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Interview
14.08.2021

Michael Vassiliadis: "Der ökologische Umbau kann übel scheitern"

Deutschland steigt aus der Kohle aus. Den Grünen geht das nicht schnell genug. Sie wollen bereits 2030 statt 2038 der Kohle den Rücken kehren. Michael Vassiliadis, Chef der Gewerkschaft IG BCE, fordert mehr Realismus ein. (Symbolbild)
Foto: Julian Stratenschulte, dpa

Michael Vassiliadis ist Vorsitzender der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie. Er setzt sich für Klimaschutz ein, fordert aber einen rascheren Ausbau erneuerbarer Energien.

Herr Vassiliadis, Sie halten den Umbau unseres Industriestandortes weg von fossiler zu erneuerbarer Energie, ja die Elektrifizierung und Digitalisierung der Wirtschaft für das größte und riskanteste ökonomische Projekt seit Bestehen der Bundesrepublik. Wie groß ist die Gefahr für unser Land?

Michael Vassiliadis: Erstens erfasst die Digitalisierung unsere Wirtschaft immer mehr. Hier sind wir in Deutschland langsamer, aber nicht immer schlechter als andere Länder unterwegs. Wir dürfen den Anschluss nicht verlieren. Zweitens ist unser Land unter enormen Druck geraten, noch schneller Maßnahmen gegen den fortschreitenden Klimawandel zu ergreifen.

Wie riskant ist der Druck für die Wirtschaft, unser Land so schnell wie möglich in Richtung Klimaneutralität umzubauen?

Michael Vassiliadis: Der immer schnellere Umbau unserer Industrie hin zu immer ehrgeizigeren Klimaschutzzielen ist für die Unternehmen in hohem Maße unkalkulierbar. Wenn sich Firmen auf den Weg machen, die Klimaschutzvorgaben umzusetzen, werden sie schon wieder geändert und bleiben dabei oft in den Umsetzungsdetails wolkig. Dabei will die Industrie beim Klimaschutz mitziehen, doch die Betriebe leiden oft an der fehlenden Verlässlichkeit staatlicher Vorgaben. Der ökologische Umbau der Wirtschaft kann klappen und richtig cool werden, wenn er gut gemacht wird. Es kann aber auch übel scheitern.

Der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE), Michael Vassiliadis.
Foto: Stephanie Pilick (dpa)

Warum könnte die Energiewende übel scheitern?

Michael Vassiliadis: Eine Gefahr besteht darin, dass wir uns nur auf immer ehrgeizigere Klimaziele fokussieren und die realen Entwicklungen beim Umbau unserer Energieversorgung hin zum erneuerbaren Strom ignorieren. Denn eines ist seit längerem schon das Nadelöhr: Uns fehlen ausreichend Windkraft und vor allem die nötigen Leitungen, die den Windstrom von Norden nach Süden bringen. Das heißt, der Zubau an erneuerbarem Strom wächst in Deutschland nicht annähernd so schnell wie die immer ehrgeizigeren Ziele. Allein um in der chemischen Industrie weg von fossiler Energie zu kommen, bräuchten wir rein rechnerisch mehr als 42.000 zusätzliche Windräder. Zum Vergleich: Heute gibt es bundesweit insgesamt gerade mal 32.000.

Was hat dieses Missverhältnis für Folgen in Deutschland?

Michael Vassiliadis: Ein Projektmanager in der Wirtschaft würde bei einem solchen Projektverlauf sofort warnen und sagen: Hier stimmt etwas nicht. Wir müssen etwas anders machen. Doch es passiert bei der Umsetzung zu wenig, auf nationaler wie auf europäischer Ebene. Über dieses zentrale Problem der Energiewende wird viel zu wenig geredet.

Sie reden aber darüber und reden der Politik im Bundestagswahlkampf ins Gewissen.

Michael Vassiliadis: Dafür bekomme ich aber jede Menge neue Brieffreunde und Social-Media-Kontakte. Dort heißt es immer: Ich sei von gestern und halte an alten Vorstellungen fest.

Sind Sie von gestern? Stemmen Sie sich also gegen eine zu schnelle Energiewende?

Michael Vassiliadis: Überhaupt nicht. Ich will den Klimaschutz real nach vorne bringen. Ich stelle nur Fragen. Doch das ist heute in solchen Social-Media-Debatten nicht überall erwünscht.

Und was sagen Sie auf die Frage, ob wir schneller als 2038 aus der Kohle aussteigen sollten?

