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20.07.2010

"Jämmerliche" Beratung bei Banken

«Jämmerliche» Beratung bei Banken
Bild: DPA

Berlin (dpa) - Viel schlimmer hätte das Urteil über die Bankberatung in Deutschland nicht ausfallen können: Die Stiftung Warentest bewertet die Qualität der Anlageberatung bei Geldinstituten als "jämmerlich".

Trotz aller Beteuerungen der Branche seit dem Finanzmarktcrash sei die Beratungsleistung schlechter geworden, wie die Wartentest-Studie ergab. Das Bankengewerbe räumte Defizite ein. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) kritisierte: "Viele Banken haben aus ihren Fehlern wenig gelernt."

Nach Testbesuchen in 21 Banken, Volksbanken und Sparkassen bekamen sechs Institute die negativste Note "mangelhaft".Die Note "gut" wurde gar nicht vergeben, wie die Stiftung am Dienstag in Berlin mitteilte. Damit fielen die Ergebnisse noch schlechter aus als in der vergleichbaren Studie von 2009, als nur zwei Institute die Note "mangelhaft" erhielten, wie die Stiftung in der August-Ausgabe ihrer Zeitschrift "Finanztest" berichtet.

Verantwortlich für die schlechten Noten seien "flächendeckende Verstöße gegen das Wertpapierhandelsgesetz", sagte Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift "Finanztest". Geldinstitute müssen seit Jahresbeginn ein Beratungsprotokoll erstellen, wenn die Rede auf Wertpapiere kommt. Darum sei es in der Untersuchung 126-mal gegangen, für die im März und April insgesamt 146 Beratungsgespräche in Filialen geführt wurden. Doch bei mehr als der Hälfte der Fälle (65) gab es kein Protokoll, obwohl danach gefragt worden sei.

"Jämmerliche" Beratung bei Banken

Weitere vorgeschriebene Fragen an die Kunden hätten die Berater häufiger gestellt als bei der vorigen Studie. "Trotzdem sind die Banken noch weit von einem guten Ergebnis entfernt", sagte Tenhagen. Rund ein Drittel der Testkunden wurden nicht nach Einkommen, Vermögensverhältnissen oder Ausbildung gefragt, was für eine Beratung aber nötig sei. In den meisten Fällen hätten die Berater zudem ein zu riskantes Anlagekonzept empfohlen. Gefragt wurde danach, 35 000 Euro für zehn Jahre anzulegen. Am Ende sollte die Summe auf jeden Fall wieder da sein, auch bei möglichen zwischenzeitlichen Verlusten.

Die Branche räumte Defizite ein. Es gebe "bei der Handhabung von Protokollen nach einer Wertpapieranlageberatung von Neukunden offenbar noch deutlichen Nachholbedarf", erklärte der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) als Dachorganisation von Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken.

Aigner forderte die Kreditinstitute auf, ihren gesetzlichen Pflichten nachzukommen und ihre Mitarbeiter entsprechend zu schulen. "Verstöße gegen das Wertpapierhandelsgesetz sind kein Kavaliersdelikt und müssen konsequent geahndet werden." Der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Gerd Billen, verlangte, die Beratung dürfe nicht von Provisionen getrieben sein.

Der Ex-Banker Eberhard Beer kritisierte, auch die von der Politik verordnete neue Transparenz habe wenig verbessert. "Trotz aller Protokolle und Beipackzettel: Vieles ist für Verbraucher nach wie vor nicht verständlich", sagte der Sprecher der "Alten Hasen", eines Netzwerks unabhängiger Bankkaufleute ab 55 Jahre, der dpa.

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