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Handel

14.02.2014

Immer Ärger mit Süßwaren an der Kasse - damit soll Schluss sein

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„Das will ich aber haben!“ Eltern kennen das regelmäßige Gequengel ihrer Kinder an der Supermarktkasse.
Bild: Fotolia

Vielen Eltern ist die Süßwarenzone am Ende des Supermarkts ein Graus. Längst fordern Verbraucherschützer, sie zu verbannen. Davon könnten sogar die Händler profitieren.

Die Einkaufsliste ist abgearbeitet, der Wagen voll, da kommt für viele Eltern die eigentliche Hürde. An der Kasse geht das Gequengel los. Der Grund: ein breites Regal mit allerlei Süßigkeiten, die genau in greifbarer Höhe für Kinder stehen. „Impulsware“ heißen solche Produkte im Fachjargon, weil Kunden ohne nachzudenken zugreifen. Andere sprechen von der „Quengelware“, abgeleitet von dem Gezeter, das regelmäßig an der Kasse ausbricht.

Süßwaren an der Kasse: Lukratives Geschäft

Das Geschäft kurz vor dem Ausgang ist für den Handel besonders lukrativ: Obwohl der Kassenbereich in der Regel nur ein Prozent der Ladenfläche einnimmt, liegt der Umsatzanteil in Supermärkten nach Daten des EHI Retail Instituts bei sechs bis sieben Prozent, in Warenhäusern immerhin noch bei gut drei Prozent. „Die Umsatz- und Ertragszahlen sind sehr hoch“, sagt EHI-Mann Marco Atzberger. Neben Süßigkeiten machen einer Untersuchung des Instituts zufolge Tabakwaren den größten Anteil der Waren an Kassen aus. Supermarkt macht aus Kunden 3-D-Figuren

Oliver Huizinga von der Verbraucherorganisation Foodwatch hat kein Verständnis für solche Interessen. 15 Prozent der Kinder in Deutschland gelten nach seinen Worten als zu dick. Huizinga macht dafür auch das Überangebot an Süßigkeiten verantwortlich. Foodwatch sieht die Handelskonzerne deshalb in der Verantwortung und startete jüngst eine E-Mail-Aktion, um den Discounter Lidl dazu zu bringen, Süßigkeiten an deutschen Supermarktkassen abzuschaffen.

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In Großbritannien hat Lidl das schon getan. Statt Süßigkeiten werden dort Nüsse und Obst angeboten – offiziell, um Eltern den Einkauf zu erleichtern. Hierzulande sei man aber erst in einer „Projektphase“, sagt eine Sprecherin.

Supermarkt: Gute Erfahrungen mit süßwarenfreier Kasse

Andere Einzelhändler sind da schon weiter: Bei der ebenfalls zur Schwarz-Gruppe gehörenden Kaufland-Gruppe gibt es seit Jahren in jeder Filiale eine extra gekennzeichnete süßwarenfreie Kasse. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Kunden mit kleinen Kindern diese Serviceleistung gerne annehmen“, sagt eine Sprecherin. Stattdessen würden dort Batterien, Handyladekabel, Drogeriewaren oder Einkaufsgutscheine platziert.

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Bild: Foodwatch

Auch Real verzichtet an einzelnen Kassen auf Schokolade und Kaugummis. Das ergebe sich ganz von selbst, da das Unternehmen auch viele andere Produkte wie Telefonkarten, Tabak oder Batterien anbiete, sagt ein Real-Sprecher. Bei Aldi Süd gibt es nach Unternehmensangaben keine grundsätzliche Festlegung in der Süßwarenfrage, ebenso wie bei den genossenschaftlich organisierten Edeka-Märkten. Märkte mit süßwarenfreien Kassen seien zwar noch nicht die Regel, würden aber bei Neu- oder Umbauten immer häufiger gewählt, sagt ein Edeka-Sprecher.

Freie Kassenzone nicht zu erwarten

Einzelhandelsexperte Atzberger sieht darin einen Trend: „Es gibt zunehmend Händler, die sagen ’Ich halte mir die Kasse frei’.“ Beim Discounter könne der Verzicht auf Quengelware etwa ein Konzept sein, den sorgfältig geplanten Einkauf zu unterstützen. Dass die Kassenzone aber komplett von Kaufanreizen freigeräumt wird, ist nicht zu erwarten. Nach Einschätzung eines Branchenkenners lässt sich jedoch mit anderen Produkten dort viel mehr Gewinn machen als mit Süßigkeiten – etwa mit Tabak, Alkohol oder Batterien.

„Ich kann mir vorstellen, dass verstärkt andere Produkte angeboten werden“, sagt auch Joachim Pinhammer vom Analystenhaus Planet Retail. Eine andere Entwicklung könnte seiner Meinung nach aber doch dafür sorgen, dass in Zukunft weniger Quengelware angeboten wird: Selbstbedienungskassen. Die seien zwar in Deutschland noch kaum verbreitet. Sollte sich das Konzept allerdings durchsetzen, werde es schwieriger, an der Stelle Umsätze zu generieren. „Der Kunde hat dann keine Wartezeit mehr, die er sich vertreiben muss.“ Annika Graf, dpa

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