Michael Vassiliadis: Ich war Mitglied der Kohle-Kommission. Auf das Jahr 2038 sind wir nicht abends beim Kegeln gekommen. Das Jahr 2038 geht auf Untersuchungen zurück, wie schnell wir den dann wegfallenden Kohlestrom mit erneuerbaren Energien und Gas ersetzen können – und dabei haben wir sogar ideale Bedingungen unterstellt. Wenn uns der Ausbau dieses Stroms schneller gelingt, können wir auch schneller aus der Kohle aussteigen.

Die 27 EU-Staaten sind sich einig, die Treibhausgase bis 2030 um mindestens 55 Prozent unter den Wert von 1990 zu bringen - bisher anvisiertes Ziel waren 40 Prozent.
Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB

Wie kommen Ihre Argumente an?

Michael Vassiliadis: Mir scheint, dass der Zusammenhang stärker in den Fokus rückt. Allerdings tun sich einige Nicht-Regierungsorganisationen damit schwer, denn es geht um durchaus konfliktträchtige Themen, die das Tempo des Ausbaus erneuerbarer Energien und der Netze mit sich bringen. Wer sich aber beim Klimaschutz selbst ernst nimmt, der muss da durch. Nur wenn wir genügend Öko-Strom zum Beispiel für chemische Betriebe erhalten, können wir die Produktion elektrifizieren. Wenn wir ihn nicht bekommen, könnten CO2-Reduktionen erneut nur mit Abschaltungen und Verlagerungen erreicht werden. Das würde dem Klima eher schaden als helfen.

Wächst die Einsicht in der Politik?

Michael Vassiliadis: Unterschiedlich! Die Einsicht, dass wir durchaus ein Energiedilemma haben, wächst. Nehmen wir die Umsetzung des Kohleausstiegs: Da wird ständig suggeriert, es passiere nichts und alles geschehe zu spät und zu langsam. Richtig ist, dass die ersten Kraftwerke schon 2020 abgeschaltet wurden, dass der Finanzminister Mittel für die Regionalentwicklung bereitstellt und dass daran gearbeitet wird, in die Regionen Kapazitäten für erneuerbare Energie und Wasserstoff zu holen. Das ist reale Politik. Man kann das noch besser und noch schneller machen, wenn man sich darum kümmert.

Die Grünen wollen ja schon 2030 aus der Kohle raus.

Michael Vassiliadis: Wir könnten 2030 aus der Kohle aussteigen, wenn wir das Dilemma lösen. Wir werden in 2022 im großen Stil die laufenden Atomkraftwerke vom Netz nehmen. Um schon 2030 aus der Kohleverstromung auszusteigen, müssten neben den Erneuerbaren viele neue Gaskraftwerke gebaut werden. Doch warum sollte das passieren, wenn die Gaskraftwerke schon 2045 wieder abgeschaltet sein müssen? Für solche Investitionen braucht man Anreize. Sonst macht das niemand aus der Privatwirtschaft. Wenn wir diese Gaskraftwerke nicht bekommen, wird es sehr eng mit der Versorgung.

Was passiert dann? Drohen Blackouts?

Michael Vassiliadis: Nehmen wir Baden-Württemberg: Dort hat die grüne Landesregierung den Kohleausstieg schnell vollzogen. Doch nahezu jedes Kohlekraftwerk in Baden-Württemberg läuft nach wie vor, weil die Bundesnetzagentur sie als systemrelevant einstuft. Ohne diese Kohlekraftwerke wäre das Stromnetz nicht mehr stabil genug. Darüber redet nur keiner in Baden-Württemberg. Genau das würde auch auf Bundesebene passieren, wenn wir den Kohleausstieg schon 2030 in Deutschland erzwingen würden, ohne Alternativen zu haben. Am Ende des Tages würde es insgesamt an Strom-kapazität fehlen. Damit es nicht zu einem Blackout kommt, bliebe der Bundesnetzagentur nichts anderes übrig, als Druck zu machen, dass fossile Kraftwerke am Netz bleiben, unabhängig davon, wann die Politik den Kohleausstieg verkündet hätte.

Warum diskutiert die Politik all diese Fragen nicht auf Hochtouren?

