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Autobauindustrie

11.02.2020

Krise: Wie Daimler 1,4 Milliarden Euro einsparen will

Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, spricht während der Bilanz-Pressekonferenz der Daimler AG.
Bild: Marijan Murat, dpa

Der neue Daimler-Chef Ola Källenius muss den Konzern aus der Krise führen. Warum der Top-Manager glaubt, dass ihm drei harte Jahre bevorstehen.

Der Schwede Ola Källenius spricht ausgezeichnet Deutsch. Im umfangreichen Wortschatz des 50-Jährigen ist auch das nicht mehr allzu oft verwandte Wort „schmallippig“ ansässig geworden. Und schmallippig gibt sich der Daimler-Chef, wenn er am Dienstag bei der Bilanzpressekonferenz in Stuttgart nach konkreten Schritten gefragt wird, wie der Autobauer profitabler werden und die Krise hinter sich lassen will.

Kuriose Gerüchte: Daimler soll S-Klasse einstellen wollen

Umso zugeknöpfter sich Källenius verhält, desto besser gedeihen bizarre Geschichten rund um den Konzern. So hieß es in den unendlichen Online-Weiten, Daimler überlege, die S-Klasse einzustellen, was natürlich Unsinn ist, aber dennoch in der Fragerunde in Stuttgart eine Rolle spielt. Das Thema wird diskutiert, obwohl der Autobauer seine neue S-Klasse Ende dieses Jahres auf den Markt bringen will.

Ausgangspunkt der schrägen S-Klasse-Story war ein (wiederum unkommentierter) Bericht, weder das S-Klasse-Cabrio noch das S-Klasse-Coupé würden einen Nachfolger bekommen und den Källenius-Sparplänen zum Opfer fallen. Daraus entwickelte sich dann die Nachricht von der kompletten Aufgabe der prestigeträchtigen Baureihe.

Krise: Wie Daimler 1,4 Milliarden Euro einsparen will

Doch bei diesem Gerücht bleibt es nicht. Geht es nach den Rechercheuren des Handelsblattes „droht auch der B-Klasse das Ende“. Das Kompaktmodell könnte in eine Mischung aus Pkw und SUV überführt werden. Auch darauf geht der Daimler-Chef nicht näher ein. Er spricht nur kurz einmal „von der B-Klasse meiner Frau“, seine einzig private Einlassung an diesem Tag.

Job-Streichungen bei Daimler: Bis zu 15.000 Stellen könnten wegfallen

Folglich herrscht ein wohlig-perfektes Wachstumsklima für Daimler-Gerüchte. Bestens gedeihen dabei auch immer drastischere Spekulationen, wie viele Stellen der Autobauer nun streichen werde. Nach ursprünglich etwa 10.000 Arbeitsplätzen ist nun von bis zu 15.000 die Rede. Aber selbst diesen wild wuchernden Überlegungen entzieht Källenius in Stuttgart nicht den Nährboden.

Der Konzern-Lenker hält konsequent an der Formulierung fest, bis Ende 2022 mehr als 1,4 Milliarden Euro einsparen zu wollen. Er verkneift sich schmallippig die Antwort, wie viele Jobs im Zuge dessen wegfallen sollen. Källenius räumt lediglich ein, in der Summe von gut 1,4 Milliarden Euro sei neben der „deutlichen Reduzierung der Material- und Verwaltungskosten ein weltweiter sozial verträglicher Abbau von Arbeitsplätzen inklusive der Reduzierung von Führungspositionen“ enthalten.

Immerhin verrät der Daimler-Chef, dass der Personalabbau „durch einen ganzen Blumenstrauß an Maßnahmen“ erfolgen solle. Natürlich bemüht sich Daimler, den Stellenabbau vor allem über freiwillige Schritte wie Altersteilzeit zu erreichen. Als Källenius dann wiederum gefragt wird, warum er denn nicht endlich eine konkrete Zahl nenne, meint er nur: „Das ist nicht förderlich und wir haben das auch mit den Sozialpartnern so verabredet.“ Dem Satz ist zu entnehmen, dass der Manager mit den im Daimler-Konzern traditionell mächtigen Betriebsräten diesbezüglich eine Art Stillhalteabkommen geschlossen hat.

Källenius legt aber Wert darauf, dass der Autobauer im Zuge der Digitalisierung reichlich zusätzliche Jobs für Softwareentwickler schaffen wolle. So könnte die Arbeitsplatzbilanz des Konzerns mit rund 300.000 Mitarbeitern trotz wegfallender Stellen in klassischen Bereichen insgesamt erträglich ausfallen. So viel ist immerhin klar: Das Unternehmen setzt auch bei Top-Leuten, ähnlich wie derzeit andere Autohersteller, kräftig den Rotstift an. Källenius wird hier ausnahmsweise konkret: „Wir wollen zehn Prozent der Managementpositionen in den nächsten drei Jahren einsparen.“

Daimler-Mitarbeiter erhalten deutlich weniger Prämien

Fest steht auch, dass die in der Vergangenheit reichlich verwöhnten 130.000 Daimler-Mitarbeiter in Deutschland, die unter den Tarif fallen, für das wirtschaftlich nicht so gut gelaufene Jahr 2019 Abstriche machen müssen. Sie erhalten demnach eine Ergebnisbeteiligung von bis zu 597 Euro und eine einmalige Anerkennungsprämie von maximal 500 Euro.

Was sich für Beschäftigte anderer Branchen nach einer großzügigen Zugabe anhört, ist für die Daimlerianer Mineralwasser statt des gewohnten Champagners. Denn 2018 konnten sie sich einer Edelprämie von 4965 Euro erfreuen. Aber in Zeiten des Personalabbaus und einer von 3,25 auf 0,90 Euro je Aktie abgespeckten Dividende herrscht Bonus-Diät-Zeit.

Schließlich ist nach nun endgültigen Zahlen das Konzernergebnis des weltweit führenden Premiumherstellers trotz in etwa stabiler Verkäufe und Umsätze von rund 7,58 auf etwa 2,71 Milliarden Euro eingebrochen.

Der meist freundlich und verbindlich wirkende Källenius zeigt sich verärgert über die finanzielle Entwicklung des auch durch einen Diesel-Skandal gebeutelten Konzerns. „Das reicht nicht, das akzeptiere ich nicht“, sagt er immer wieder mit entschlossenem Blick. Dabei will der Manager den Eindruck vermitteln, Daimler habe den Hebel grundsätzlich umgelegt.

Damit meint er das „emissionsfreie Fahren“, also Elektroautos. Der Öko-Umbau des Konzerns scheint einer langen Reise zu gleichen. Diesmal alles andere als schmallippig bekennt Källenius: „Die nächsten drei Jahre werden ein Sack voll Arbeit. Ich bin da Realist.“

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Daimler in der Krise: Källenius braucht dringend eine Vision

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