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14.08.2019

Klöckners Lebensmittelampel fällt bei Verbrauchern durch

Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, bei der Vorstellung ihres Konzepts für eine Lebensmittelampel.
Bild: Kay Nietfeld, dpa

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner konzipiert eine Lebensmittelampel – und sorgt damit für Verwirrung bei Verbrauchern.

Der von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) konzipierte Wegweiser für die Ernährung verwirrt die Verbraucher. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage unter 1000 Konsumenten. Nur 5 Prozent halten die Lebensmittelampel der CDU-Politikerin für schnell erfassbar, 65 Prozent hingegen für kompliziert. In Auftrag gegeben hat die Untersuchung ein Bündnis, das sich mit Klöckner seit langem über die richtige Kennzeichnung von Lebensmitteln streitet. Ihm gehören unter anderem die Deutsche Diabetes Gesellschaft, der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte und die Verbraucherorganisation Foodwatch an.

Klöckners Gegner trommeln für ein anderes Modell. Es heißt Nutri-Score und wurde von französischen Wissenschaftlern entwickelt. Nutrition ist das französische Wort für Ernährung. Der Ansatz arbeitet mit den Ampelfarben – grün ist gesund, gelb vertretbar und rot bedeutet ungesund. Ergänzt wird es durch Buchstaben von A für gut bis E für bedenklich. Verwendet wird die Farbskala bereits in Frankreich und Belgien. Spanien hat angekündigt, sie einzuführen. In der Befragung sprachen sich 69 Prozent der Teilnehmer für diese Kennzeichnung aus, nur 25 Prozent für den Wegweiser der Landwirtschaftsministerin. Unentschieden waren 6 Prozent.

Lebensmittel-Ampel: Rechtsstreit mit Iglo dauert an

Klöckner hat viel Druck von der Lebensmittelindustrie erhalten. Teile der Unternehmen fürchten, dass sich ungesunde Nahrungsmittel schlechter verkaufen. Dazu zählen zum Beispiel Limonade, Süßigkeiten, Chips aber auch fett- und salzhaltige Wurst.  Die zuständige Ministerin hat deshalb ein Wabenmodell entwickeln lassen. Es arbeitet nicht mit den Ampelfarben. Die Industrie lehnt rot ab, weil es aus ihrer Sicht ein Verbot signalisiert. Die Waben enthalten detaillierte Informationen über den Nährwert, sind aber aus diesem Grunde schwerer zu verstehen. Erleichtert werden soll den Verbrauchern ihre Entscheidung durch Sternchen. Ein Stern heißt ungesund, fünf Sterne meinen gesund.

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Allerding tobt auch im Lager der Erzeuger ein Kampf. Iglo wollte vorangehen und den Nutri-Score auf seine Verpackungen von Fischstäbchen und Fisch-Filets drucken. Daraufhin wurde das Unternehmen verklagt. Der Rechtsstreit dauert an. Auch Bofrost hat sich dazu entschlossen, die Lebensmittelampel auf seine Packungen zu nehmen. Der Lebensmittelgigant Nestlé will im Herbst folgen.

Ministerin Klöckner gibt eigene Umfrage in Auftrag

Ärzte mahnen seit Jahren, dass die Deutschen schlecht essen. Zu viel Zucker, zu viel Salz, zu viel Fleisch kommen auf den Tisch. "15 Prozent der Kinder in Deutschland sind übergewichtig. Ein entscheidender Risikofaktor für Übergewicht sind ungesunde Lebensmittel", warnte Professor Berthold Koletzko vom Klinikum der Uni München bei der Vorstellung der Umfrage. Der Kinderarzt leitet die Ernährungskommission der Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Vor allem in sozial schwächeren Familien werde sich ungesund ernährt. "Wenn Eltern einen geringen Bildungsstand haben oder übergewichtig sind, dann haben die Kinder ein deutlich höheres Risiko, auch dick zu werden", erklärte der Mediziner. Die Zustimmung zum Nutri-Score liegt in dieser Bevölkerungsgruppe wegen der vertrauten Ampelfarben höher als bei Studierten. Übergewichtige leiden häufiger unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes Typ 2.  

Die Landwirtschaftsministerin lässt gerade in einer eigenen Umfrage erheben, welche Symbole bei den Verbrauchern am besten ankommen. Vier Modelle werden von Verbrauchern noch bis Ende August bewertet. Im September sollen dann die Ergebnisse vorgestellt werden. Danach soll entschieden werden, welche Kennzeichnung hierzulande vorgeschrieben wird. Klöckners eigene Experten vom staatlichen Max-Rubner-Institut für Ernährung kamen zu dem Schluss, dass der Nutri-Score "grundsätzlich vorteilhaft" für die Nährwert-Kennzeichnung ist. Allerdings hat auch die Lebensmittelampel ihre Tücken, wenn zum Beispiel das allgemein als gesund betrachtet Olivenöl wegen seines hohen Fettgehalts mit rot bewertet würde.

Hören Sie sich dazu auch unseren Podcast zum Thema Gesundheit an:

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