Das passiert fachlich durchaus, aber eben nicht öffentlich und nicht aus einem Guss. Im Wahlkampf zum Beispiel ist es einfacher, mit radikalen Zielen ins Rennen zu gehen als mit komplizierten, teuren und manchmal auch unsicheren realen Umsetzungsmodellen. Gerne wird erzählt, es gäbe die Zielkonflikte gar nicht und das alles scheitere nur an Unwilligen. Erstaunlich ist, dass trotz öffentlicher Verfügbarkeit der Informationen zum Netzausbau das so auch machbar ist – ohne dass es nennenswerten Widerspruch gibt. Der fehlende Tiefgang der Debatte ist dem Thema nicht angemessen. Interessant ist jedoch, dass zum Beispiel Olaf Scholz Änderungsbedarf formuliert und sich in diese komplizierten Umsetzungsthemen im Wahlkampf begibt. Er spricht unter anderem von Problemen im staatlichen Planungsbereich, bei Genehmigungen und beim Energiepreis.

Wie sieht dann konkret eine Klimapolitik nach Ihrem Geschmack aus?

Michael Vassiliadis: Wir müssen rasch eine Debatte führen, wie wir Klimaschutz ganz konkret und im Detail umsetzen, also zum Beispiel, welche bürokratischen Hürden wir abbauen müssen, um den Anteil von Wind- und Solarstrom auszubauen. Und wir müssen Widerstände bei Bürgern überwinden und uns allen klar- machen, dass der Ausbau von Stromleitungen für Windstrom im Thüringer Wald Bäume kosten wird. So wenig wie möglich, das ist klar, aber so schnell wie nötig. Wenn die Politik nicht das Tempo in den nächsten zehn Jahren deutlich erhöht, dann wird das nichts mit einer schnellen Energiewende.

Das klingt düster.

Michael Vassiliadis: Noch einmal: Ich sträube mich nicht gegen die Entwicklung. Ich habe nur offene Augen. Mein Verdi-Kollege und ich waren in der Kohle-Kommission diejenigen, die nach den Beschlüssen ihren Mitgliedern in den Kohlerevieren schlechte Nachrichten überbringen mussten. Doch nun herrscht Klarheit. Unsere Mitglieder sind zwar enttäuscht, aber sie sind natürlich für Klimaschutz und sehen die Verantwortung. Auch die chemischen Betriebe werden sich durch die Energiewende umstellen müssen. Wir treiben das als IG BCE aktiv an. Wir müssen Beschäftigte für die neuen Anforderungen aus- und weiterbilden. Trotzdem werden wir in dem einen oder anderen Betrieb auch Arbeitsplätze verlieren. Doch um Firmen und Arbeitsplätze zu erhalten, brauchen wir ausreichend günstigen grünen Strom und damit Unmengen an grünem Wasserstoff.

Wie müsste dann das 100-Tage-Klima-Programm einer neuen Bundesregierung aussehen?

Michael Vassiliadis: Die neue Bundesregierung muss in 100 Tagen ein detailliertes Programm vorlegen, wie die Energiewende bis 2030 gestemmt werden kann. Darin muss nicht nur stehen, was wir an Kraftwerken abschalten, sondern es muss auch enthalten sein, wann, wo und in welchem Umfang erneuerbare Energie ausgebaut wird. Wir brauchen konkrete Umsetzungsziele und nicht nur Ziele, die minutengenau die Reduktionspfade beschreiben. Dazu benötigen wir eine unabhängige Instanz, die überwacht, ob Etappenziele rechtzeitig erreicht werden.

Die Grünen wollen klimagerechten Wohlstand schaffen. Geht das?

Michael Vassiliadis: Auch das müssen wir konkreter anpacken. Wohlstand erreichen wir ja auch, wenn die Menschen durch mehr Klimaschutz ein höheres Maß an Gesundheit erreichen. Es darf jedoch nicht bei dem Wunsch bleiben, dass die Klimawende sich irgendwie auch sozial gestalten lasse. Von alleine passiert das nicht.

Was muss also passieren?

Michael Vassiliadis: Um die sozialen Folgen des Umbaus der Industrie zu mehr Klimaschutz abzufedern, plädiere ich dafür, dass man alle Einnahmen aus einer neuen Erbschaftssteuer und einer wiedereingeführten Vermögenssteuer zweckgebunden für die Klimatransformation nutzt. Diese Klimaabgabe muss nicht auf Dauer bleiben, aber zumindest für die Übergangsphase der Transformation. Natürlich muss es Freibeträge geben, ich will nicht das kleine Häuschen für den Klimawandel besteuern. Mir geht es um Klimagerechtigkeit. Dazu können die Reichen und die Generation der Erben einen Beitrag leisten. Die Klimafrage wird ja gerade zur Generationenfrage gemacht. Das schafft auch dort mehr Gerechtigkeit.

