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Bayern

07.08.2019

In diesen Berufen werden noch dringend Lehrlinge gesucht

Im Handwerk sind noch Lehrstellen für Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik oder Elektroniker un besetzt.
Bild: Kaya (Symbolbild)

Plus Bald startet das neue Ausbildungsjahr. Und noch sind in Bayern etwa 1270 Lehrstellen offen - auch in Berufen, in denen es früher immer mehr Bewerber als Jobs gab.

Für junge Menschen aus der Region, die eine Ausbildung als Mechatroniker oder Anlagenmechaniker machen wollen, stehen die Chancen derzeit gut, eine Lehrstelle zu ergattern. Das zeigen die neusten Zahlen, die die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektroindustrie in Bayern am Montag in München vorgestellt haben. „Die Chancen der Bewerber auf Ausbildung verbessern sich stetig“, sagte Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt, „in Bayern noch deutlicher als bundesweit“.

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Bislang haben weniger Lehrlinge einen Vertrag als im Vorjahr

Insgesamt 16.700 Azubis haben zum Juni 2019 in Bayern einen Ausbildungsvertrag mit einem Betrieb aus der Metall- und Elektrobranche abgeschlossen – ein Plus von 2,6 Prozent im Vergleich zu 2018. Auch über die Übernahmesituation können sich die Azubis freuen: Heuer werden knapp 94,4 Prozent der Lehrlinge von ihren Betrieben übernommen. In der Region sind die Zahlen sogar noch höher. Bis Ende Juli 2019 hätten 6,7 Prozent mehr junge Menschen einen Ausbildungsvertrag im Metall- und Elektrobereich abgeschlossen als im Vorjahr, sagt die Industrie- und Handelskammer Schwaben. Doch die Branche scheint eine Ausnahme zu sein.

Hört man sich in der Region bei der Handwerkskammer für Schwaben (HWK) und der Industrie- und Handelskammer Schwaben (IHK) um, zeigt sich: Die positive Bilanz, die Brossardt zieht, spiegelt nur die Lage in der Metall- und Elektroindustrie wider. Oliver Heckemann, bei der IHK für den Ausbildungsbereich zuständig, sagt: „In der Industrie haben wir sehr gute Zahlen. Aber im Handel und im Bereich Hotel- und Gastgewerbe sind noch sehr viele Lehrstellen unbesetzt.“ Momentan suchen noch etwa 570 Unternehmen über die Lehrstellenbörse der IHK einen Lehrling.

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Insgesamt, sagt Heckemann, seien bis Ende Juli 2019 zwei Prozent weniger unterzeichnete Ausbildungsverträge bei ihnen eingegangen als im Vorjahr. Bei der Handwerkskammer ist die Lage ähnlich. Dort lag das Minus bei 4,5 Prozent. Aber, das betonen beide Wirtschaftskammern, die Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen. Denn viele Betriebe reichen die Ausbildungsverträge erst nach und nach ein. Wie es tatsächlich um den Ausbildungsmarkt steht, lässt sich erst Ende des Jahres mit Gewissheit sagen. Und dennoch sagt Heckemann: „Das Minus im Handel werden wir vermutlich nicht mehr mit mehr abgeschlossenen Ausbildungsverträgen in anderen Bereichen ausgleichen können.“

Warum bleiben Lehrstellen offen?

Auch im Handwerk sind momentan noch etliche Lehrstellen unbesetzt. Auf der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer sind noch offene 700 Ausbildungsplätze aufgeführt. Der Chef der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeber, Bertram Brossardt, muss einräumen: Die bayerischen Betriebe stellen zunehmend fest, dass sich immer weniger Interessenten auf eine Lehrstelle bewerben. Brossardt: „Obwohl mehr Ausbildungsplätze von den Unternehmen geschaffen worden sind, führte das nicht zu mehr Ausbildungsverhältnissen.“

 

Dazu kommt, dass die bayerischen Betriebe immer weniger freie Lehrstellen wieder besetzen können. Dafür nennen die Unternehmen verschiedene Gründe: zum Beispiel zu wenige geeignete Bewerber, Absagen, die nicht mehr nachbesetzt werden können. „Oft passen die Wünsche oder die Qualifikation der Lehrstellensuchenden auch nicht mit dem Bedarf der Unternehmen zusammen“, erklärt Brossardt. Aus Heckemanns Sicht spielt noch etwas anderes in die Zahlen hinein: „In der Vergangenheit konnten wir sehr viele Geflüchtete in eine Ausbildung vermitteln.“ Zwar sei das auch dieses Jahr gelungen. „Aber die Zahl ist bei weitem nicht mehr so hoch. Das liegt daran, dass weniger Menschen zu uns kommen.“ Brossardt schlussfolgert: „Die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge könnte höher sein.“

In diesen Berufen gibt es noch viele Lehrstellen

Das ist auch eine Botschaft, die den beiden Wirtschaftskammern wichtig ist: „Wer sich jetzt noch bewerben möchte, sollte das unbedingt tun“, sagt Heckemann. Es gibt noch etliche Berufe, die Lehrlinge suchen. Darunter etwa Groß- und Außenhandelskaufleute oder Bürokaufleute. Beides Berufe, für die es in der Vergangenheit immer mehr Bewerber als Stellen gab. Genauso sind Lehrlinge im Handel, in der Gastronomie- oder Hotellerie gesucht. Und im Handwerk gibt es Stellen für Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Bäcker und Metzger. Und auch für Kraftzeugmechaniker für Lastwagen, Friseure und Elektroniker gibt es noch Ausbildungsplätze. Als Tipp sagt Heckemann: „Oft lohnt es sich, bei dem gewünschten Betrieb nachzufragen, ob sie einen Auszubildenden suchen.“ Viele seien flexibel und freuten sich über Bewerber, auch wenn sie gerade keine Stelle ausgeschrieben haben.

Weil sich der Fachkräftemangel zunehmend bemerkbar macht, gehen die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektroindustrie in Bayern davon aus, dass es 2020 erstmals seit sechs Jahren einen Rückgang bei den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen geben wird. Sie rechnen nur noch mit 16.300 Verträgen.

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