“, sagte Fuest.

Es sprächen viele Gründe dafür, dass die Zinsen vorerst niedrig bleiben. „Das begünstigt die Erholung, ist allein aber nicht hinreichend“, betonte der Ökonom. „Wir brauchen die Bereitschaft zu Leistung und zur Übernahme unternehmerischer Risiken.“

Das ganze Interview mit Clemens Fuest lesen Sie hier.

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17.05.2020

Fuest hat recht. Wir müssen umdenken und mehr Schulden zulassen. Das ist ein Gebot praktischer Vernunft.

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