Und wie lässt sich der Wandel in der Industrie für die Beschäftigten aus dem Bergbau, der Energie und der Chemie sozial abfedern?

Michael Vassiliadis: Indem wir ihnen konkret helfen, etwa neue Tätigkeiten in der Wasserstoffwirtschaft zu finden. Warum sollen aus Kohlerevieren nicht Wasserstoff-Valleys in Deutschland werden? Lithium, das in Batterien für Elektroautos steckt, kann man auch in Europa abbauen und damit einen neuen Bergbau schaffen.

Doch die Zweifel sind groß, dass wir in Deutschland, ob wir 2030 oder 2038 aus der Kohle aussteigen, über ausreichend grünen Strom verfügen.

Michael Vassiliadis: Das Problem ist, dass jetzt ganz Europa klimafreundlicher werden muss und dafür grünen Strom benötigt. Die Frage ist: Woher sollen diese großen Mengen kommen? Selbst wenn es gelingt, in Afrika oder in den Golfstaaten die Erzeugung von Öko-Strom aus Sonne massiv auszubauen und Wasserstoff zu produzieren, ist Europa noch nicht auf der sicheren Seite. Energiepolitik hat immer auch eine starke geopolitische Komponente.

Doch Skandinavien könnte doch mehr grünen Strom liefern.

Michael Vassiliadis: An diesen skandinavischen Strom aus Wasserkraft will gerade ganz Europa ran. Die Kapazitäten sind aber begrenzt. Deutschland steckt da in einem Strom-Dilemma: Wir wollen weder den Atomstrom aus Frankreich noch den Kohlestrom aus Polen. Das ergäbe ja auch wenig Sinn nach unseren Ausstiegen. Und trotz des enorm gestiegenen Bedarfs an grünem Strom werden unsere eigenen Kapazitäten bei weitem nicht schnell genug ausgebaut. Da weiß zurzeit auch kein Ingenieur mehr weiter.

Zur Person: Michael Vassiliadis, 57, stammt aus Essen und führt seit 2009 die Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie (BCE). Er ist zugleich Präsident des Verbandes der europäischen Industriegewerkschaften.

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Die Diskussion ist geschlossen.

15.08.2021

Der Chef der einflussreichen IGBCE Michael Vassiliadis ist persönlich verantwortlich für das Verschleppen der Energiewende. Seine Äußerungen zeigen, dass er die Folgen der Erderhitzung noch immer nicht verstanden hat. Das droht die größte Umweltkatastrophe der Menschheit zu werden. Und hat kaum absehbare Folgen für die Gesundheit und die Sicherheit der Menschen.

Obwohl Vassiliadis in vielen mit Experten versehenen Gremien sitzt https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Vassiliadis , behauptete er zwei Monate nach den Pariser Vereinbarungen im Februar 2016: „Es gibt sicherlich eine Szene, die nach dem Pariser Gipfel zum Klimaschutz versucht die Braunkohle zu politisieren. … Dabei folgt für uns nichts aus den Gipfel-Beschlüssen. Denn wir haben hierzulande schon die härtesten Ziele zum Klimaschutz.“ (Rheinische Post 9.2.16).

Das war eine glatte Lüge! Deutschland hatte damals und hat heute viel zu schlechte Klimaschutzziele. So werden wir nicht unseren Beitrag leisten zum Nichtüberschreiten der 1,5 Grad Erhitzungslinie.

Immer wieder versuchte er mit ähnlichen Falschaussagen die Energiewende mit Erneuerbaren Energien madig zu machen. Abgesehen von den fürchterlichen Umweltfolgen schadet er hiermit auch dem Industriestandort Deutschland.

Im Interview legt er wieder die alte Platte auf, dass die Politik schuld sei, weil diese unkalkulierbar die Klimaschutzziele festlege. Damit lenkt er auch von seiner persönlichen Verantwortung als führender Gewerkschafter ab. Hat Hr. Vassiliadis die letzten drei Jahrzehnte verschlafen? Immer eindringlicher warnen die Klimawissenschaftler vor den Folgen der durch unsere Treibhausgase verursachten Erderhitzung. Darauf kann und muss sich auch die Industrie einstellen. Und einige tun es: Beispielsweise haben BASF und Daimler daraus die Konsequenz gezogen, ihre Fabriken durch Einsparungen und Bezug von ausschließlich Ökostrom innerhalb weniger Jahre weitgehend klimaunschädlich zu machen.

