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Investitionen
20.10.2018

Grätscht Trump Siemens ins Geschäft?

Siemens wollte im Irak ein Milliardengeschäft abschließen: Es geht um den Ausbau der Stromversorgung in dem Land. Nun wird es eng.
Foto: Martin Schutt, dpa

Der deutsche Konzern hatte sich um den Ausbau der Stromversorgung im Irak beworben und gute Chancen. Nun will auch der US-Riese General Electric den Auftrag und bekommt Unterstützung vom Präsidenten

US-Präsident Donald Trump ist bekannt dafür, seine Interessen mit brachialen Methoden durchzusetzen – oft genug mit Erfolg. Zum Leidtragenden dieses Bulldozer-Stils könnte nun auch Siemens werden. Es geht um einen Milliarden-Auftrag im Irak, bei dem es für den deutschen Industrie-Riesen zunächst gut auszusehen schien. Doch auch der große US-Konkurrent General Electric (GE) ist im Rennen – mit der mächtigen Trump-Regierung im Rücken. Wird Siemens das lukrative Geschäft auf der Zielgeraden weggeschnappt?

Bei dem Auftrag geht es um den Ausbau der Stromversorgung um weitere elf Gigawatt in den nächsten vier Jahren – laut Siemens rund die Hälfte der derzeitigen Stromerzeugungskapazitäten in dem vom Krieg gezeichneten Land. Sowohl für Siemens als auch für die Amerikaner wäre der Deal enorm wichtig.

In München bemüht man sich bislang um Gelassenheit. „Wir glauben weiterhin, das beste Angebot für den Irak vorgelegt zu haben“, betont ein Siemens-Sprecher. Aus Kreisen der Bundesregierung heißt es, eine Entscheidung über die Vergabe des Auftrags sei von den Irakern noch nicht getroffen worden. Die Bundesregierung unterstütze Siemens bei dessen Auslandsgeschäften, auch im Irak. Firmen wie Siemens könnten dort einen großen Beitrag zum Wiederaufbau und zur Ausbildung der Fachkräfte leisten.

Ein Sprecher des amtierenden irakischen Premierministers Haider al-Abadi sagte dem Finanzdienst Bloomberg, beide Bewerbungen würden geprüft – politische Erwägungen spielten keine Rolle. General Electric wollte sich nicht äußern.

Doch glaubt man internationalen Medienberichten, so brodelt es hinter den Kulissen. So berichtete die Financial Times, die USA versuchten mit massivem Druck auf die irakische Regierung, den Deal für General Electric zu sichern. Die USA wollten unter anderem Waffen liefern. Auch Bloomberg schrieb, ranghohe Vertreter der US-Regierung hätten al-Abadi gewarnt, die Beziehungen zwischen den Ländern zu riskieren, falls der Auftrag an Siemens vergeben werden sollte. Beide Medien berichten übereinstimmend, dass es bereits eine Absichtserklärung zwischen General Electric und dem Irak geben soll.

Eine Niederlage gegen General Electric wäre für die Münchner ein schwerer Schlag. Das Auftragsvolumen wird auf einen hohen einstelligen Milliardenbetrag geschätzt. Das Geld könnten beide Konzerne gut gebrauchen. Wegen Überkapazitäten bei Großturbinen und der Energiewende stecken ihre Kraftwerksparten tief in der Krise.

General Electric – ehemals Innovationsführer und Aushängeschild der US-Wirtschaft – ist wegen dieses und anderer Probleme seit Jahren im freien Fall. Jüngst erst setzte die mehr als 125 Jahre alte US-Industrie-Ikone ihren erfolglosen Spitzenmanager John Flannery vor die Tür – es war der zweite Chefwechsel innerhalb von 14 Monaten. Die Aktie des Traditionskonzerns, dessen Wurzeln auf Glühbirnen-Erfinder Thomas Edison zurückgehen, befindet sich im Sturzflug und stieg dieses Jahr erstmals seit 110 Jahren aus dem US-Leitindex Dow Jones aus. Kurzum: Nichts könnte das Unternehmen besser gebrauchen als einen Großauftrag.

Doch auch Siemens tut sich in einigen Geschäftsbereichen schwer und senkt die Kosten: Vor wenigen Wochen vereinbarte der Konzern mit Betriebsrat und IG Metall den Abbau von rund 6900 Stellen weltweit, etwa 2900 in Deutschland. Kein Wunder, dass sich beide Konzerne einen Wettkampf im Irak liefern. Bislang hatte sich Siemens stets zuversichtlich gegeben. Konzernchef Joe Kaeser warb vor wenigen Wochen persönlich bei Iraks Premierminister für den Deal – gemeinsam mit dem parlamentarischen Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Thomas Bareiß (CDU).

Ein Siemens-Sprecher hatte im September gesagt, Ziel sei es auch, mit dem Auftrag tausende von Arbeitsplätzen im Land zu schaffen, den Kampf gegen Korruption sowie die Ausbildung von Irakern zu unterstützen. Im Februar sei dem irakischen Regierungschef al-Abadi ein Plan zum Wiederaufbau vorgelegt worden. Es habe ein „positives Feedback von der Regierung für die Entwicklung der Energieinfrastruktur“ gegeben. Doch letztlich könnte Siemens leer ausgehen. Am 30. Oktober veröffentlicht General Electric seinen Quartalsbericht – fünf Tage später als ursprünglich geplant. Womöglich gibt es dann schon neue Details zu dem Irak-Geschäft. (dpa)

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