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28.01.2019

Kaffee im Pfandbecher: Diese beiden Münchner stecken hinter "Recup"

Fabian Eckert (links) und Florian Pachaly sind die Gründer von Recup. Das Münchner Unternehmen vertreibt Kaffeebecher, die Kunden wie Pfandflaschen zurückgeben können.
Bild: Recup

Fabian Eckert und Florian Pachaly haben ein Pfandsystem für Kaffeebecher erfunden. Nun gibt es Recup in 2500 Cafés in Deutschland – und in Südafrika.

Wer mit Fabian Eckert reden will, muss sich den Weg durch ein helles Großraumbüro bahnen, vorbei an weißen Schreibtischen und einem langen Regal mit braunen und mintgrünen Kaffeebechern. Ganz hinten, an einer Tischtennisplatte, die zum Konferenztisch umfunktioniert wurde, sitzt Eckert, 29 Jahre, Vollbart, Kapuzenpulli. Er holt sich einen Kaffee, trinkt einen Schluck und fängt dann an zu erzählen: Von dem Zufall, durch den er zum Unternehmer wurde. Und von der Idee, die ihn am Ende in dieses Büro im Münchner Stadtteil Sendling gebracht hat.

Eckert muss ein wenig ausholen, spricht erst einmal über seine Vision. Der Gründer will Wegwerfbecher abschaffen und durch ein System ersetzen, bei dem die Becher wie Pfandflaschen zurückgegeben und wiederverwertet werden. Das Ziel, sagt er, ist „eine Welt ohne Plastikbecher“. Die Idee hatte er vor einigen Jahren, da studierte er gerade in Schweden Nachhaltigkeitsmanagement.

2,8 Milliarden Kaffeebecher werden im Jahr weggeworfen

Wie an den meisten Unis wurde auch dort viel Kaffee getrunken, meist aus Wegwerfbechern. Eckert hatte das schon daheim in Deutschland gestört, er ärgerte sich über die Plastikmüllberge, die mit jedem Kunststoffbecher größer wurden. 2,8 Milliarden Kaffeebecher, für deren Herstellung 43.000 Bäume gefällt und 1,5 Milliarden Liter Wasser verbraucht wurden, landen nach Schätzungen der Deutschen Umwelthilfe jedes Jahr im Müll.

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Eckert wollte das ändern, tüftelte an seiner Idee und wandte sich schließlich an Julia Post. Die Münchnerin steckt hinter der Initiative „Coffee to go again“, die Cafés und Bäckereien animiert, weniger Plastikbecher einzusetzen und Kaffee auch in mitgebrachte Tassen oder Thermosflaschen einzuschenken. Post brachte ihn mit Florian Pachaly zusammen – einem anderen Studenten, der dieselbe Idee hatte.

Vor zweieinhalb Jahren setzten sich die beiden in München zusammen, kurz darauf gründeten sie ihr Unternehmen Recup. Drei Monate lang testeten sie ihr Pfandsystem für Coffee-to-go-Becher im oberbayerischen Rosenheim, der Heimatstadt von Florian Pachaly. Im Frühjahr 2017 folgten 60 Cafés in München, danach rollten sie ihr Konzept in ganz Deutschland aus.

Das Prinzip ist schnell erklärt: Recup stellt Cafés, Bäckereien oder Restaurants die Becher zur Verfügung. Die Gastronomen zahlen einen Euro Lizenzgebühr pro Tag, unabhängig davon, wie viele Becher sie nutzen. Für Kunden, die ein Exemplar haben wollen, fällt ein Euro Pfand an. Wenn sie die Becher zurückgeben, bekommen sie ihr Geld zurück. Die Gefäße können bis zu 500 mal gespült und wiederverwendet werden. Danach nimmt Recup sie wieder zurück und lässt sie recyceln.

2500 Gastronomen vertreiben die Recup-Becher

Die Becher sind aus Kunststoff hergestellt, aus jenem Material also, das die Recup-Gründer abschaffen wollen. Wie passt das mit der Vision des Unternehmens zusammen? Fabian Eckert antwortet routiniert, er hat die Frage schon öfter gehört. „Es ist aktuell das einzige Material, das für unsere Zwecke passt“, sagt der Gründer. Die Becher müssten spülmaschinenfest sein, leicht stapelbar und bruchsicher, da sie an die teilnehmenden Gastronomen verschickt werden. Bambusbecher etwa kämen nicht infrage – auch, weil das Material bei Temperaturen von über 70 Grad Stoffe wie Melamin abgeben kann. Recup-Becher, sagt Eckert, enthalten diese Stoffe dagegen nicht.

Die Becher können bis zu 500 Mal benutzt werden.
Bild: Mohssen Assanimoghaddam, dpa

Mittlerweile haben rund 2500 Gastronomen in Deutschland die Becher im Sortiment, im Allgäu, in Augsburg und Neu-Ulm genauso wie in Hamburg und Rostock oder in den Kantinen von Volkswagen, Microsoft oder der Allianz. Die unterschiedlichen Städte und Regionen spiegeln sich auch in den Motiven auf den Bechern wider: Auf dem Augsburger Modell ist das Rathaus zu sehen, daneben steht: „Salve Augsburg“. In Berlin begrüßt Recup die Kunden mit einem „Tach“, darunter Zeichnungen von Brandenburger Tor und Fernsehturm. Fabian Eckert hofft, dass Kunden ihre Becher ab und zu auch mal in anderen Städten zurückgeben und sich die Becher-Motive durchmischen, „ein wenig wie bei den Euro-Münzen“, sagt der Gründer.

Etwa 21 Mitarbeiter arbeiten bei Recup

Seit diesem Jahr gibt es Recup auch im Ausland: Das Unternehmen vertreibt die Becher mit einem Kooperationspartner in Südafrika. Eckert springt auf, um ein Exemplar zu holen. Er kehrt zurück mit einem Becher, der ähnlich aussieht wie die Modelle, die in Deutschland im Umlauf sind. „Howzit Durban“ steht auf dem Becher, zu Deutsch: „Was geht, Durban?“

In den nächsten Monaten soll Recup weiter wachsen, sagt Eckert. Mit weiteren Städten, weiteren Unternehmern und auch anderen Partnern im Ausland. Das muss das Unternehmen auch, wenn es profitabel werden soll. Das Start-up ist in den vergangenen zwei Jahren schnell groß geworden, mittlerweile arbeiten rund 20 Mitarbeiter bei Recup. Dahinter stehen Investoren, allein über die Gebühren der Kunden lässt sich die Firma noch nicht finanzieren. Eckert ist zuversichtlich, dass sich das bald ändern wird. Schließlich kommen fast täglich neue Kunden hinzu. Und Recup damit ein Stück näher an sein Ziel.

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28.01.2019

Eigentlich ist Plastik ja bäh. Nur hier ist es gut. Weil weniger weggeworfen wird. Aber an sich gehört Kaffee doch in eine Porzellantasse und im Sitzen mit Muße und Genuss getrunken. Oder nicht?

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