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Kommentar
28.09.2016

VW-Abgasaffäre wird auch für Audi zum großen Problem

Wie VW hat sich auch die Ingolstädter Tochter Audi mit Tricks Vorteile bei Abgastests verschafft.
Foto: Armin Weigel/Archiv (dpa)

Der Dieselskandal hat Volkswagen in eine existenzielle Krise gestürzt. Auch Audi hat getrickst. Der Konzern muss nun alles daransetzen, den Abwärtssog schnellstmöglich zu stoppen.

Manchmal fragt man sich, welcher Teufel intelligente Menschen reitet, sich vom fairen Wettbewerb zu verabschieden und mit Tricks Vorteile zu verschaffen. So geschehen bei Volkswagen und der Tochter Audi. Vor gut einem Jahr ist aufgeflogen, dass rund elf Millionen Diesel-Pkw aus dem VW-Konzern eine manipulierte Motorsoftware haben. Die Steuerung gaukelt bei Abgastests tolle Werte vor – im Alltagsbetrieb stoßen die Autos jedoch ein Vielfaches aus. Darauf zu bauen, dass das keinem auffallen würde, darf man als naiv bezeichnen.

Mit einer Allegorie lässt sich das auf einen Nenner bringen: Lügen haben kurze Beine – und sie können wehtun. Ja, es ist so, die Affäre wird den Autobauer noch jahrelang verfolgen. Die Aktie brach ein, hunderte Leiharbeiter erhielten keine Vertragsverlängerung, das Management musste die Sparprogramme verschärfen und Investitionen in einer wichtigen Umbruchphase hin zu neuen Technologien auf den Prüfstand stellen. Längst ist durchgesickert, dass bis Ende 2017 zudem jede zehnte Stelle in der VW-Verwaltung wegfallen soll.

Bei Audi schien alles nur halb so schlimm. Bis sich in den vergangenen Wochen herausstellte, dass die Ingolstädter Autobauer tiefer mit im Sumpf stecken, als Management und Mitarbeitern lieb sein kann. Tatsache ist, dass die jeweiligen Chefs der technischen Entwicklung, Ulrich Hackenberg und Stefan Knirsch, frühzeitig involviert waren. Die einzig richtige Konsequenz war die Trennung. Vorstandsvorsitzender Rupert Stadler dagegen scheint nach dem Stand der Dinge unbelastet. Für Audi ist das wichtig, denn er kennt das Unternehmen, und ihn auszuwechseln wäre mit einem riesigen Verlust an Managementerfahrung verbunden. Einen Konzern mit über 80 000 Mitarbeitern durch solch eine Krise zu steuern, ist eine Herkulesaufgabe.

Mitarbeiter von Audi werden in den kommenden Jahren leiden

Wichtig wäre, sich möglichst schnell mit den US-Umweltbehörden auf einen Reparaturplan für 85 000 Audi-Fahrzeuge mit großem Dieselmotor zu einigen. Dann ließe sich zumindest die Höhe des finanziellen Schadens abschätzen. Allerdings noch ohne Prozesskosten und den möglichen Einbruch bei Dieselautoverkäufen.

Damit wird klar: Auch die Standorte und die Mitarbeiter von Audi werden in den kommenden Jahren leiden – allerdings ausgehend von einem hohen Niveau. Das seit langer Zeit auch dank der vom Autohersteller bezahlten Gewerbesteuer prosperierende Ingolstadt wird künftig nicht mehr im Geld schwimmen. Dies wiederum könnte Auswirkungen auf den dort aufgeblähten Immobilienmarkt haben. Die üppige Jahrestantieme der Mitarbeiter wird ebenfalls schrumpfen.

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Diesel wird künftig nur noch in Europa eine Rolle spielen

Technisch wird sich Audi umstellen. Dieser Prozess läuft bereits. Das geht bei den Modellzyklen allerdings nicht von heute auf morgen. Immerhin – drei Elektroautos sind bis 2020 bereits in der Pipeline. Und die Diesel werden künftig nur noch in Europa eine relevante Rolle spielen. Die Absatzzahlen sind hier bislang nicht eingebrochen, weil die Selbstzündertechnologie den Benzinermotoren in Sachen Kohlendioxid-Werte und Verbrauch überlegen ist. Nur dank ihr lassen sich für die Flotte der Autohersteller auch die künftigen EU-CO2-Grenzwerte einhalten.

Am Ende noch einige Sätze zu den Abgasgrenzwerten allgemein: Diese werden von der Politik unter Einfluss von Lobbyisten jeweils so gestaltet, dass ausländische Konkurrenz möglichst aus dem Markt gedrängt wird. Den Amerikanern ist dies gelungen, indem sie die Stickoxid-Grenzwerte sehr niedrig ansetzten, um die bei anderen Grenzwerten überlegenen Dieselautos zu stigmatisieren. Dies kann allerdings keine Entschuldigung für den Betrug von VW und Audi sein.

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