Der IGBCE-Boss irrt auch bei den Aussagen zur Windkraft, die er übrigens früher immer madig zu machen versucht hat. Denn wir können mittels Repowering, also dem Ersetzen alter Windkraftwerke durch moderne viel produktivere, unsere Windstromproduktion nahezu verdreifachen. Wenn wir dann endlich auch in Süddeutschland, speziell in Bayern, moderne große Windkraftanlagen bauen, können wir die Erzeugung von Landwindstrom gut vervierfachen und haben dann immer noch etwa die gleiche Anzahl von Windrädern wie heute: 30.000 Stück (nicht 32.000 Tausend wir Vassiliadis sagt). Das ist im Schnitt ein Windrad je 12 Quadratkilometer (3 x 4 km).

Raimund Kamm

15.08.2021

Ein Gewerkschaftsmann, der einen wohltuend sachlichen Beitrag zur Energie- und Klimapolitik leistet.
Eine Kernaussage lautet: "Wir brauchen ausreichend günstigen grünen Strom."

Nicht wirklich weiterführend in der Sache sind Kommentare, die in diesem Zusammenhang von "alten weißen Männern" sprechen und von "Funktionären, die nicht ihre Meinung sagen, sondern für ihr Gehalt Gratis-PR für ihre Interessengruppe machen."

Das ist doch die eigentliche Botschaft: Ohne ausreichend viel und wettbewerbsfähige grüne Energie kann ein Umbau der Industrie nicht gelingen, der Wertschöpfung, Klimaschutz und soziale Sicherheit gleichzeitig möglich machen soll.

Im Übrigen: Klasse Interview von Stefan Stahl. Wieder einmal.

15.08.2021

Windräder sind nicht die Lösung. Tausende von Vögel werden geschreddert.. Noch wissen wir nicht inwieweit ein Windrad den natürlichen Windfluss beeinflusst .Der Einfluss von Staudämmen zur Stromgewinnung, Zerstörung des natürlichen Verlaufs und Strömung eines Flusses , sehen wir schon heute die Folgen.des Eingriffs, jeder Einfluss in die fließende strömende Natur hat Folgen. Ein Kohleausstieg ohne umweltschonende Alternativen, ist unverantwortlich. Das Verschrotten eines betagten Windrades ist Sondermüll..Wollen wir Berge von Sondermüll? Elektroautos gut und schön, auf Kosten von Umweltsünden ärmererLänder– Lithiumabbau.Umweltschutz darf nicht an der Landesgrenze enden, ärmere Länder haben folgenschwere, unwiederrufliche Umweltschäden, weil wir bis zur Landesgrenze grün sein wollen, ist das der Fortschritt, den viele Menschen gut heißen?Wasserstoff ist eine sehr saubere Lösung, aber auch die Abspaltung des Wasserstoffes braucht Strom. Die Wende ist notwendig und richtig. Sie darf durch voreiliges unbedachtest handeln aber nicht die Situation verschlimmbessern.

15.08.2021

"Elektroautos gut und schön, auf Kosten von Umweltsünden ärmererLänder– Lithiumabbau."

Der Akku des Laptops oder Smartphones, mit dem Sie diese Zeilen tippen, enthält ebenso Lithium. Tatsächlich geht der größere Teil des abgebauten Lithiums in Laptop- und Smartphoneakkus, nicht etwa in die Batterien von E-Autos.

15.08.2021

Tja, wie man sieht haben auch die Gewerkschaften sich gut gerüstet, um mit einer Tirade von Argumenten den für das Überleben nachfolgender Generationen notwendigen Umbau der Wirtschaft zu verlangsamen. Wie sehr würde man sich wünschen, Gewerkschaften auch nur einmal als fortschrittlich wahrzunehmen. Die alten weißen Männer, die deren Funktionäre sind, sind seit langem zum Teil der Industrielobby geworden. Liebe AZ, bitte geben Sie auch denen, die jung sind, fortschrittlich denken und deren Kinder auf eine lebenswerte Welt angewiesen sind, in Interviews so viel Raum wie diesen Funktionären, die nicht ihre Meinung sagen, sondern für ihr Gehalt Gratis-PR für ihrer Interessengruppe machen.