1. Startseite
  2. Wirtschaft
  3. Im Blick der Chinesen: Erst Kuka, dann Osram und jetzt SGL?

Region

12.08.2016

Im Blick der Chinesen: Erst Kuka, dann Osram und jetzt SGL?

Greift ChemChina-Chef Ren Jianxin nach einem Teil von SGL?
Bild: Georgios Kefalas, dpa

Ein chinesischer Investor wird für ein Engagement in der Region heiß gehandelt. Gerüchte sagen, ein Staatskonzern habe Interesse. Ein russischer Oligarch könnte auch angetan sein.

Wieder führt die Spur nach China, dieses Mal zum Staatskonzern ChemChina, also näher ran an das Machtzentrum der Kommunistischen Partei. Nachdem Privatunternehmen aus dem asiatischen Riesenreich zwei Mal in Augsburg eingestiegen sind, zunächst beim Roboterbauer Kuka und dann bei der klassischen Lampensparte des Osram-Konzerns, rückt das nördlich von Augsburg gelegene Meitingen ins Blickfeld der Chinesen.

Dort sitzt mit etwa 1400 Mitarbeitern der wichtigste Standort des deutschen Kohlenstoff-Spezialisten, der SGL Group. Der Chef des Konzerns, Jürgen Köhler, ließ gestern keinen Zweifel mehr daran, den kriselnden Graphitelektroden-Geschäftsbereich bis Ende des Jahres verkaufen zu wollen.

In der Sparte arbeiten rund 200 Mitarbeiter in Meitingen. Graphitelektroden sehen wie ein langer, schwarzer Stab aus. Sie sind notwendig, um Stahlschrott zu schmelzen. Die Verbindungsteile, also die Nippel der Elektroden, werden in Meitingen hergestellt. Dabei ist es ausgerechnet der chinesischen Industriepolitik zu verdanken, dass SGL schon länger große Probleme mit der Graphitelektroden-Sparte hat.

Im Blick der Chinesen: Erst Kuka, dann Osram und jetzt SGL?

Denn in China wird zu viel Stahl produziert, was die Preise für das Material weltweit auf Talfahrt geschickt hat. Darunter leidet wiederum SGL. Die Strategie der Chinesen scheint klar zu sein: Mit Dumpingpreisen zwingen sie weltweit immer mehr Stahl-Produzenten zur Aufgabe. So sinkt natürlich auch die Nachfrage nach Graphitelektroden.

Kritik an der Preispolitik der chinesischen Stahlgiganten

Am Ende, glauben Kritiker, könnten die Chinesen den Stahlmarkt dominieren und die Preise wieder nach oben schrauben. Der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber verweist deshalb darauf: „Wir haben die EU-Kommission im Europaparlament aufgefordert, Anti-Dumping-Maßnahmen für chinesische Stahlimporte zu ergreifen.“

Noch dauert der Preiskrieg an. Die dahintersteckende Strategie der Chinesen könnte erklären, warum ChemChina, der größte Chemie-Konzern des Landes, ausgerechnet Interesse an dem notleidenden SGL-Geschäft hat. Denn langfristig dürfte sich das Investment für ChemChina-Chef Ren Jianxin, 58, rechnen: Ziehen die Stahlpreise nach einer Marktbereinigung an, lassen sich auch Graphitelektroden einträglicher verkaufen. Das wäre gut für die SGL-Mitarbeiter in Meitingen.

Jianxin hat schon den italienischen Reifenhersteller Pirelli gekauft und in München bei KraussMaffei, dem Produzenten von Maschinen zur Produktion von Kunststoff sowie Gummi, zugeschlagen. Dabei handelt es sich natürlich nicht um die gleichnamige Panzerschmiede.

Derzeit steht Jianxin vor der spektakulärsten Aktion seiner Karriere, will er sich doch den Schweizer Pflanzenschutz- und Saatgut-Anbieter Syngenta für 43 Milliarden US-Dollar angeln. Da wäre der SGL-Deal ein kleiner Fisch.

Dem chinesischen Firmen-Aufkäufer eilt der Ruf eines harten Geschäftsmanns voraus. Die Hongkong South China Morning Post bezeichnete ihn als „mysteriösen Mann“. Er sei wahrscheinlich der bedeutendste unbekannte Geschäftemacher. Auch die Amerikaner haben den einkaufslustigen Boss des Staatskonzerns auf dem Radar: Die Zeitung The Seattle Times nennt ihn „Chinas aggressivsten Geschäftemacher“.

Noch ist das Rennen um die SGL-Graphitelektroden-Sparte und damit die Zukunft des Meitinger Nippels allerdings offen. So hieß es in der Vergangenheit immer wieder, auch Finanzinvestoren könnten zum Zuge kommen. Zuletzt wurde hinter den Kulissen aber gemunkelt, einige dieser Interessenten könnten angesichts der derzeitigen problematischen Lage des Graphitelektroden-Bereichs abgesprungen sein.

Dafür gibt es eine neue Spur. An deren Ende kommen Rechercheure in Moskau und in der Schweiz an. Von dort aus betreibt der Milliardär und russische Oligarch Viktor Felixowitsch Vekselberg, 59, seine weitverzweigten Geschäfte. Auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt rangiert er mit einem geschätzten Vermögen von 10,5 Milliarden Dollar auf Platz 98. Seinen Wohlstand verdankt Vekselberg Engagements im Metall- und Energiebereich. Das könnte ein interessantes Bieten werden, wenn er und Jianxin gegeneinander antreten.

Den SGL-Verantwortlichen mag das recht sein. Sie wollen sich stärker auf das Kohlenstofffasergeschäft konzentrieren, was im Sinne von SGL-Großaktionärin und BMW-Mitbesitzerin Susanne Klatten, 54, liegt. Die Unternehmerin setzt auf Kohlenfaserverbundwerkstoffe, wie sie in hohem Maße bei BMW-Elektroflitzern zum Einsatz kommen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

12.08.2016

Im Blick der Chinesen:

Erst Kuka, dann Osram und jetzt SGL?

.

ist doch gut so ....

Deutschlands Wirtschaftswachstum, stützt sich jetzt auf "Emigration" von Schutzbedürftige Menschen.

Wer braucht da noch die HighTech - "Old Economy" ?

Es lebe die Zinspolitik der Alten-Industriesstaaten, die den "know-how" ausverkauf ... mit null Zinsen finanziert.

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren